Bauwens auf Nachhaltigkeitspfad

Manuel Pestalozzi
4. Juli 2022
Das geplante Quartier am Westrand von Köln ist weitgehend autofrei und wird durch die Holz-Hybridbauweise geprägt (Visualisierung: © Bauwens/Michels Architekturbüro)

Wie könnte ein möglichst emissionsarmes Wohnquartier aussehen? Diese Frage sollten fünf Architekturbüros aus ganz Deutschland in einem von Bauwens ausgelobten Wettbewerb beantworten. Die beste Antwort kam nach Auffassung der Jury aus Stadtverwaltung, Politik, Expert*innen und Bauherr*innen von Michels Architekturbüro (Köln / Berlin). Sein Vorschlag besteht aus einem Projekt für das zur Verfügung gestellte gewerblich genutzte Grundstück, das unmittelbar westlich der Militärringstraße liegt und damit direkt vor der historischen Befestigungsanlage von Köln. Die geplante Bebauung liegt hinter älteren, gassenartigen Straßenzügen mit einer typischen kleinformatigen Vorortsbebauung. Sie erzeugt für die großformatigere viergeschossige Neubebauung eine Art Hofsituation. Das Siegerprojekt zeigt eine lockere Anordnung von sieben Punkthäusern, von denen zwei miteinander verbunden sind, und einem 125 Meter langen Riegel entlang des Waldstreifens an der Militärringstraße.

Die Überbauung ist autofrei, auf unterirdische Einstellhallen wird aber (noch) nicht verzichtet (Plan: © Bauwens/Michels Architekturbüro)

Insgesamt sind etwa 160 Wohnungen auf dem Areal geplant. Davon sollen mindestens 30 Prozent öffentlich gefördert werden. Dazu kommt eine Kindertagesstätte. Das Quartier soll oberirdisch möglichst autofrei werden. An den zwei Tiefgaragenzufahrten an der Schaffrathsgasse im Süden und am Lerchenweg im Norden ist jeweils ein Mobilitätspunkt vorgesehen. Diese verbinden Angebote zum Carsharing, Fahrradstellplätze und E-Bike-Stationen. Der Entwurf sieht zudem mehr als 300 Stellplätze für Fahrräder vor.

Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft durchdringen das Siegerprojekt. Für die vorgeschlagen Holz-Hybrid-Bauweise möchte man demontierbare Verbindungen einsetzen, um eine Wiederverwendung zu ermöglichen. Entsprechend sieht der Siegerentwurf Außenwände aus Massivholz vor, die begrünt werden. Bei der Innenverkleidung setzt der Entwurf auf gespachtelte Strohbauplatten, deren Rohstoff deutlich schneller nachwächst als Holz. Die ökonomische Nachhaltigkeit äußert sich in der Anpassungsfähigkeit und der hohen Flächeneffizienz der Grundrisse. Grünflächen, die das Areal mit der Nachbarschaft verbinden, sorgen zudem für eine soziale Nachhaltigkeit. Die Jury hob insbesondere die gut organisierten Grundrisse sowie die Adressbildung der Gebäudestrukturen und die Orientierung der Außenräume hervor.

Die Gebäude sollen mit unterschiedlichen Pflanzen begrünt werden und dadurch eigene Identitäten erhalten (Visualisierung: © Bauwens/Michels Architekturbüro)

Das Energiekonzept sieht eine innovative Wärmegewinnung aus Abwasser vor. Die Dachflächen sollen zur Stromversorgung mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet werden. Zudem wurden im Siegerprojekt die Baukörper auf eine möglichst uneingeschränkte Besonnung ausgerichtet. Die Realisierung des neuen Quartiers ist bis zum Jahr 2026 geplant.

Der Längsriegel entlang des Waldstreifens an der Militärringstraße soll rund 125 Meter lang werden (Visualisierung: © Bauwens/Michels Architekturbüro)

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