Neue Perspektiven

Katinka Corts
19. August 2020
Die Holzfinnen stehen sternförmig um die Pavillons und sind mit den Wandelementen als biegesteife Ecke verbunden. (Foto: heatherwick studio/hufton + crow)

Das Maggie Keswick Jencks Cancer Caring Trust, kurz Maggie´s, baut und betreibt Beratungsstellen für Krebspatienten. Das 26. Maggie’s Centre entstand in Leeds nach einem Entwurf des Architekturbüros Heatherwick Studio aus London, für die frei geformte Holzkonstruktion sind die Schweizer Free-Form-Spezialisten von Blumer-Lehmann verantwortlich.

Gute Architektur wirkt positiv auf Menschen und besonders auf Kranke – daran glaubte Maggie Keswick (1941–1995) genauso wie ihr Mann Charles Jencks (1939–2019). Viele Maggie’s Centre wurden von namhaften Architekt*innen entworfen: Frank Gehry baute im schottischen Dundee, OMA in Glasgow und Zaha Hadid in Kircaldy. 
In Leedds sollte ein kleines Grundstück am Rande des Universitätskrankenhauses mit einem Maggie’s Centre bebaut werden. Die Architekten von Heatherwick Studio entwarfen für das um sechs Meter abfallende Gelände ein Bauwerk aus drei ineinander verschachtelten Pavillons mit begehbaren hängenden Gärten. Natürliche Baumaterialien und eine üppige Bepflanzung machen das Haus zu einem starken und lebendigen Ort für alle Besucher*innen. Die gestaffelt zueinander gesetzten Pavillons schaffen einen offenen Innenraum, der sich allseitig öffnet. Um etwaige psychologische Schwellen abzubauen, so heißt es im Pressetext, sind die Räume wohnlich eingerichtet worden, in warmen Farbtemperaturen beleuchtet und in natürlichen Materialien gehalten.

Für das Besucherzentrum in Maggie ́s Leeds entwarf Heatherwick Studio ein Bauwerk aus drei ineinander verschachtelten Pavillons mit begehbaren hängenden Gärten. (Foto: heatherwick studio/hufton + crow)
 Grundriss Erdgeschoss (Plan: heatherwick studio)

Die Lage des Grundstücks direkt an der Zufahrt zur Notambulanz zwang die Planer zu einer Konstruktion mit komplett vorgefertigten Elementen, um die eigentliche Montagezeit so kurz wie möglich zu halten. Die Architekten entwarfen daher für ihr Projekt eine Struktur aus vorgefertigten Holzbau-Elementen, die mit minimaler Störung für den Krankenhausbetrieb auf einer Betonplatte montiert werden konnten. Die drei Pavillon-Kerne sollten dabei von konsolenartigen Holzfinnen umspannt werden, die das Dach tragen. Für die Ausführung wandten sich die Planer an das Free Form-Team der Blumer-Lehmann AG. „Wir kamen im März 2017 zunächst zur Beratung dazu“, erinnert sich Mathias Marti, Projektleiter bei Blumer Lehmann. „Dann haben wir uns in Workshops mit den Architekten und den anderen Gewerken zusammengesetzt und den Entwurf gemeinsam bis zur Konstruktionsreife weiterentwickelt.“ Die Tragwerksplanung entwickelte das Blumer Lehmann-Team, wie schon bei vielen anderen Projekten, gemeinsam mit den Ingenieuren der SJB Kempter Fitze AG. Dabei stellten natürlich die gewaltigen Dachgärten mit der hohen Last einer 80 cm dicken Pflanzschicht und dem geplanten Baumbewuchs eine Herausforderung dar.

Die auf den CNC-Fräsmaschinen von Blumer Lehmann vorgefertigten Holzfinnen wurden auf der Baustelle mittels ihrer ebenfalls vorbereiteten Verbindungsschlösser zusammengefügt und biegesteif mit den Holzständerwänden der Pavillons verbunden. (Foto: Blumer-Lehmann AG)

Die bis zu 7m langen Holzfinnen aus Baubuche sollten sternförmig um die Pavillons angeordnet und mit den Wandelementen als biegesteife Ecke verbunden werden. Keine der 120 Holzkonsolen trifft im gleichen Winkel auf die Wand wie die anderen, sodass für jede Holzfinne ein individueller Gehrungsschnitt gewählt werden musste. Insgesamt 240 Brettschichtholz-Elemente wurden dafür in der Schweiz gefräst und bis zur Montage gelagert. Die Pavillons mit ihren abgerundeten Ecken waren ebenfalls in den Schweizer Werkshallen in Holzrahmenbauweise vorgefertigt worden, auch die Installationen waren in den 24 Wandelementen schon integriert oder vorbereitet.

Die aus Brettschichtholz gefertigten Holzfinnen wurden in jeweils zwei Teilen von Blumer Lehmann gefertigt, gelagert und transportiert. Die beiden Teilstücke wurden erst auf der Baustelle zusammengefügt. (Foto: Blumer-Lehmann AG)
Maggie’s Centre, Leeds/GB
Nutzung: Maggie Keswick Jencks Cancer Caring Trust, genannt Maggie ́s
Architektur: Heatherwick Studio, London/GB
Landschaftsarchitektur: Balston Agius Ltd, Patney, Devizes/GB 
Fertigstellung Holzbau: 2019
Holzbauingenieure: SJB Kempter Fitze AG, Frauenfeld/CH
Holzbau: Blumer-Lehmann AG, Gossau SG/CH
 Grundriss Obergeschoss (Plan: heatherwick studio)
Konstruktionsschema Holzfinnen (Plan: heatherwick studio)
 Konstruktionsschnitt Holzfinnen (Plan: heatherwick studio)
 Plan: heatherwick studio

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