Hoch hinaus in Leipzig

Katinka Corts, Ulf Meyer
11. November 2020
Visualisierung: HENN

Bereits im Sommer hat das Büro HENN den Wettbewerb um die Gestaltung zweier Hochhäuser am Partheufer in Leipzig gewonnen. Die Türme werden die Silhouette der Stadt wesentlich mitprägen. 

Unweit des Leipziger Hauptbahnhofs werden zwei Bürohochhäuser mit 12 beziehungsweise 17 Geschossen gebaut. Im Juni dieses Jahres konnte sich das Büro HENN beim Wettbewerb gegen starke Konkurrenz durchsetzen und gewann. Der zweite Preis ging an Barkow Leibinger. Insgesamt waren zehn Teams eingeladen und schickten Entwürfe ins Rennen. Bauherr ist die Covivio Office Holding GmbH. Heute befindet sich auf dem Areal noch ein Parkplatz.

Die beiden neuen Hochhäuser sollen ein Orientierungspunkt im Stadtraum werden und mit dem bestehenden Westin Hotel (Kajima, 1981), mit über 96 Metern eines der bisher höchsten Gebäude in Leipzig, als „Tor zur Innenstadt“ fungieren. Lebendige Erdgeschossflächen und ein öffentlicher Platz vor dem Eingang sollen helfen, sie zu einem Scharnier zwischen der Innenstadt und der niedrigeren Bebauung nördlich des Flusses Parthe zu machen. 

Die beiden Türme ruhen auf einem gemeinsamen, zweigeschossigen Sockel mit Dachgarten. Dieser rückt entlang der Gerber- und Nordstraße dicht an die Baugrenzen heran und nimmt die Fluchten der Umgebung auf. Beim Fluss springt die Anlage zurück, um eine „großzügige Ufersituation“ freizuspielen. Hier befindet sich der Haupteingang für die Läden und Restaurants im Erdgeschoss. Die Grundrisse haben fließende Formen, jedes Bürogeschoss lässt sich in zwei Nutzungseinheiten zu je 400 Quadratmetern unterteilen. Die Architekten, die in China viel Erfahrung mit Hochhäusern gesammelt haben, sind überzeugt, die beiden Türme würden mit ihren zueinander verschränkten Hochpunkten dereinst ein dynamisches Ensemble.

Visualisierung: HENN
Modell: HENN

Eine besondere Herausforderung war (und bleibt) bei diesem Projekt die städtebauliche und verkehrstechnische Einbindung. Seit gut 30 Jahren schweben die Pläne zu einer Nordtangente über dem Partheraum nördlich der Innenstadt. Ursprünglich sollte die kleine Uferstraße an der Parthe erweitert und bis zur von Nord nach Süd verlaufenden Gerberstraße durchgezogen werden. Das Doppelprojekt Mittlerer Ring/Tangentenviereck aus den 1990er-Jahren hat sich längst überholt, die Stadt Leipzig will zeitgemäß nicht mehr den Individualverkehr fördern, sondern ÖPNV und Radverkehr stärken. Zugleich schreibt der ADFC, dass hier unübersehbar das Thema 'Nordtangente' nicht bewältigt sei und die Wegebeziehung der umliegenden Straßen und die Radwegführung nicht gelöst sind. 
Für das Büro Henn (und natürlich alle Wettbewerbsteilnehmenden) bedeutete das, ein Gebäude zu planen, dass bei einer theoretisch noch möglichen Straßenneuplanung auf der nördlichen Seite des Grundstücks bestehen kann – die Neubauten nehmen dementsprechend die Fassadenfluchten der Uferstraße auf. Der Raum zwischen Neubau und Fluss haben HENN als Platz ausformuliert und mit Pavillon und Grün bestückt – all das kann aber notfalls weichen. Man möchte hoffen, dass sich die neue Außenraumsituation etabliert und ein Abriss und Straßenbau irgendwann entgültig vom Tisch ist.

Erdgeschoss (Plan: HENN)
Situation (Plan: HENN)
Grundriss 2. Obergeschoss (Plan: HENN)
Grundriss 3. Obergeschoss (Plan: HENN)

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