Das Bauhaus-Jubiläum im Überblick

 Katinka Corts
12. Dezember 2018
2019 feiert das Bauhaus 100jähriges Bestehen (Bild: Uni Weimar)
Ob in neu aufgelegten Möbelreihen, zahlreichen Publikationen vieler Architektur- und Kunstverlage, in der Werbung von Reiseveranstaltern oder in Ankündigungen von Sonderschauen und Ausstellungen: Um das Bauhaus kommt man 2019 nicht herum, überall begegnet es einem. Ein Überblick und ein paar Leseanregungen für das Themenjahr.
Vor einhundert Jahren gründete Walter Gropius das Staatliche Bauhaus Weimar, das im April 1919 seine Arbeit aufnahm. Am Gründungsort des Bauhauses, der Bauhaus-Universität Weimar, wird das Jubiläum bereits seit dem Beginn des aktuellen Wintersemester gefeiert. Mit Ausstellungen, Vortragsreihen, Konferenzen sowie mehreren Publikationen begleitet die Schule das Jahr. Der Präsident der Universität, Prof. Dr. Speitkamp, sieht im Jubiläum auch die Chance, sich über aktuelle Herausforderungen und künftige Aufgaben der Schule zu verständigen sowie das Bauhaus mit neuen Studienangeboten weiterzuentwickeln. 

Der Kern der Jubiläumsaktivitäten ist das Bauhaus.Semester, für das Lehrende und Studierende neue fächerübergreifende Lehrformate geschaffen haben. Ganz im Sinne der Gründer kommen so die vier Fakultäten miteinander in Kontakt und experimentieren zusammen. Für die neu geschaffene Bauhaus-Gastprofessur – vergeben einmal jährlich für ein Semester – konnte die mexikanische Diplomatin Patricia Espinosa gewonnen werden. Als Generalsekretärin des Sekretariats für die UN-Klimarahmenkonvention, langjährige Außenministerin ihres Landes und ehemalige Botschafterin Mexikos in Deutschland, will Espinosa die akademische Welt für die Herausforderungen des Klimawandels sensibilisieren. 

Das 14. Internationale Bauhaus-Kolloquium im April 2019 und das große Fest der Bauhaus-Universität Weimar gemeinsam mit der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar sind zwei der Höhepunkte gleich zu Beginn des Jahres. Das Bauhaus-Kolloquium ist eine der ältesten und renommiertesten Konferenzen zu Fragen der Theorie und Geschichte der Architektur im deutschsprachigen Raum. Vom 10. bis 12. April 2019 setzt sich das Kolloquium vertiefend mit der Geschichte des Bauhauses an dessen Wirkungsstätten Weimar, Dessau und Berlin auseinander und reflektiert seine internationale Rezeption und Migration. 
Bereits seit Herbst 2018 leiten Themenausstellungen in das Bauhaus-Jahr ein, so zum Beispiel zwei Teile der Schau „Radiophonic Spaces“, einer im Museum Tinguely in Basel, einer im Berliner Haus der Kulturen der Welt. „Galerie Eigenheim Weimar/Berlin“, „Bauhaus Studio 100“, „Matter of Data – Auf den Spuren der 'Bauhaus-Moderne'“ im neuen Bauhaus-Museum und „Imaginary Bauhaus-Museum“ in Kooperation mit der Klassik Stiftung Weimar seien als weitere Programmbeispiele für 2019 genannt.

Auf Bauhaus-Spaziergängen führen Studierende die Besucherinnen und Besucher durch das Gebäudeensemble der Universität, das von 1904 bis 1911 von Henry van de Velde erbaut wurde und seit 1996 zum UNESCO-Welterbe gehört. Wer das Direktorenzimmer von Walter Gropius besichtigen möchte und Wandreliefs und Wandmalereien von Oskar Schlemmer und Herbert Bayer zu Gesicht bekommen will, bemühe sich rechtzeitig um Karten. Doch auch selbständig darf man im Haus unterwegs sein, ein Audio-Walk begleitet Gäste dabei. Entwickelt haben diesen die Professuren Experimentelles Radio sowie Denkmalpflege und Baugeschichte. Die Hörstücke umfassen Fakten, Interviews, Geschichten, Musik und Geräusche zu 12 Stationen.

