Werner Düttmann-Ausstellung im Brücke-Museum Berlin und an 27 Orten

Berlins Brutalist

Ulf Meyer
30. März 2021
Wohnbebauung am Mehringplatz, Akademie der Künste, Berlin, Werner-Düttmann-Archiv, Nr. 34 F. 34/29a (Foto: Leon Müller)

Werner Düttmann war die zentrale Figur in der Architekturszene von West-Berlin in den 1960ern und 1970ern. Am 6. März 2021 wäre er hundert Jahre alt geworden. Das Brücke-Museum würdigt dieses Jubiläum mit der Ausstellung „Berlin. Bau. Werk“.

Düttmann hat als Architekt, Senatsbaudirektor, Professor an der Technischen Universität Berlin und Präsident der Akademie der Künste bleibenden Eindruck und bleibende Schäden in der Berliner Architektur und Stadtentwicklung hinterlassen. Er wäre am 6. März hundert Jahre alt geworden. Rund siebzig seiner Kultur-, Wohn- und Verkehrsbauten existieren noch. Dass ein Senatsbaudirektor vor und nach seiner Zeit als Politiker so viele große und prägende Gebäude baut, wäre heute glücklicherweise undenkbar. Die Ausstellung „Werner Düttmann. Berlin. Bau. Werk“ im von Düttmann erbauten Brücke-Museum besteht aus zwei Teilen. Neben der Schau im Museum, das Düttmann 1967 am Rande des Grunewalds für die Kunst des Expressionismus entwarf, sind dies die Verkehrskanzel am Ku'Damm, drei U-Bahnhöfe der Linie U7 in Neukölln, der Mehringplatz und die Kirche St. Martin im Märkischen Viertel. Das Programm des Jubiläums findet zudem als Parcours an 27 Orten statt – den Düttmann-Gebäuden im Stadtraum.

Hansabücherei, 1957, Akademie der Künste, Berlin, Werner-Düttmann-Archiv, Nr. 11 F. 7/22 (Foto: Foto-Kessler)

Im Brücke-Museum werden Düttmanns Oeuvre und sein Werdegang vorgestellt. Ein Fokus wird auf sein künstlerisches Schaffen und seine Sammelleidenschaft gelegt. Ein Ausstellungsraum wurde in den historischen Bauzustand zurückgeführt, Wände im originalen Farbton gestrichen und die Oberlichter geöffnet. Die Präsentation zeigt, wie sich Düttmanns Räume und die Kunst des Expressionismus ergänzen. „Düttmanns Geschichte ist in vielerlei Hinsicht auch die Geschichte der jungen Bundesrepublik“ schreibt Niklas Maak im Begleitband zur Ausstellung treffend. Der Band ist die erste Publikation zu Düttmann seit 1991. Der Katalog enthält Beiträge von Arno Brandlhuber, Adrian von Buttlar, Nele Hertling, Hanns Zischler und vielen anderen. Er hat eine Verbindung zu Düttmann: Die Gestaltung der Verlagsbuchhandlung Ernst Wasmuth in Charlottenburg war ein Frühwerk des Architekten. Düttmann wird in dem Band als „Architekt der Re-Education“ portraitiert, der neue Räume „aus einem zerstörten Reich voller Nationalsozialisten, das in nur einem Jahrzehnt eine der stabilsten Demokratien“ geworden war, erfand. „Viele hat Düttmann in Zusammenarbeit mit Amerikanern geplant, während seiner formalen Experimente blieb er der transatlantischen Moderne treu.“

St. Agnes, Akademie der Künste, Berlin, Werner-Düttmann-Archiv, Nr. 23 F. 22/37 (Foto: Wolf Lücking © Franziska Lücking)

Werner Düttmann hatte in den ersten Nachkriegsjahren im Geiste seines Lehrers Hans Scharoun gewirkt. 1950 ging er mit einem Stipendium an die Universität Durham in England. Dort hat er die moderne, autogerechte Stadtplanung nach angel-sächsischen Vorbild studiert. Als er zehn Jahre später zum Senatsbaudirektor wurde, prägte er für eine Dekade die Berliner Architektur und Stadtplanung wie später erst wieder Hans Stimmann: Mit dem Märkischen Viertel, dem Mehringplatz und dem Kottbusser Tor entwarf er Stadträume und Quartiere, die heute als „soziale Brennpunkte“ bezeichnet werden. Der Genius Loci fiel dort dem geschichtsfeindlichen Zeitgeist zum Opfer. Anders als sein Pendant Robert Moses in New York, ist Düttmann in Berlin bis heute keiner gründlichen kritischen Würdigung ausgesetzt gewesen. Als Architekt zweifellos begabt, haben seine Arbeiten als Stadtplaner die Defizite der Nachkriegsmodernen Stadt überdeutlich werden lassen. Die eleganten Details seiner frühen Entwürfe aus den 1950er-Jahren – wie der Hansabücherei – wichen bald groben, defensiven Sichtbetonbauten wie der Mensa der TU und dem Wertheim-Kaufhaus am Ku’damm. Die Katholischen Kirchen wie St. Martin und St. Agnes gelten heute als herbste Beispiele des Brutalismus in Berlin.

Ausstellung „Berlin. Bau. Werk“

17. April – 11. Juli 2021
Brücke-Museum, Bussardsteig 9, Berlin

Weitere Innenraumpräsentationen im Haus der Kulturen der Welt (HKW), in der König Galerie in St. Agnes, der Hansabücherei am Hansaplatz und im Foyer der Akademie der Künste am Hanseatenweg

Weitere Informationen

Werner Düttmann. Berlin.Bau.Werk.

Werner Düttmann. Berlin.Bau.Werk.
Lisa Marei Schmidt, Kerstin Wittmann-Englert

22,5 x 29 cm
372 Seiten
368 Illustrationen
Klappenbroschur mit Fadenheftung
ISBN 9783803022158
Wasmuth & Zohlen Verlag, Berlin
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