Wohnen und arbeiten in Berlin-Kreuzberg

IAA Architecten
27. April 2022
Das Bürohaus schließt einen Block in direkter Nachbarschaft des ehemaligen Anhalter Bahnhofs. (Foto: Maximilian Meisse)

IAA Architecten haben mit dem Pulse Berlin ein neues Büro- und Geschäftshaus in Berlin-Kreuzberg fertiggestellt. Peter Roelvink beantwortet unsere Fragen zum Projekt, das im Sinne der Cradle to Cradle®-Philosophie geplant wurde.

Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?

Wir wollten ein gesundes Gebäude mit besonderer Aufenthaltsqualität realisieren. Das Konzept für das Pulse Berlin basiert auf der Inspiration der Cradle to Cradle®-Philosophie, in der nicht nur die Nachhaltigkeit, die ökologischen Aspekte und Energien wichtige Rollen spielen, sondern auch die Materialien, eine intelligente Gebäudestruktur, der Lebenszyklus, das Arbeitsumfeld und die soziale Identität des Gebäudes in Entwurf und Umsetzung integriert werden.

In dem Hauptfoyer mündet auch eine skulpturale Freitreppe, die Bühne vielfältiger Formen der Begegnung sein will (Foto: Maximilian Meisse)
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?

Der Neubau befindet sich 700 Meter vom Potsdamer Platz entfernt auf der Ecke Stresemannstraße – Möckernstraße und liegt in Kreuzberg, an der Grenze zu Berlin-Mitte. Es bildet die Eckbebauung vom Quartier „Stresemannstraße – Hallesche Straße – Möckernstraße“ und präsentiert sich als Hauptgebäude des Quartiers in Richtung Stadtmitte.

Die Gebäudekonturen des siebengeschossigen Gebäudes leiten sich von den festgesetzten Bestimmungen des Bebauungsplanes ab. Die äußerliche Erscheinungsform der Kubatur soll nachhaltig, modern und zukunftsweisend sein. Die Fassaden stellen eine Verschmelzung der typischen Berliner Lochfassade mit der Cradle to Cradle®-Philosophie dar.

Umfangreiche Wandbegrünungen sind im Eingangsbereich, im rückspringenden siebten Obergeschoss und Atrium zu finden. Im Blockinneren ist ein Teil des Gebäudes als turmartiger Solitär vom Hauptgebäude abgesetzt. Um dieses Motiv gestalterisch zu unterstützen, wurde dort das Fassadenraster variiert. Das Gebäude hat circa 10'500 m² Mietfläche, eine Tiefgarage sowie viele Freiflächen für den zukünftigen Nutzer.

Das nachhaltige Material der Freitreppe aus schnell nachwachsendem Bambus stellt eine frei geformte Landschaft dar (Foto: LW)
Foto: LW
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?

Bei der Realisierung des Projekts hat der Auftraggeber besonderen Wert auf die Verwendung von recycelbaren Materialien sowie ein nachhaltiges und visionäres Energiekonzept gelegt. Das Ziel bei diesem Projekt war es, ein angenehmes und natürliches Arbeitsklima zu schaffen und neue Maßstäbe in Ökologie und Arbeitsplatzqualität zu setzen.

Ein Weg verbindet das Blockinnere mit den Freiflächen des ehemaligen Anhalter Bahnhofs und bindet das kaskadenförmig abgetreppte Atrium unmittelbar an (Foto: PR)
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?

Das Gebäude ist nach den Vorgaben des Cradle to Cradle®-Prinzips konzipiert. Ziel dieser Philosophie ist, Ressourcen zu schonen, positiv auf die Umwelt zu wirken und gleichzeitig eine Wertsteigerung des Gebäudes zu gewährleisten. Das wird durch den Entwurf und die Anwendung ausgesuchter Produkte erreicht, wobei hier der Fokus auf der Entwicklung von einem reinen Endprodukt-orientierten zu einer Prozess-orientierten Herangehensweise verändert, die versucht, Produkte entstehen zu lassen, die von Beginn an sicher, gesundheitsbewusst und von hoher Qualität sind. Alles ist ein Rohstoff für etwas Neues. In der Natur wird aus dem Abfall eines Systems die Nahrung für ein neues. Entsprechend können auch Gebäude so gebaut werden, dass sie wieder in Einzelteile zerlegt und als biologische Stoffe zerfallen (biologische Nährstoffe) oder als hochwertige Grundstoffe für neue Produkte und Gebäude wieder genutzt werden können (technische Nährstoffe).

Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?

Besonderen Wert wurde bei der Konzeption auf die Verwendung von gesunden und recyclefähigen Materialien gelegt und es kamen bevorzugt C2C -zertifizierte Produkten zum Einsatz. Bereits in der Konzeptionsphase wurde mit Herstellern gesprochen und Produkte C2C-zertifiziert.

So erhielt die Fassade Fensterelemente aus C2C-zertifiziertem Aluminium. Die Betondecken bestehen aus einem sogenannten Bubble-Deck-Flooring-System, das mit Kunststoffbällen aus recyceltem Material gefüllt ist, um Beton und Gewicht einzusparen und so die CO2-Emission zu reduzieren. Weitere Bauteile wie der Doppelboden, Schallschutzwände, Wandfarbe sowie die Teppichböden sind ebenso C2C-zertifiziert.

Lageplan (Zeichnung: IAA Architecten)
Grundriss Erdgeschoss (Zeichnung: IAA Architecten)
Schnitt (Zeichnung: IAA Architecten)
PULSE BERLIN
2022
Stresemannstraße 69-71
10963 Berlin

Auftragsart
Neubau eines Büro- und Geschäftshauses
 
Projektentwicklung
Reggeborgh Investment & Management GmbH 
 
Architektur
IAA Architecten GmbH, Gronau/Enschede
Architekt Peter Roelvink
Mitarbeit: Roland Rens, Martin Schouwink, Ronald Stattmann, Ben Noorman

Fachplaner
Kondor Wessels Planungsgesellschaft mbH, Berlin
Bauconzept Planungsgesellschaft mbH, Halle an der Saale
William McDonough + Partners, Charlottesville(US) 
Mieterausbau: Bräunlin Kolb Schälicke Architekten, Berlin

Bauleitung
Kondor Wessels Wohnen Berlin GmbH, Berlin

Ausführende Firmen
Generalunternehmer Kondor Wessels Wohnen Berlin GmbH, Berlin
 
Hersteller
Aluminiumfenster: Schüco
System-Hohlkörperdecken: Cobiax
Grünwandsystem: Semper Green)
Doppelboden: Lindner Group
Schallschutzwände: Derako
Teppichböden: Desso
Wandfarbe: Bito

Gesamt Bruttogrundfläche nach DIN 277 
16.400 m²
 
Gesamt Brutto umbauter Raum
 62.100 m³ (incl. Untergeschoss)

Gesamtkosten
k.A.
 
Auszeichnung
DGNB Gold

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