Ausgezeichneter Nachwuchs

Katinka Corts
16. Januar 2019
Jan Sihler: „Grüne Wiese strahlt“

Der Bund Deutscher Landschaftsarchitekten in Bayern zeichnet jährlich herausragende Abschlussarbeiten aus. Dieses Mal geht der Nachwuchspreis an vier Studierende der TU München und der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf.

Energiewende, Klimawandel, Kohleausstieg, AKW-Abschaltung – all diese Worte klingen mittlerweile beständig in unseren Ohren und hinterlassen meist unbehagliche Gefühle und einen düsteren Blick in die Zukunft. Dass damit auch Chancen für einen Neuanfang möglich sind, zeigt Jan Sihler in seiner Master-Thesis „​Die grüne Wiese strahlt“​. Am Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur und industrielle Landschaft der TU München hat er am Beispiel des KKW Philippsburg einen Umgang mit den stillgelegten Kernkraftwerken in Deutschland gesucht. Laut Jury stelle sich Jan Sihler der unangenehmen aber dringenden Frage, wie eine nachhaltige und dennoch gestalterisch ansprechende und funktional sinnvolle Nachnutzung ehemaliger Atommeiler aussehen kann. In der Arbeit sind alle in Deutschland vorhandenen und teilweise in Rückbau befindlichen, oder teils rückgebauten Anlagen beschrieben. Die Arbeit stelle einen guten Überblick in einer vergleichenden Analyse dar. „Der exemplarische Entwurf zum Standort Philippsburg zeigt in mehreren Phasen den Rückbau und die Entwicklung des Areals bis ins Jahr 2050“, so die Jury. „Damit bildet er einen richtungsweisenden, innovativen und nachhaltigen Ansatz für die Übergabe der Relikte der Energiewirtschaft an kommende Generationen.“

David Karg: „Deusenberg in Dortmund“

In der Bachelor-Arbeit David Kargs (Hochschule Weihenstephan-Triesdorf) geht es auch um menschliche Spuren im Landschaftsbild bzw. deren Beseitigung: Mit einem Wegenetz erschließt der Entwurf einen ehemaligen Müllberg im Dortmunder Norden und macht ihn als Landmark erlebbar. Besonders gefiel der Jury die Videovisualisierung des Freiraumentwurfs – damit werde dem Trend entsprochen, freiräumliche Entwürfe als räumliche Sequenzen zu entwickeln und auch entsprechend dieser Zielrichtung zu visualisieren. „Gerade im Bereich der Partizipation im Rahmen von Gestaltungsvorhaben im öffentlichen Raum ist die Arbeit zielführend, da sie optimal auch Laien über geplante zukünftige räumliche Konstellationen bis hin zur Materialität bestens informiert“, begründet die Jury ihrem Entscheid.

Charlotte Lehner: „AllBeton“

Ebenfalls an der TU München erarbeitet Charlotte Lehner ihre Bachelor-Thesis „AllBeton“. Für eine in der Nachkriegszeit entstandene Punkthaussiedlung in München entwickelt die Autorin ein Freiraumkonzept, das die Wohnqualität nachhaltig verbessern soll. Beschrieben werden ein partizipativer und prozessorientierter Ansatz und ein mehrphasiger Planungsprozess. Punktuelle Eingriffe statt großer Gesamtplanungen sollen die Aufenthaltsorte neu erlebbar machen und die Nutzer nachhaltig für das Thema Freiflächenaneignung sensibilisieren. Ein strategischer Ansatz, heißt es, der Verbesserungsprozesse zeitnah und konfliktarm in Wohngebieten einleiten und umsetzen kann.

Marc Weißhaar: „Spontanvegetation als Gestaltungsmittel der Zukunft“

Der zweite Beitrag, der an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf betreut wurde, stammt von Marc Weißhaar. In seiner Bachelor-Arbeit beschäftigt er sich mit „Spontanvegetation als Gestaltungsmittel der Zukunft“. Am Beispiel des Landschaftsparks Riem werden anhand von umfangreichen Artenkartierungen die dynamischen Prozesse der ehemaligen Gartenschau-Staudenpflanzungen, Wiesenansaaten und Gehölzpflanzungen von 2005 bis zum Sommer/Herbst 2017 nachvollzogen und einem Monitoring der Pflegemaßnahmen gegenübergestellt. Laut Jury greift der Autor damit ein Thema auf, dass in dieser Fragestellung bisher nur wenig untersucht worden ist: Wie kann man die Langlebigkeit von Pflanzungen durch Artenverschiebungen mit einwandernden Wildarten unterstützen und sichern? Wo liegen hier neue Potentiale und Grenzen, wie muss man die Pflege darauf abstimmen? Die Arbeit zeige in Inhalt und Darstellung exzellente Qualität und zeichne sich durch einen analytischen und einen zukunftsgerichteten gestalterisch-pflegekonztionellen Teil aus.

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