Grundsteinlegung für inter-religiöses Haus von Kuehn Malvezzi in Berlin

Trialog der Kulturen

Ulf Meyer
9. Juni 2021
Das künftige House of One in der Schnittperspektive (Visualisierung: Kuehn Malvezzi)

Am Petriplatz im Berliner Bezirk Mitte soll ein Bet- und Lehrhaus gebaut werden, das Kirche, Moschee und Synagoge in sich vereint. Die Wettbewerbsjury vergab 2012 den ersten Preis an die Berliner Architekten Kuehn Malvezzi, die ein monumentales Gotteshaus entwarfen, das die drei monotheistischen Religionen Judentum, Islam und Christentum gemeinsam konzipieren, bauen und betreiben.

Der Entwurf von Kuehn Malvezzi für das House of  One in Berlin fasst drei Gebetsräume in einem Baukörper zusammen. Dass das Gebäude auf dem Gelände der 1964 abgerissenen Petrikirche entsteht, hat nicht nur spirituelle Bedeutung, sondern auch historische. Schon im Jahr 1237 wurde die Petrikirche erstmals erwähnt: Dieses Jahr gilt als Gründungsdatum Berlins. Die Kirche wurde mehrfach zerstört und neu errichtet – die letzte Petrikirche im neogotischen Stil wurde 1964  auf Anordnung der DDR-Regierung abgerissen und durch einen schnöden Parkplatz ersetzt.  

Als der Verein „Bet- und Lehrhaus Petriplatz Berlin e.V.“  vor fast zehn Jahren einen Realisierungswettbewerb auslobte, vergab die Jury unter Vorsitz von Hans Kollhoff den 1. Preis an Kuehn Malvezzi. Ihr Gotteshaus hat drei separate Sakralräume, ergänzt durch einen gemeinsamen Zentralraum. Das Preisgericht entschied sich damals für „die souveränste Arbeit, die das komplexe Raumprogramm und eine schwierige städtebauliche Situation mit einer einfachen Bauform löst. Sie schafft schöne Innenräume und steht selbstverständlich im Stadtraum – mit Stolz, der diesem Ort gut tut“, so die Jury damals. Zudem öffnet sich im Eingangsbereich ein „archäologisches Fenster“ mit Blick auf die Baufundamente, was den Bezug zur Vergangenheit erhält.

Stadtloggia (Visualisierung: Kuehn Malvezzi)

Der mit hellen Ziegeln verkleidete und mit einem 44 Metern hohen Turm bestückte Baukörper von Kuehn Malvezzi hebt sich in Form und Materialität von seiner Umgebung ab, wobei der massive Sichtziegelbau äußerlich frei von religiöser Symbolik bleibt. Synagoge, Kirche und Moschee bilden „Häuser um einen inneren Platz“, der als doppelgeschossiger Kuppelsaal zugleich Leer- und Lehrraum ist. Jeder der drei daran angegliederten Sakralräume soll die Besonderheiten der jeweiligen Religion widerspiegeln.
Die Umsetzung des ambitionierten Projektes steht trotz feierlicher Grundsteinlegung noch in den Sternen, denn die Finanzierung des Gebäudes ist nicht gesichert. Spendenbereitschaft zeigte bisher fast nur der Staat: Der Bundestag hat zehn Millionen Euro zugesagt und der Senat von Berlin will den gleichen Betrag dazugeben. Der Rest der Baukosten von 43,5 Millionen Euro muss aus Spenden kommen, die in den ersten zehn Jahren des Projektes nur tröpfelten. 

Die Stiftung House of One erwarb dennoch für nur einen Euro ein Erbbaurecht für 99 Jahre an dem wertvollen Baugrundstück. Im Vorstand sind das Abraham-Geiger-Kolleg und die Jüdische Gemeinde Berlin, die evangelische Gemeinde  St. Petri und St. Marien sowie das muslimische „Forum für Interkulturellen Dialog“ repräsentiert. Sie vertreten ihre Religionen jedoch „nicht repräsentativ, sondern exemplarisch“, wie es diplomatisch heißt. Catherine Dussmann erklärte 2019 ihren Rückzug aus der Stiftung, weil „Spannungen um den muslimischen Trägerverein“ entstanden seien. Er gehört der Gülen-Bewegung an, die für den Militärputsch in der Türkei mitverantwortlich gemacht wird. Es wird auch generell in Frage gestellt, ob das Projekt von den drei Religionen genug getragen wird. Die Beteiligung der katholischen Kirche wurde nicht angefragt.

Visualisierung: Kuehn Malvezzi

Das House of One, ein „Sakralbaus neuen Typs“, soll die „Eintracht unter den drei großen monotheistischen Religionen“ beschwören, um die es derzeit schlecht bestellt ist. In einer weltanschaulich vielfältig geprägten Gesellschaft und unter dem Label „Raum der Stille“ gibt es derlei interkonfessionelle Räume bisher nur im Mini-Format an Flughäfen und Universitäten. Jetzt ist es an den Gläubigen mit ihren Spenden das Projekt zu ermöglichen, damit das Haus kein allein steuerfinanziertes, staatliches Feigenblatt für inter-religiösen Dialog wird.

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