Bereit für Veränderung

Ulf Meyer
26. Januar 2022
Hallenbad, Spa und Sportzentrum St. Moritz (Visualisierung: Morger Partner Architekten, 2021)

Eine sehenswerte Ausstellung zeigt seit dem 21. Januar die Architektur Galerie Berlin: Das Schweizer Büro Morger Partner hat für 22 seiner Bauten neue Nutzungsszenarien entwickelt. Sind sie ökologischen, ökonomischen oder demografischen Veränderungen gewachsen?

Auch in Deutschland ist das Schweizer Team von Morger Partner gefragt und erfolgreich: Im Sommer 2020 gewann es den Realisierungswettbewerb um die Gestaltung des Campus der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main. Mit drei Hochhäusern soll die Anlage um das bekannte Hochhaus im Stil des Brutalismus erweitert werden. Überzeugt haben die Basler, weil sie mit ihrem Vorschlag auf ökologische Nachhaltigkeit setzen, statt opulente Repräsentationsarchitektur zu schaffen: Die neuen Häuser sollen in Holzhybridbauweise gebaut werden. Der Bestand werde auf diese Weise, erklären die Architekten, durch eine „offene Leichtigkeit“ ergänzt, die auf den Gestaltungen Egon Eiermanns inspiriert sei. Im August vorigen Jahres wurde der Zuschlag erteilt. Bis die neuen Türme jedoch tatsächlich in den Frankfurter Himmel ragen, ist es noch ein weiter Weg.

Derweil präsentiert sich das Büro mit der Ausstellung „Was War Was Wird“ in der Architektur Galerie Berlin. Diese wird einen „doppelten Wechsel“ thematisieren, nämlich einerseits den Generationenwechsel im Büro und andererseits die neuen Schwerpunkte beim Bauen generell. 

Überbauung Dreirosen-Klybeck, Basel (Visualisierung: Morger Partner Architekten, 2021)
Überbauung Dreirosen-Klybeck, Basel (Visualisierung: Morger Partner Architekten, 2021)

Ein wichtiges Thema der Schau wird Resilienz sein: Das Team von Morger Partner hat für 22 Bauten, die es in gut drei Jahrzehnten verwirklichen durfte, neue Nutzungsszenarien entwickelt. Untersucht wurde, wie die Gebäude auf ökologische, ökonomische, demografische und politische Veränderungen reagieren können. Es wurde quasi das „Resilienz-Potenzial“ der eigenen Architektur überprüft. Darüber hinaus soll mit der Ausstellung zum Ausdruck gebracht werden, dass das Bauen im Bestand die wichtigste Aufgabe der zeitgenössischen Architektur ist. Eine Botschaft, die sich zu wiederholen lohnt. Denn zwar ist den meisten Architekturschaffenden dies mittlerweile klar, doch in der Praxis wird noch immer zu viel neu gebaut – gerade auch in Deutschland.

Haus Bischoffweg (Visualisierung: Morger Partner Architekten, 2021)

Bei der Gestaltung von „Was War Was Wird“ werden Lina Bo Bardis elegante Standmodule eingesetzt, die die Architektin einst für das Museu de Arte de São Paulo entworfen hat. Jedes Modul präsentiert ein Gebäude sowie dessen möglichen Umbau.

Zu den international bekanntesten Werken der Architekten gehören der Messeturm in Basel (2003), das Kunstmuseum Vaduz (2000) und der Basler Claraturm (2021). Das 1988 von Meinrad Morger und Heinrich Degelo gegründete Büro Morger & Degelo heißt bereits seit 2015 in Morger Partner. 2019 übergab Meinrad Morger die Unternehmensleitung an Martin Klein und Henning König.

Die Ausstellung in der Architektur Galerie Berlin (Karl-Marx-Allee 96) läuft bis zum 26. Februar. Am 24. Februar gibt es ein Gespräch mit Antje Freiesleben und Johannes Modersohn. Die Öffnungszeiten sind dienstags bis freitags von 14 bis 19 und samstags von 12 bis 18 Uhr. 

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