Werkhalle Pflug in Tübingen

Von Handwerk bis Hightech

Ackermann+Raff
15. August 2018
Hinter der hellen Glasfassade befindet sich der Bürotrakt
Ackermann+Raff Architekten haben kürzlich in Tübingen die Werkhalle Pflug fertiggestellt. Hellmut Raff beantwortet unsere Fragen zum Projekt.
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Das Projekt befindet sich im Unipro-Gewerbepark in Gomaringen, einem speziellen Gewerbegebiet, in dem sich nur Firmen mit anspruchsvollen Technologien und Kontakten zur nahe gelegenen Universität Tübingen ansiedeln dürfen. Die Firma Pflug hat sich von einer Schreinerei zu einem Betrieb entwickelt, der mit computergestützter Fertigungstechnik eine große Bandbreite von Materialien und Anwendungsbereichen bearbeitet. Das Spektrum reicht vom anspruchsvollen Innenausbau bis zu Objekten im Museumsbereich, wie beispielsweise eine maßstabsgetreue Modellierung des Mondes für ein Museum in Mekka.
Die neue Werkhalle sollte diesen Anspruch architektonisch umsetzen. Das Highlight ist ein Ausstellungsraum in Form einer Blackbox, die nur durch ein Oberlicht belichtet wird. Hier wird unter anderem die museumsdidaktische Wirkung von Ausstellungsobjekten in Kombination mit digitalen Animationen entwickelt.
Die Eingangshalle wird geprägt durch Sichtbeton- und Holzoberflächen. Der angrenzende Ausstellungsraum kann bei Bedarf zum Foyer geöffnet werden.
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?
Da es sich um eine sensible Situation am Ortsrand und in landschaftlich reizvoller Lage an der markanten Traufe der schwäbischen Alb handelt, war es uns wichtig, mit natürlichen Materialien und gedeckten Farben zu arbeiten, die das Gebäude gut in die Landschaft integrieren. Insofern setzen wir uns bewusst von den gängigen gestalterischen Haltungen im Gewerbebereich ab und vermeiden metallisch glänzende Materialien.
Stahlbetonrahmen und Spanplatten prägen die Werkhalle
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?
Schon vor Beginn unserer Entwurfsphase haben sich die Auftraggeber mit ihren Mitarbeitern gründlich mit dem Raumprogramm und dem Flächenlayout beschäftigt. Als Planungsgrundlage erhielten wir CAD-Pläne mit den Maschinenstandorten und den Arbeitsabläufen. Aufgrund dieser guten Vorarbeit konnten wir die Planung zügig und ohne gravierende Änderungen vorantreiben.
Der Bürobereich zeichnet sich durch weiß lackierte OSB-Holzständerwände mit Edelholz furnierten Einbauten aus
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?
Die Konstruktionsweise und Materialwahl berücksichtigt grundlegende ökologische Aspekte. Daher ist die Werkhalle als Skelettkonstruktion konzipiert, die sich flexibel umnutzen und erweitern lässt. Die nichttragenden Außenwände der Halle bestehen aus vorgefertigten Tafelelementen in Co2-neutraler Holzbauweise, die bei Bedarf ausgebaut, wiederverwendet oder problemlos rezykliert werden können - ein wichtiger Aspekt des aktuellen Themas Cradle-to-Cradle. Die Fassade am Bürotrakt besteht aus langlebigem Profilit-Industrieglas und ist daher ebenfalls nahezu rückstandsfrei in den Stoffkreislauf zu integrieren. Verbundwerkstoffe wurden weitmöglichst vermieden.
Blick auf die schwäbische Alb
Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Die gestalterische Haltung beruht auf der Verwendung von traditionellen Materialien, die auf handwerkliche Weise nach sorgfältig abgestimmter Detailplanung verbaut wurden. Im Bereich der Werkhalle ist die Fassade mit einer in Anthrazit lasierten Holzschalung verkleidet. Der dunkle Farbton und die Materialstruktur schaffen eine angenehm lebendige Textur. Im Kontrast hierzu entwickelt die vorgehängte Glasfassade im Büro- und Eingangsbereich einen hellen, samtigen Ton. Hierbei entsteht eine Tiefe, die sich je nach Sonnenstand und Wetterverhältnissen verändert. Ein feststehender Sonnenschutz verbindet die beiden Fassadenthemen.
In den Büroräumen und im Ausstellungsraum dominiert Sichtbeton an Decken und Wänden, der durch den Parkettboden aus Esche und mit den Trennwandregalen aus weiß lasierten OSB-Platten ein ausgleichendes Pendant in warmen Farbtönen erhält. Sämtliche Materialien rangieren in der typologischen Werkstoffreihe im unteren einfachen Bereich, dennoch – oder gerade deswegen – entstand ein hochwertiges und langlebiges Gebäude.
Im Ausstellungsraum wird die museumsdidaktische Wirkung von Ausstellungsobjekten in Kombination mit digitalen Animationen getestet. Hier ein Modell des Mondes
Lageplan
Grundriss Erdgeschoss
Schnitt
Werkhalle Pflug
Heinrich-Hertz-Straße 5
72810 Gomaringen

Nutzung
Bürobau, Werkhalle

Auftragsart
Direktbeauftragung

Bauherrschaft
Pflug GmbH, Gomaringen

Architektur
Ackermann+Raff, Tübingen

Fachplaner
Statik: Gustav Epple Bauunternehmung GmbH, Stuttgart

Ausführende Firmen
Generalunternehmer: K & L Bau GmbH, Dußlingen

Hersteller
Esche Parkett: Herter GmbH & Co. KG
Holzlamellen. Pflug GmbH
OSB-Holzständerwände, weiß lackiert mit Edelholz furnierten Einbauten (Nussbaum/ Zebrano): Pflug GmbH
Beschläge: FSB Max Bill

Bruttogeschossfläche
2.600 m²

Gesamtkosten
k.A.

Fotos
Marcus Ebener

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