Günther Domenigs Architektur in Bildern

Elias Baumgarten
8. Juni 2022
In den 1990er-Jahren gewann Günther Domenig den internationalen Wettbewerb um die Gestaltung eines Dokumentationszentrums auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg – eine der schwierigsten Aufgaben seiner Karriere. Seine Intervention stört die strenge Axialität und Symmetrie des denkmalgeschützten Bestands. (Foto: Gerald Zugmann)

Ab den 1960er-Jahren war Günther Domenig einer der stilbildenden Architekten Österreichs. Diesen Sommer wird sein Werk in Kärnten mit einer großen Ausstellung gewürdigt, die an vier Orten gleichzeitig stattfindet.

 

Günther Domenig (1934–2012) stand nicht unbedingt im Ruf, ein einfacher Charakter zu sein. Er „grantelte“ gern, wie die Österreicher sagen, rauchte fortwährend und liebte schnelle Autos. Stets entwarf er am Skizzenblock und nicht am Computer. Architektur war für ihn Kunst. An seinem Opus magnum, dem Steinhaus am Ossiacher See, arbeitete er nicht weniger als zwanzig Jahre. Doch mit seinen Projekten, deren Architektursprache sich immer wieder veränderte, vermochte er regelmäßig Impulse zu geben und oft auch stark zu polarisieren. Viele österreichische Architekt*innen inspiriert das bis heute, und wohl alle, die in den letzten Jahrzehnten in unserem Nachbarland studiert haben, kennen seine Bauten aus Vorlesungen und von Exkursionen.

Diesen Sommer wird Domenigs Werk mit der großen Ausstellung „Günther Domenig: DIMENSIONAL“ gewürdigt, die gleich an vier Orten im österreichischen Bundesland Kärnten stattfindet: dem Museum Moderner Kunst in Klagenfurt und dem Architektur Haus Kärnten sowie dem Steinhaus und Domenigs Bau für die Landesausstellung 1993 in der Heft (Gemeinde Hüttenberg). Die Schau wird diesen Freitag feierlich eröffnet und bis zum 16. Oktober gezeigt. 

Das wichtigste Thema wird die Wirkung von Günther Domenigs Arbeit auf die zeitgenössische Architekturproduktion (in Österreich) sein. Darum werden das Steinhaus und der Ausstellungsbau in der Heft durch Projekte von Künstler*innen und Studierenden aktiviert. Wer ein besseres Verständnis für die zuweilen extravagante Architektur Österreichs mit ihren skulpturalen Bauten und expressiven Gesten entwickeln und ihre Traditionslinien kennenlernen möchte, dem sei die Reise ins Nachbarland empfohlen.

Zum Programm der Ausstellung

 

Domenigs Museum auf dem Reichsparteitagsgelände ist bei Besucher*innen aus dem In- und Ausland so beliebt, dass es aktuell deutlich vergrößert wird. Zuweilen kommt verglichen mit den ursprünglichen Erwartungen die dreifache Menge an Gästen. (Foto: David Schreyer)
Günther Domenig trieb einen gläsernen „Pfahl“ durch die Kongresshalle der Nationalsozialisten. Er ist über 100 Meter lang. Die Besucher*innen gelangen durch ihn von der Ausstellung zum Ausgang. Dabei erhalten sie ungewöhnliche Einblicke in die Herrschaftsarchitektur. (Foto: David Schreyer)
Der Mehrzwecksaal des Klosters der Schulschwestern in Graz wurde 1972 gebaut. Dem Gebäude aus Beton, damals das Material der Stunde, wurde in der Fachwelt sowohl aufgrund seiner außergewöhnlichen Formensprache als auch wegen seiner Konstruktion große Aufmerksamkeit zuteil. Die Planung und Umsetzung der freien Form stellte zu dieser Zeit eine enorme Herausforderung dar. (Foto: David Schreyer) 
Der Mehrzwecksaal des Klosters der Schulschwestern in Graz; das Bauwerk rüttelte an tradierten Sehgewohnheiten. (Foto: David Schreyer)
Foto: David Schreyer
Das Steinhaus in Steindorf am Ufer des Ossiacher Sees (1980) wurde über zwanzig Jahre nach Beginn der Planungen fertiggestellt. Das Wohnhaus war Domenigs erklärtes Lieblingsprojekt und gilt heute als sein Opus magnum. Der spektakuläre Bau aus Beton und Stahl polarisierte sehr. Teile der Bevölkerung liefen Sturm gegen das Haus. Für viele österreichische Architekt*innen ist es bis heute Inspirationsquelle oder auch Reibungsfläche. (Foto: Ferdinand Neumüller)
Günther Domenig posiert im Garten seines Steinhauses. Er galt als bisweilen schwieriger Charakter, rauchte stark und liebte Sportwagen. Ab den 1960er-Jahren war er einer der stilbildenden Architekten Österreichs. Sein Einfluss besteht bis heute fort. (Foto: Gerhard Maurer)
Von 1975 bis 1979 wurde die Filiale der Zentralsparkasse (Haus Z) in Wien nach den Plänen von Günther Domenig gebaut. (Foto: Stefan Oláh)
Domenig gestaltete das Gebäude als biomorphes Wesen mit Knochen und Schuppen. Auffällig ist, dass seine Bauten jeweils sehr verschiedene Architektursprachen sprechen. Domenigs Architektur wandelte sich im Laufe der Zeit immer wieder deutlich. (Foto: Stefan Oláh)
Ende der 1960er-Jahre entwarf Domenig gemeinsam mit Eilfried Huth die Pfarrkirche Oberwart. (Foto: David Schreyer)
Günther Domenig gestaltete einen Zubau für das Stadttheater von Klagenfurt. Übrigens hatte er grundsätzlich großes Flair für das Theater und entwarf auch Bühnenbilder und Kostüme. (Foto: Gerhard Maurer)

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