Fortschritte im Musikquartier Kronberg

Manuel Pestalozzi
17. März 2021
Das Innere des Casals Forum wird mehr Arena denn Saal sein. (Visualisierung: esome)

Am S-Bahnhof Kronberg, im nördlichen Einzugsgebiet von Frankfurt, entsteht ein Gebäudeensemble aus Kammermusiksaal, Musikakademie und Hotel. Die Arbeiten am Casals Forum, dem Herzstück des Gebäudeensembles, schreiten voran.

Der Name des weltberühmten Cellisten Pablo Casals (1876-1973) deutet es an: Im Luftkurort Kronberg im Taunus werden Streicher*innen trainiert. Die 1993 gegründete Kronberg Academy dient der Ausbildung und Förderung junger hochbegabter Talente der Instrumente Violine, Viola und Violoncello. Sie betreibt überdies diverse musikalische Projekte, veranstaltet Konzerte und führt auch ein internationales Streicher-Festival durch.

Im dritten Jahrzehnt nach ihrer Gründung startete die Organisation ein Neubauprogramm, das vom Grünraum des Viktoriaparks und freistehenden Mehrfamilienhäusern umgeben ist. Das Musikquartier soll die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Kronberg Academy auch in Zukunft professionell und erfindungsreich die Aufgabe erfüllen kann, die sie in der Welt der klassischen Musik innehat. Den Architekten-Wettbewerb, den die Kronberg Academy Stiftung gemeinsam mit der Bauherrin des Hotel-Neubaus auf dem benachbarten Grundstück (Contraco GmbH) ausgeschrieben hatte, konnte 2014 das Büro Staab Architekten GmbH aus Berlin für sich entscheiden.

Das Studien- und Verwaltungszentrum (rechts) und das Hotel umschließen mit der Sockelpartie des Casals Forums einen intimen, kleinen Platz. (Visualisierung: Staab Architekten/Kronberg Academy)

Der siegreiche Entwurf nutzt das starke Gefälle des Grundstücks um die Herausforderung, die Neubauten mit dem Maßstab der umgebenden Gebäude in Einklang zu bringen, zu meistern. In diesem topographischen Entwurfsansatz werden der Kammermusiksaal und das Hotel mit einem Natursteinsockel versehen. Diese entwickeln sich aus dem Gelände, während die Musikakademie in die seitliche Hangkante geschoben ist und nur über eine steinerne Platzwand in Erscheinung tritt. Die Steinwände erzeugen einen spannungsreichen Wechsel offener und gefasster Außenräume auf dem Weg vom Bahnhofsvorplatz in das Quartier. 

Die Musikakademie ist in den Hang eingepasst. (Plan: Staab Architekten/Kronberg Academy)
Hangseitig hat das Casals Forum den Charakter eines Pavillons, auf dem das skulpturale, leicht wirkende Dach sitzt. (Visualisierung: Staab Architekten/Kronberg Academy)

Den Auftakt des Ensembles bildet das Hotel am Bahnhof mit einer fein gegliederten Holzfassade, den Schlusspunkt setzt der Kammermusiksaal an der höchsten Stelle des Grundstücks mit einem weit ausgreifenden  Dach. Eine breite, gläserne Fuge trennt das Dach des Konzertsaals von dem steinernen Sockel, in den die Sitzreihen des Saals eingelassen sind. Die Glasfuge lässt über das umlaufende Foyer hinweg die angrenzende Landschaft Teil des Saales werden und das warme Licht des holzausgekleideten Saales in die Umgebung ausstrahlen.

Der symbolische Spatenstich erfolgte 2017, im Oktober 2019 fand das Richtfest statt. Eher langsam doch stetig geht es mit dem Saalbau voran. Währenddessen nutzen aufstrebende junge Solist*innen der Kronberg Academy die besondere Klangkraft des Rohbaus für erste Konzerte.

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