Architekturpreis für subtilen Eingriff in den Bestand

Manuel Pestalozzi
29. November 2022
Der Eingriff brachte eine schon fast klösterliche Einfachheit ins Souterrain einer Gründerzeit-Villa. (Foto: Max Mendez)

Der Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt wird seit 1995 alle drei Jahre vergeben. Die Architektenkammer Sachsen-Anhalt, die den Preis dokumentiert und gegenüber der Öffentlichkeit vertritt, sieht in ihm eine sehr erfolgreiche Einrichtung zur Förderung der Diskussion über die Architektur und die städtebauliche Entwicklung im Land. Den Preis erhalten Architekt*innen und die Bauherr*innen gemeinsam. Er wird für Leistungen auf dem Gebiet der Architektur, der Landschafts- und Innenarchitektur sowie der Stadtplanung vergeben.

Dieses Jahr waren für die zehnte Ausgabe 52 Bewerbungen zu begutachten. Mehr als die Hälfte der Einreichungen betrafen Um- oder Erweiterungsbauten bzw. Sanierungen. „Für die Zukunft – geplant, gebaut, bewahrt“ – dies war das 2022 Motto des Preises. Es entspricht dem Trend einer neuen „Umbaukultur“, der im Land wahrgenommen wird, geradezu ideal. Der Preis ging denn auch ein Umbau- und Erweiterungsprojekt: die „Burg Mensa“, eine Verpflegungsstätte in der Kunsthochschule. Dieses Projekt wurde in der Villa Steckner, einem eklektizistischen Bankierspalast aus der Gründerzeit, für die Burg Giebichenstein vom Büro cappellerarchitekten umgesetzt.

Speisen im Kellergeschoss

Die 1904 fertiggestellte Villa Steckner mit ihren zahlreichen Geschosssprüngen, Erkern, Giebeln, Balkonen und einem hohen Aussichtsturm weist neben Renaissanceformen auch spätgotische Elemente und Jugendstilmotive auf. 1938 erwarb die Stadt Halle das Grundstück und quartierte im Haus eine Ausbildungsstätte ein. Diese Nutzung wurde auch in der DDR und danach beibehalten, wobei sich unterschiedliche Institutionen ablösten und jeweils bauliche Eingriffe und Ergänzungen vornahmen. So wurden im Kellergeschoss der Villa Speiseräume und im Erdgeschoss Hörsäle eingerichtet. Neben dem Sitz der Verwaltung der auf verschiedene Standorte verteilten Kunsthochschule ist hier heute der Design-Campus angesiedelt.

Beim ausgezeichneten Projekt ging es um den Umbau und die Erneuerung der „Burg Mensa“ in besagtem Kellergeschoss. cappellerarchitekten definierten die Aufenthaltsbereiche als multifunktionale Zonen. Den Gastraum legten sie teilweise um 70 cm tiefer und gewannen damit Raumhöhe. Mit Durchbrüchen schufen sie neue Sichtbeziehungen, wobei immer auf einen denkmalgerechten Umgang mit der Bausubstanz geachtet wurde. Die Möblierung ist als fester Einbau konzipiert und beherbergt verschiedene technische Funktionen. Das helle, sachliche und offene und Erscheinungsbild schafft eine klare Trennung zwischen Alt und Neu, handwerklich und industriell hergestellten Oberflächen stehen im Einklang und vermitteln den Student*innen eine in sich stimmige „Design-Lektion“. Das Projekt überzeugte die Wettbewerbsjury durch „den feinen, harmonischen Zusammenklang zwischen technischen Anlagen, Möblierung und Beleuchtungskörpern“.

Die Mensa befindet sich in der prunkvollen Villa Steckner, einem der drei Standorte der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. (Foto: Catatine/Wikimedia Commons)
Fünf Auszeichnungen, zwei Publikumspreise

Neben dem Preisträger wurden unter den 14 Projekten in der so genannten „Engeren Wahl“ noch fünf mit Auszeichnungen geehrt:

- der Kindergarten und Tagespflege in Hohenberg, Krusemark in der Altmark
(Hallmann Architekten, Havelberg, Bauherrschaft: Deutschen Rotes Kreuz, Kreisverband östliche Altmark e.V., Stendal)

die ehemalige Klosterkirche St. Marien im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen, Magdeburg
(Hartkopf . Rüger . Architekten, Halle (Saale), Bauherrschaft: Landeshauptstadt Magdeburg, Magdeburg)

der Biomarkt Aschersleben
(ARGE Hopf & Fuß, Aschersleben, Bauherrschaft: Ascherslebener Gebäude- und Wohnungsgesellschaft mbH, Aschersleben

- das Quartier Märkerstraße in Halle
(snarq GmbH, Halle (Saale), Bauherrschaft: horus GmbH, Bitterfeld-Wolfen)

das Goethe-Theater in Bad Lauchstädt
(Architektengemeinschaft Milde + Möser, Pirna, Bauherrschaft: Historische Kuranlagen und Goethe-Theater Bad Lauchstädt GmbH, Goethestadt Bad Lauchstädt)

Auch das Publikum konnte ihre Favoriten benennen. Diese erhielten den Publikumspreis. Am meisten beeindruckte es

- die Mensa des Ökumenischen Domgymnasiums Magdeburg in Magdeburg 
(Prof. Ralf Niebergall, Magdeburg; Bauherrschaft: Kuratorium des Ökumenischen Domgymnasiums Magdeburg)

- und der bereits ausgezeichnete Biomarkt, in Aschersleben
der somit sogar zwei Auszeichnungen einheimsem konnte

Verwandte Artikel

Andere Artikel in dieser Kategorie