Bänderriss?

 Manuel Pestalozzi
16. November 2018
Das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus an der Spree. Bild: Ansgar Koreng / CC BY 3.0 (DE) /Wikimedia Commons
Nichts hält ewig, manches noch weniger. Bei repräsentativer Architektur wie dem Marie-Elisabeth-Lüders-Haus in Berlin, Teil des „Bands des Bundes“, kann das ein Problem mit Symbolkraft sein.
Das „Band des Bundes“ ist eine Anordnung von Gebäuden, die im Regierungsviertel von Berlin nördlich des Reichstagsgebäudes quer über den Spreebogen am Rand des Spreebogenparks verläuft und das städtebauliche Leitkonzept der Neuordnung des Regierungsviertels darstellt. Teil des Bandes bildet das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus. Der Parlamentsneubau an der Spree beherbergt unter anderem den Großen Anhörungssaal, das Wissenschaftliche Dienstleistungszentrum des Deutschen Bundestages, die Parlamentsbibliothek und die Geheimschutzstelle mit dem Archiv für Verschlusssachen.
 
Keine Verschlusssache sind die Sorgen, mit welchen das Haus, benannt nach einer liberalen Sozialpolitikerin und Vertreterin der Frauenbewegung in Deutschland, die Verantwortlichen und die Öffentlichkeit plagt. Das 2003 eröffnete Gebäude von Stefan Braunfels erhält eine Erweiterung desselben Architekten. Mit ihr sollte das östliche Ende des „Bands des Bundes“ vollendet werden. Baubeginn war 2010. Es folgte die übliche Berliner Geschichte: geplante Fertigstellung 2012, Verschiebung des Termins auf 2017, dann auf frühestens 2020 – Rückzug des Architekten, der den weiteren Verlauf betrübt von der Seitenlinie kommentiert. In dieser Zeit bahnte sich zusätzliches Ungemach an: gravierende Baumängel an der Bodenplatte.
 
Mittlerweile wird offen über einen Abriss diskutiert. Ein unabhängiges, gerichtlich bestelltes Gutachten soll „vorher die Baumängel, allen voran die undichte Bodenplatte, bewerten“, wie rbb24 berichtet. „Wenn sich herausstellen sollte, dass es auch statische Mängel sind, dann ist es besser, ein Ende mit Schrecken zu haben als ein Schrecken ohne Ende“, wird Jan-Marco Luczak von der CDU zitiert. Es ist wirklich bedauerlich, wenn Gebäude, welche doch eigentlich das Fundament der Wertegemeinschaft und deren zivilisatorischer Errungenschaften repräsentieren sollten, auf diese Weise in die Schlagzeilen geraten. Die Bodenplatte, ausgerechnet!
 

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