Aussegnungshalle in Eichenau modernisiert

Blick ins Paradies

 Carsten Sauerbrei
2. Mai 2018
Im umgestalteten Aussegnungsraum blicken die Trauergäste in Richtung des neuen Paradiesfensters. (Bild: SPP Sturm, Peter + Peter, München)
Mit Hilfe der Architektur dem Abschied von Verstorbenen einen würdigen Rahmen zu geben, das war die Aufgabe bei der Modernisierung der Aussegnungshalle in Eichenau. SPP Sturm, Peter + Peter, München wählten dafür eine klare und farbenfrohe Gestaltung.
Psychologen betonen immer wieder die hohe Bedeutung von Ritualen für eine gesunde Lebensführung. Um diese würdig zu begehen, kann Architektur eine entscheidende Rolle spielen, vor allem wenn es sich um den Abschied von einem Verstorbenen handelt. Das Münchner Büro SPP Sturm, Peter + Peter fand mit den Anfang Januar abgeschlossenen Arbeiten zur Modernisierung der 1967 erbauten Aussegnungshalle auf dem Gemeindefriedhof Eichenau eine gute Lösung für diese wichtige Gestaltungsaufgabe.
Das Paradiesfenster besteht aus drei Glasebenen, bei denen die mittlere um ein halbes Feld versetzt angeordnet wurde und so reizvolle Überlagerungen entstehen lässt. (Bild: SPP Sturm, Peter + Peter, München)
Mit dem Umbau interpretierten SPP die räumliche Situation der Anlage neu. Während die Trauergäste bisher direkt vom Parkplatz aus die Aussegnungshalle betraten, gehen sie nun zunächst an der Stirnseite des Gebäudes vorbei zum Vorplatz, der so in die Architektur einbezogen wird. Dort können sich die Trauergäste versammeln und anschließend unter einem neuen Vordach entlang gehen, bevor sie das Foyer betreten. Vom Foyer aus sind sowohl der große Aussegnungsraum als auch ein kleinerer, neu geschaffener Verabschiedungsraum direkt erreichbar.
Den Vorplatz der Aussegnungshalle bezogen die Architekten in die Neugestaltung ein. (Bild: SPP Sturm, Peter + Peter, München)
Den zu klein gewordenen Aussegnungsraum erweiterten SPP auf die doppelte Größe für bis zu 90 Personen, indem sie eine bestehende Vorhalle beseitigten und die Zahl der Aufbahrungszellen reduzierten. Dazu brachen sie die bisherigen, raumbegrenzenden Giebelwände komplett ab und ließen sie über schlanke Stahlstützen abfangen. Der wohltuend klar und hell wirkende Raum gliedert sich nach dem Umbau in drei Zonen und hält damit verschiedene Architekturerfahrungen bereit - einen niedrigeren Bereich mit horizontalem Deckenabschluss am Eingang, der hohe von einem Tonnendach überwölbte Hauptraum für die Trauergäste und eine wiederum niedrigere Raumzone, in der der Sarg aufgestellt wird.
Im neuen Verabschiedungsraum setzen die Architekten mit einem rechteckigen Kunstglasfenster einen farbigen Akzent. (Bild: SPP Sturm, Peter + Peter, München)
Besonders gelungen sind den Architekten die Neuinszenierung und das In-Bezug-Setzen von Foyer, Aussegnungs- und Verabschiedungsraum durch drei, farbige Kunstglaselemente. Ausgehend von den vorhandenen Betonwabenfenstern griffen sie das Quadrat als Motiv auf und variierten es. Bei dem großen Paradiesfenster im Aussegnungsraum versetzten sie die mittlere von drei Glasebenen um ein halbes Feld, sodass reizvolle Überlagerungen der Farbquadrate entstehen. Das kleinere Kunstglasfenster im Foyer besteht dagegen aus nur zwei Glasebenen und sind damit durchlässiger für den Blick nach draußen. Im Verabschiedungsraum kontrastieren die Architekten schließlich die quadratischen Fensterformate von Foyer und Aussegnungsraum mit einem rechteckigen Zuschnitt.

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