Aktionsbündnis für Gebäudesanierungen

Manuel Pestalozzi
19. März 2021
Welche gestalterischen, räumlichen Konsequenzen kann ein Positionspapier auslösen? (Foto: DGNB)

Dieses Jahr sind Wahlen. Schon jetzt fordert ein Aktionsbündnis von der nächsten Regierung eine Sanierungsoffensive für den Klimaschutz. Die Dringlichkeit kommt in diesem Fall klar vor der Kultur. Ist das klug?

Mangelnder Aktionismus kann man den Kämpfer*innen gegen die Klimakatastrophe im Baubereich gewiss nicht vorwerfen. Bereits vor zwei Wochen berichtete German Architects über ein Positionspapier zum Gebäudeeffizienzerlass der Bundesregierung. Es erhielt einen Warnruf gegen den überhasteten Abriss von öffentlicher Bundesgebäuden. Man soll den Lebenszyklus in den Entscheid mit einbeziehen und den betreffenden Erlass entsprechend nachbessern.

Auf den Warnruf folgt nun die Forderung nach einer Sanierungswelle an die kommende Bundesregierung. Dahinter steht ein Aktionsbündnis aus Architekt*innen, Bau-Expert*innen und Umweltschützer*innen, teilweise besteht es aus den selben Organisationen, die sich für einen besseren Gebäudeeffizienzerlass einsetzen. Es geht hier um das Nachrüsten von Bestandsgebäuden in Deutschland. Unterbleibe es, könnten allein aufgrund der nicht klimagerechten Häuser die Klimaziele nicht mehr erreicht werden, warnen die Deutsche Umwelthilfe (DUH), die Bundesarchitektenkammer (BAK) und die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB), welche das Aktionsbündnis kuratieren.

Das Bündnis hat am 16. März in Berlin ebenfalls ein Positionspapier vorgestellt, das den Lösungsweg „anhand eindeutiger Berechnungen klarer Handlungsempfehlungen“ benennt. Dieser Weg lasse sich auf eine kurze Formel bringen: 1-1-100-100. Die Zahlen stehen für 1 Million Bestandsgebäude, die pro Jahr klimaneutral saniert werden müssen, für 1 Million Sanierungsfahrpläne, welche die Bundesregierung jährlich verschenken soll, für 100 Prozent Transparenz bei der energetischen Zustandsanalyse und für 100-Tage, die ein Sofortprogramm für Klimaschutz in Gebäuden direkt nach der Bundestagswahl dauern soll.

Kritik ist durchaus angebracht; der vorgeschlagene 1-1-100-100-Lösungsweg reduziert die Angelegenheit auf ein technisches Wettrüsten gegen die Uhr. Dies lässt kaum Zeit für Überzeugungsarbeit und die Berücksichtigung kultureller Komponenten, wie etwa eine Auseinandersetzung mit klimagerechten Gebäudetypologien oder der langfristigen Wertigkeit von Bestandesbauten. Indem eine Million individueller Sanierungsfahrpläne gefordert werden, soll auf jeden Fall individuell eingegangen werden. Das könnte heißen, dass viele Bestandesbauten saniert werden, die eigentlich besser zeitgemäßeren Ersatzneubauten weichen sollten.

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