Außerhalb des Hauses hilft ein illustrierter Plan beim Spaziergang durch die Stadt. Auf drei Routen erfährt man vom Weimar der 1920er-Jahre. Die Karte wird vom Studiengang Medienwissenschaft erarbeitet. Und wer es gar nicht nach Weimar schafft und dennoch informiert bleiben möchte, kann sich mit dem Bauhaus.Podcast beschäftigen. Auch an diesem experimentellen Format sind Studierende beteiligt, die sich während des Bauhaus.Semesters mit Musik und Klangkunst auseinandersetzen.

Einige Publikationen und Reisen zum Thema
Zahlreiche Bücher sind bereits dieses Jahr anlässlich des nächstjährigen Bauhaus-Jubiläums erschienen. Einige ausgewählte stellen wir hier kurz vor, weitere werden im Laufe des Jahres 2019 folgen. Die meisten sind nicht für den Nebenbei-Konsum über die Feiertage geeignet. Aber das Bauhaus-Jahr hat ja immerhin 365 Tage!
Tel Aviv, Dizengoff Square (Bild: Kora Johanns)
Auf Reisen
Anlässlich des Jubiläums bereist Ticket B Israel auf den Spuren der Moderne und besucht innerhalb von sieben Tagen im März die drei Städte Tel Aviv, Haifa und Jerusalem. Moderiert wird die Reise in deutscher und in englischer Sprache von den Architekten Thomas Krüger in Zusammenarbeit mit den lokalen Partnern Sharon Golan Yaron und Yossi Alcalay. Wer mitkommen möchte, muss sich aber sputen – ​Anmeldeschluss ist der 15.12.2018! Oder man bleibt doch erstmal in Deutschland und entdeckt alleine oder zusammen mit einem der zahlreichen Veranstalter die deutschen Städte neu.

Die Bauhaus-Bande. Meister der Moderne
Anni und Josef Albers waren das einzige Künstler-Ehepaar am Bauhaus. Über viele Jahre berichteten sie dem Autor vom Leben am Bauhaus. Dabei ging es sowohl um Persönlichkeiten wie Walter Gropius, Paul Klee, Wassily Kandinsky und Ludwig Mies van der Rohe als auch um deren weniger bekannte Ehefrauen und Freundinnen. Das Buch ist eine Art Gruppenbiografie, mit der Nicholas Fox Weber die Welt der Zwanziger- und frühen Dreißigerjahre lebendig macht. Da geht es um den Beobachter Paul Klee, der entgegen dem herrischen und strengen Ludwig Mies van der Rohe lieber im Hintergrund blieb. Oder um Walter Gropius, der als Architekt das Bauhaus gründete und die Schule als Ort für Designer sah. Und auch um Anni Albers, geborene Fleischmann, für die die Kunst im Mittelpunkt stand. 

„Weber fängt den Geist und das Flair ein, in denen diese Genies lebten, sowie ihr aufzehrendes Ziel, Kunst und Architektur zu schaffen“, erläutert der Verlag. Das Gruppenporträt umarme das Leben, schenke das Lachen und zeige die individuellen Persönlichkeiten in der Gemeinschaft. So ist man dabei, wenn Paul Klee eine Hammelkeule verschnürt oder in Briefen seiner Frau Lily vom mittäglichen Schicken vorschwärmt. Auch Schülerinnen wie Marianne Heymann kommen zu Wort – Zitate lassen den Lehrer zum Mensch werden, dessen Kritik vernichten konnte und dessen freundliche Worte hypnotisch verzauberten. Dies nur als Beispiel – Nicholas Fox Weber schafft es, aufbauend auf die Gespräche mit den Albers und eigenen Recherchen, jede Persönlichkeit sehr umfassend und gerecht darzustellen.​
 
  Die Bauhaus-Bande. Meister der Moderne
Nicholas Fox Weber
Übersetzung: Claudia Kotte

