Arealentwicklung in Bonn

Manuel Pestalozzi
21. November 2022
Über dem Portal des Hochhauses sind geschossübergreifende Wintergärten vorgesehen. (Visualisierung: Winking Froh Architekten)

Zwischen der Bonner Immenburgstraße, Am Dickobskreuz und den DB-Schienentrassen befinden sich das ehemalige Schlachthof-Gelände und angrenzende Areale. Wie bundesstadt.com 2021 berichtete, ist es ein Ort, „wo zurzeit alles verfällt, wo unbefestigte Stellplätze sind, Müll sortiert wird und sich Verrichtungsboxen für die Straßenprostitution befinden.“ Die Stadt will im rund 15,5 Hektar großen Gebiet Gewerbeflächen (unter anderem für Büros, Verwaltung, Wissenschaft und Forschung sowie Hotels) realisieren, die den Wirtschaftsstandort Bonn stärken. Eine neue Multifunktionshalle, „Westwerk“ genannt, soll die Bonner Kulturszene bereichern und das gesamtstädtische Angebot benötigter Veranstaltungsorte verbessern. Geplant ist außerdem ein Parkhaus, in dem verschiedene Verkehrsmittel gebündelt zur Verfügung stehen.

Der Bebauungsplanentwurf umfasst auch die Multifunktionshalle „Westwerk“. Sie befindet sich am nördlichen Ende der Neubebauung. (Plan: Quartier.BonnWest GmbH)

Für einen Teil des Innovationsdreiecks besteht ein Bebauungsplanentwurf. Von September bis Oktober 2022 konnten sich Bürger*innen daran beteiligen. Für die Landmarke des Plans, ein 50 Meter-Hochhaus an der Immenburgstraße, leicht aus der Achse der Karlstraße gerückt, erstellten derweil auf Einladung der Projektentwicklerin Quartier.BonnWest GmbH acht namhafte Architekturbüros Entwürfe. Eine weitere wichtige Aufgabe des Realisierungswettbewerbs bestand in Gestaltungsvorschlägen für die zentrale Piazza des Quartiers und Fassadenideen für das „Westwerk“. Die Jury unter Vorsitz von Prof. Xaver Egger entschied sich für den Entwurf von Winking Froh Architekten, die sich mit den Landschaftsplanern des studio polymorph zusammengetan hatten.

Die 3D-Ansicht des Bebauungsplanentwurfs weist auf die Dominanz des Schornsteins der Müllverwertungsanlage hin. (Plan: Quartier.BonnWest GmbH)
Zwölfgeschossiger Büroturm in Holzhybridbauweise

„Wir wollten das Haus so hoch und markant wie möglich machen, eben als Leuchtturm im Quartier“, wird Architekt Martin Froh in der Pressemitteilung der Stadt Bonn zitiert. Holz, Glas, Photovoltaik und Begrünung sollen das Äußere des 50 Meter hohen Gebäudes prägen – entsprechend den Vorgaben der städtebaulichen Rahmenplanung. Das Projekt präsentiere sich besonders nachhaltig, lobt die Stadt. So besitze es unter anderem eine harte Schale aus Recycling-Ziegeln. „Der Ziegel schafft dabei einen Bezug zur industriellen Geschichte des Ortes mit dem ehemaligen Bonner Gaswerk und dem gemauerten Schornstein an der Karlstraße“, begründet Architekt Froh diesen Materialentscheid. Das grüne Herz des Entwurfs bildet eine Art gläserne Spange in Form von ein- oder mehrgeschossigen Wintergärten, an denen die Kommunikations- und Empfangszonen der Büros geplant sind.

Der Architekturwettbewerb scheint bei diesem Vorhaben dazu zu dienen, den Zukunftsplänen der Stadt ein konkretes Gesicht zu geben. Wer sich an diesem Abenteuer beteiligen wird, ist noch nicht geklärt. Die Nutzer*innen des Hochhauses sind derzeit ebenso wenig bekannt wie mögliche Realisierungsdaten; die Planungen und Visualisierungen sind in den Worten der Stadt „ein wesentlicher Baustein in der Vermarktung des Standortes“. Bis zum 24. November können die Projekte in der SWB-Zentrale an der Theaterstraße 24 in Bonn nach Anmeldung angeschaut werden.

Der Entwurf soll auch der künftigen Vermarktung des Areals dienen. (Visualisierung: Winking Froh Architekten)

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