Philosophikum in Münster

Vom Hinterhof zur urbanen Piazza

Peter Böhm Architekten
23. Mai 2018
Vorplatz
Peter Böhm Architekten haben kürzlich das Philosophikum in Münster fertiggestellt. Rüdiger Becken erläutert das Projekt.
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Die stadträumlich vorgefundene Situation im Zentrum der Stadt Münster, die ursprünglich den Charakter eines Hinterhofes glich. Wir wollten die Hinterhofsituation zwischen dem Altbau und dem gegenüber liegenden Fürstenberghaus in einen schönen urbanen Platz im Zentrum der Stadt Münster verwandeln.
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Ich denke, dass der Charakter des Platzes, seine Maßstäblichkeit und seine Proportionalität beeinflusst sind von vielen Plätzen in alten Städten, bei denen der Umgang mit dem öffentlichen Raum in so vielen immer wieder überraschenden Varianten verwirklicht worden ist, und von denen man viel lernen kann.
Bibliothek
Atrium
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?
Der Höhenunterschied zwischen Domplatz im theologischen Institut nutzten wir, indem wir den Platz als kaskadenförmige Stufenrampe modellierten – ein Element, das den Platz sehr stark prägt. Die Gebäudekanten und Traufhöhe des gegenüber liegenden Fürstenberghauses haben wir in unserem Riegel aufgegriffen, um den Platz als Raum möglichst prägnant zu gestalten.
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?
Die Bauherrschaft und NutzerInnen haben die Planung im Dialog sehr intensiv begleitet. Dabei wurde zum Beispiel die Fuge zwischen Altbau und Neubauriegel, die ursprünglich verglast werden sollte, mit einem opaken Dach geschlossen, wodurch die räumliche Wirkung des Zwischenraumes erheblich verstärkt wurde.
Foyer
Eingang
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?
Bei der Bearbeitung der Fassade kamen die Horizontalen der Deckenplatten als feine horizontale Gliederungselemente im Zusammenspiel mit der starken vertikalen Struktur der Ziegelpfeiler hinzu. Dieses Zusammenspiel geht einher mit der Materialität der sehr rau geschlämmten Ziegel und der präzisen sehr scharfkantigen Betonfertigteilen der Deckenvorderkankten.
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?
Ich glaube, dass Kriterien wie Einfachheit, sorgfältige Detaillierung und der Umgang mit Materialität mehr und mehr in das Bewusstsein der architektonischen Diskussion zurückkehrt. Hohle Gesten und willkürlich applizierte Gestaltung wird mehr und mehr als aufdringlich empfunden.
Vorplatz
Himmelsleiter
Vorplatz
Schwarzplan
Grundriss Erdgeschoss
Längsschnitt
Vorplatz, Tuschezeichnung
Bücherregal, Tuschezeichnung
Philosophikum am Domplatz
2017

Domplatz 23
P48143 Münster

Nutzung
Universität

Auftragsart
Generalplaner

Bauherrschaft
BLB Münster

Architektur
Peter Böhm Architekten, Köln
Prof. Peter Böhm
Rüdiger Becken (Projektleiter)
Team: Andrea Wenning, Maike Malinka, Hüseyin Eryigit, Philippe Martens, Radu-Mihai Varga

Fachplaner
TGA: Ingenieurgemeinschaft TEN
Tragwerk: Kempen Krause Ing.-Ges. Aachen

Bauleitung
Schilling Architekten, Köln
1zu1 Architekten, Münster

Hersteller
Klinkerfassade: Ziegelwerk Heinrich Wehrmann GmbH
Holzfenster: Noll Fensterbau GmbH
Fenstergriffe: FSB Franz Schneider Brakel
Innentüren: Schörghuber Spezialtüren
Pfosten-Riegel-Fassade: Berger GmbH & Co.
Dachziegel: Dachziegelwerk Nelskamp GmbH
Dachflächenfenster: Velux
Dachbegrünung: Opitigrün International

Bruttogeschossfläche
8.769 m²

Baukosten
​13.500.000 € (KG 300+400)

Auszeichnungen
Wettbewerb, 1. Preis
Auszeichnung Guter Bauten 2017 des BDA Münster-Münsterland

Fotos
​Lukas Roth, Köln

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Vorgestelltes Projekt

OMA - Office for Metropolitan Architecture

Rijnstraat 8

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