Endlos-Streit um Synagoge Potsdam

Manuel Pestalozzi
9. Juni 2020
Mit dieser Visualisierung wurde im April 2020 angekündigt, dass der Weg zur Erstellung nun frei ist. (Visualisierung: © Haberland Architekten)

Es gibt schon Spekulationen über konkrete Daten für einen Spatenstich. Trotzdem sorgt das Neubauprojekt, das im Jahr 2009 aus einem Wettbewerb hervorgegangen ist, immer wieder derart für Streit, dass die Realisierung unsicher bleibt.

„Bau der Potsdamer Synagoge steht erneut auf der Kippe“, titelte am 5. Juni Deutschlandfunk Kultur. Die Jüdische Gemeinde habe die 2018 getroffene Vereinbarung mit dem Land Brandenburg und der Synagogengemeinde zum Bau und Betrieb der Synagoge gekündigt. Grund: Der Vorsitzende der Synagogengemeinde habe seine Zustimmung zu dem Entwurf des Architekten Jost Haberland wieder zurückgezogen. Um die Gestaltung der Fassade und die Nutzung der Innenräume der Synagoge habe es zwischen der Jüdischen Gemeinde und der Synagogengemeinde jahrelang Streit gegeben.

Die Geschichte reicht schon eine ganze Weile zurück. Gemäß der Website der Haberland Architekten hatte das Büro 2009 einen Realisierungswettbewerb für den Neubau einer Synagoge in Potsdam-Mitte gewonnen. Seither scheint man sich vor allem in den Führungsgremien der beiden beteiligten jüdischen Gemeinden über den Entwurf zu streiten. Welches konkret die Kritikpunkte sind, geht aus den wirklich sehr zahlreichen Medienmitteilungen zur Causa nicht hervor.

Kritik hinter den Kulissen

Erst im April 2020 gab die Brandenburger Kulturministerin Manja Schüle (SPD) am Freitagnachmittag bei einer per Livestream übertragenen Pressekonferenz in der Potsdamer Staatskanzlei bekannt, dass das Zentrum der Gemeinschaft respektive der Gemeinschaften an der Schlossstraße nun endlich gebaut werden könne. Nach jahrelangen Diskussionen um die Gestaltung der Synagogenfassade hätten die beiden beteiligten Gemeinden, die auf der Basis eines Staatsvertrags mit der Landesregierung die Nutzer des zukünftigen Gotteshauses sein werden, grünes Licht für das Vorhaben gegeben, freute sich damals die Jüdische Allgemeine und wagte es sogar zu melden, der erste Spatenstich sei für Frühjahr 2021 angesetzt. Vorher müssten allerdings noch Fragen zum Sicherheitskonzept geklärt und die Baugenehmigung erneuert werden, wie Architekt Haberland erläutert habe.

Offenbar gilt diese Einigung nicht mehr. Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) hat die jüdischen Gemeinden aufgefordert, gemeinsam mit dem Land Brandenburg strittige Fragen um den geplanten Neubau einer Synagoge in Potsdam zu klären, um mit dem Bau beginnen zu können, meldet die SZ. Bedingungen hat er offenbar keine gestellt, von einer Frist für diese Klärung ist nichts bekannt. Der Architekturkritik und dem Ansehen des Instruments des Architekturwettbewerbs erweisen diese Vorgänge einen wahrlich schlechten Dienst.

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