Die Innenstadt entwickeln und resilient gestalten

Katinka Corts
27. Oktober 2021
Die belebte, durchmischte Innenstadt ist heute oft nur ein Wunschtraum. (Foto: Andrea Albanese von Pexels)

Vergangene Woche diskutierten Vertreter*innen aus Politik, Verwaltung, Verbänden und der Bundesstiftung Baukultur die aktuellen Fragen der Handels- und Stadtentwicklung in unseren Innenstädten – ein gut gewählter Zeitpunkt kurz nach der Bundestagswahl. In einem Positionspapier fordern sie die Neubelebung der Innenstädte. 

Die deutsche Innenstadt krankt nicht erst seit der seit 2020 grassierenden Corona-Pandemie an weniger Umsatz, einem Sterben der kleinen Läden und einer heuschreckenartigen Ausbreitung der immer gleichen Handelsketten. Die Zeit der staatlich verordneten Ladenschließungen im vergangenen Jahr hat – wenn auch teilweise über Fördergelder und Ausgleichszahlungen abgefangen – mehr Salz in die Wunde gestreut. Nun brauche es neue Strategien für die funktionsgeschwächten Innenstädte Deutschlands, befanden die Expert*innen des politischen Podiums. 

Die drei Mitglieder des Bundestags Bernhard Daldrup (SPD), Daniel Föst (FDP) und Christian Kühn (Bündnis 90/Die Grünen) stellten Gemeinsamkeiten und offene Fragen einer möglichen künftigen Regierungspolitik heraus, von denen die Innenstädte, der Handel und die Baukultur profitieren würden. Die aufgeworfenen Themen würden Gegenstand der Verhandlungen zum Koalitionsvertrag sein – so die Hoffnung. Das momentane Sondierungspapier der Ampelparteien bleibt da jedoch sehr vage, es gehe um „gute Lebensbedingungen in Stadt und Land“ und „vom Einkaufen über den Arztbesuch bis hin zum Sport“ solle die Region alles bieten können. 

Stefan Genth vom Handelsverband Deutschland (HDE) zog indessen eine positive Zwischenbilanz der bisherigen Anstrengungen von Bundesregierung, Ländern, Kommunen und Wirtschaft zur Wiederbelebung der Innenstädte. Er betonte aber auch die anhaltende Dramatik des durch Corona verstärkten Ladensterbens. Reiner Nagel (Bundesstiftung Baukultur) zeigte die Möglichkeiten auf, mit baukulturellen Interventionen öffentliche Räume und die Gebäudesubstanz aufzuwerten und durch neue Mischnutzungen Innenstädte neu zu positionieren. Auch in der im Juli 2021 herausgegebenen Innenstadtstrategie der Bundesregierung ist formuliert, dass die Innenstädte künftig nachhaltige und dauerhaft sichere Betriebsstandorte mit gleichzeitig großer Kundennähe benötigen. Doch auch wenn die Umnutzung innerstädtischer Gebäude ideal sei für eine stärkere Nutzungsmischung, ließe sich diese nicht immer mit angemessenem Aufwand realisieren.

„Wir wollen für gute Lebensbedingungen in Stadt und Land sorgen. Gerade in den ländlichen Räumen gilt es, die Daseinsvorsorge zu stärken. Bürgerinnen und Bürger sollen ihren Alltag in ihrer Region gut leben können – von der Arbeit übers schnelle Internet bis hin zu guten Verkehrsanbindungen, vom Einkaufen über den Arztbesuch bis hin zum Sport. Wir wollen dafür sorgen, dass notwendige Investitionen (zum Beispiel in schnelles Internet oder Mobilität) insbesondere dort angepackt werden, wo der Nachholbedarf am größten ist.“

Auszug aus dem Sondierungspapier, 22.10.2021

Im abschließenden Gespräch mit Bernd Düsterdiek (Deutscher Städte- und Gemeindebund DStGB), Robert Heinemann (ECE), Peter Maly (Bereichsvorstand Handel Deutschland der Rewe-Group) und Christoph Meyer (Geschäftsführer CM Realty GmbH) zu den Themenfeldern Innenstadtentwicklung, Shoppingcentern, Handelsentwicklung sowie Mieten wurden wichtige Erkenntnisse zusammengefasst, die zur Neubelebung der Innenstadt nach Corona beitragen können. Als Resultat ist ein Positionspapier entstanden, in dem die Punkte Handel fördern und fordern, Planungsrecht und Lärmschutz endlich lösen, Öffentliche Investitionen in die Innenstadt und Förderung der Innenstädte verstetigen aufzählt und erläutert. Inwieweit die Ideen und Wünsche der Diskussionsteilnehmer*innen in das Wirken der neu zu gründenden Bundesregierung sowie in die Länder- und Städteebenen gelangt, bleibt abzuwarten. Interessant wird sein, zu begleiten, was aus den zur Verfügung stehenden 250 Millionen Euro wird, die das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Auftrag des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI) im Bundesprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ bereitgestellt hat. Städte und Gemeinden konnten bis Mitte September dieses Jahres Projektvorschläge für innovative Konzepte und Handlungsstrategien einreichen, mit denen die Resilienz der Städte gestärkt und Krisen in der Stadt besser bewältigt werden können.

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