165 x 235 mm
544 Seiten
125 Abbildungen
Hardcover
ISBN 978-3-86922-480-0
November 2018, DOM publishers
THIRTYTHREE
Der Bauhaus-Lehrer László Moholy-Nagy emigrierte mit Marcel Breuer und Walter Gropius aus dem nationalsozialistischen Deutschland nach Grossbritannien. Später in den Vereinigten Staaten von Amerika setzte Moholy-Nagy in Chicago seinen Unterricht im Sinne der Bauhaus-Tradition fort. Den Schülern sollte Sinn für Textur, Farbe, Licht und Volumen beigebracht werden, um das formalistische Diktum der nüchternen Moderne durch eine sinnliche Komponente zu ergänzen. Etwas, das Moholy-Nagys Collagen und Fotografien geprägt hatte. Um diese Fotografien oder ihr Erbe geht es im Katalog Thirtythree. A new horizon of Photography at Moholy Nagy University of Art and Design Budapest, im Hatje-Cantz-Verlag erschienen. Das Buch widmet sich einer Generation junger Fotografinnen und Fotografen, die in den letzten 33 Jahren an der Moholy-Nagy-Universität für Kunst und Design (MOME) ausgebildet wurden.
 
  THIRTYTHREE

17,00 x 24,00 cm
52 Seiten, 177 Abb.
Klappenbroschur

Englisch
ISBN 978-3-7757-4452-2
2018, Hatje Cantz Verlag


 

 
Haus Auerbach von Walter Gropius mit Adolf Meyer
Dieses Buch erzählt auch die bewegende Geschichte des jüdischen Ehepaares Auerbach, welches das gesellschaftliche Leben in Jena um die Jahrhundertwende prägte, mit Edvard Munch verkehrte, für Frauenrechte kämpfte und mit diesem Haus auch ein Zeichen gegen die Vertreibung des Bauhauses aus Weimar setzte. Der damalige Bauhausdirektor Walter Gropius baute 1924 mit dem Haus Auerbach sein erstes privates Wohnhaus im Bauhausstil. Die in Zusammenarbeit mit Adolf Meyer realisierte Villa in Jena ist eines der wichtigsten Zeugnisse für die Anfänge des Bauhauses. Herausragend ist vor allem die authentische farbige Innenraumfassung. Erst bei der Restaurierung des Hauses wurde entdeckt, dass alle Innenwände nach dem Entwurf Alfred Arndts farbig gestaltet wurden. Heute erstrahlt das in fast allen Details original erhaltene Haus wieder in seinen ursprünglichen 37 Pastelltönen. 
 
  Haus Auerbach von Walter Gropius mit Adolf Meyer
Barbara Happe / Martin S. Fischer
Hardcover
21 x 27 cm
136 Seiten, zahlr. farb. und s/w Abb.

Deutsch: ISBN 978-3-86859-564-2
Englisch: ISBN 978-3-86859-574-1
September 2018, jovis Verlag
 

 
My Bauhaus / Mein Bauhaus
In Buch halten 100 internationale Architektinnen und Architekten ihre persönliche Sicht und ihre Assoziationen zum Bauhaus fest. In kurzen, von Fotos oder Skizzen begleiteten Texten beschreiben sie was sie mit der Schule der Avantgarde assoziieren und inwiefern das Bauhaus für sie persönlich relevant ist – ganz unterschiedliche Blicke auf den Mythos. Unter anderem mit: Atelier Bow-Wow, Balkrishna Doshi, Stefan Behniscvh, Norman Foster, Grafton Architects, Dorte Mandrup, Bernard Tschumi.
 
 
My Bauhaus / Mein Bauhaus
100 Architekten zum 100sten Geburtstag eines Mythos

Sandra Hofmeister (Hrsg.)
15 x 20 cm, 240 Seiten mit zahlreichen Skizzen und Fotos
Hardcover

ISBN: 978-3-95553-451-6. Deutsch / Englisch
November 2018, Edition DETAIL




Vorgestelltes Projekt

RIPOLLTIZON

19 SOCIAL DWELLINGS IN SA POBLA

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