Amazon-Turm wankt

Manuel Pestalozzi
24. Oktober 2019
Im September noch auf Kurs, im Oktober unerwünscht: das Hochhaus „Edge East Side Berlin“. (Visualisierung: BIG)

Das Hochhaus „Edge East Side Berlin“ der Bjarke Ingels Group (BIG) in Berlins Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg war eigentlich auf gutem Weg. Doch jetzt wirft der Bezirk dem Bauherrn Vertragsverstösse vor.

Noch am 15. Oktober meldete BIG auf der eigenen Website, dass Amazon als Ankermieter des Hochhauses bestätigt sei. 28 der 35 Etagen im 140 Meter hohen Turm habe der Online-Gigant reserviert, nach der Fertigstellung könne er 2024 einziehen. Das Büro aus Dänemark bezog sich dabei auf eine Meldung der Berliner Zeitung.

Wenige Tage später scheint die Situation eine ganz andere zu sein. rbb.24 berichtete am 21. Oktober, der Bezirk werfe der Bauherrin Edge Technologies vor, mit neuen Plänen für das 35-stöckige Gebäude gegen den städtebaulichen Vertrag zu verstoßen. Mit dem Bauantrag habe sie bei der Bezirksverwaltung einen „vollkommen anderen Entwurf“ eingereicht, sagte dem Portal Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne). Dieser Entwurf unterscheide sich wesentlich von den vorigen Bauplänen und habe die Mitglieder des für die Planungen zuständigen Baukollegiums vor allem optisch enttäuscht. Es habe den Entwurf am 23. September „wegen fehlender Detailqualität“ abgelehnt und sich ausdrücklich von dem Projekt distanziert. Florian Schmidt hatte noch viel mehr zu sagen, zum Beispiel: „Der Sockelbereich und die Umgebungsgestaltung sowie das ganze Konstruktionsraster wurden als unzureichend bewertet.“ Fassaden wie die aus dem Bauantrag seien bereits in Bangkok und Singapur gebaut worden. „Für Berlin wird sie als unpassend und banal bewertet“, so der Baustadtrat. Versuche, den Bauherren zu Änderungen zu bewegen, seien bislang fehlgeschlagen. Der Bezirk wolle nun einen neuen Wettbewerb.

Bei neues-deutschland.de ist am 23. Oktober nachzulesen, der Bezirk habe Edge Technologies im September noch grünes Licht für den hohen Büroturm gegeben. Die Aktivistinnen und Aktivisten von „Make Amazon Pay“ hätten daraufhin Proteste gegen den Online-Händler angekündigt. Credo: „Nach Arbeiter*innen drangsalieren, keine Steuern zahlen und mit Abschiebebehörden zusammenarbeiten jetzt auch noch die Mieten steigen lassen und Menschen vertreiben. Nicht mit uns.“ Florian Schmidt der auch in diesem Beitrag den Bezirk vertritt, sagte allerdings, die Proteste hätten nichts mit der Kritik am Projekt zu tun. Edge Technologies kündigte an, bei den strittigen Punkten nachzubessern. Baustadtrat Schmidt ist aber anscheinend schon auf einen neuen Wettbewerb fixiert.

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