Empfangsgebäude „Mitoseum“ im Saurierpark in Kleinwelka, Bautzen

Urzelle und Mitose

rimpf ARCHITEKTUR
25. April 2018
Empfangsgebäude des Saurierparks
1978 begann Franz Gruß damit, urzeitliche Saurier in Originalgröße aus Stahlgeflecht und Beton zu bauen und stellte sie später aus. Heute ist der Saurierpark Kleinwelka ein Besuchermagnet, der vergangenes Jahr um ein neues Empfangsgebäude erweitert wurde. Architekt Stefan Rimpf erläutert das Projekt.
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Der Saurierpark hat als Freizeitpark einen sehr hohen didaktischen Anspruch. Hier galt es gleichermaßen diesen Anspruch abzubilden und ein signifikantes und identifikationsbildendes Gebäude zu entwerfen.
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Die Urzelle und ihre Teilung als Ursprung des Lebens ist sinnbildliche Entwurfsidee des Wettbewerbsentwurfes für das Empfangsgebäude. Der Prozess der Mitose ist als Anleihe an die Natur sowohl Projektidee als auch Vorbild für die filigrane Konstruktion und Gestalt, die im Dialog mit der Natur steht. Die Urzelle wird quasi durch "Zellteilung" zum gebauten, weithin sichtbaren Mitoseum.
Innenraum des Empfangsgebäudes
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?
Das fallende Gelände ist Teil der Inszenierung für den Besucher. Sie nähern sich dem Eingang auf einem enger werdenden Weg und erreichen schließlich die filigrane Stahlskulptur, die lediglich mit einer transluzenten Membran aus ETFE-Folienkissen überzogen ist. Hier angekommen wird der Park mit dem „Feuertor“ und der „Ursuppe“ sichtbar.
Inwiefern haben Bauherrschaft oder Auftraggeber den Entwurf beeinflusst?
Der Auftraggeber hat die Entwurfsidee unseres Wettbewerbsbeitrags sofort verstanden und konsequent umgesetzt. Bei Gestaltung und Konstruktion folgte der Auftraggeber nahezu vollständig unseren Empfehlungen. Funktionale Abläufe und Bedarfe wurden gemeinsam erarbeitet, diskutiert und schließlich umgesetzt.
Empfangsgebäude des Saurierparks in der Abenddämmerung
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?
Die Projektidee und die Gestalt sind voll inhaltlich umgesetzt worden. Der Weg der Umsetzung mit der Planfortschreibung und Konstruktionswahl war dabei sehr aufwändig und musste mehrfach korrigiert und grundsätzlich neu bedacht werden. Große Beharrlichkeit und Ausdauer des interdisziplinären Planungsteams waren wichtige Voraussetzungen zum Erfolg.
Beeinflussten aktuelle konstruktive Tendenzen das Projekt?
Nein. Bei der Ideenfindung waren vorallem die Möglichkeiten des digitalen Entwurfs und der Entwicklung der leichten Flächentragwerke entscheidend.
Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Das Gebäude soll als Eingangsbauwerk mit den Funktionen Ankommen – Orientieren – Versorgen – Einchecken und auf dem Rückweg Auschecken – Shoppen – Verköstigen – Verlassen in der Materialwahl spartanisch und robust sein. Dafür haben wir wenige Materialien und Konstruktionen eingesetzt: Angeschliffener Sichtbeton als Fußboden, Stahl (als verzinkte Tragkonstruktion aus Rundrohren und filigranen Kreuzungspunkten) sowie transparente und bedruckte ETFE- Folienkissen prägen das Gebäude.
Innenraum des Empfangsgebäudes
Lageplan
Grundriss Erdgeschoss
Schnitt
Empfangsgebäude „Mitoseum“ im Saurierpark, Kleinwelka
2017

Saurierpark 1
02625 Bautzen

Auftragsart
Wettbewerb 2012, ​1. Preis

Bauherrschaft
Beteiligungs- und Betriebsgesellschaft Bautzen mbH, Bautzen

Architektur
rimpf ARCHITEKTUR, Hamburg
Mitarbeiter: Bernd Bollrath, Patrik Gajdzik, Manuela Rademacher

Fachplaner
Tragwerksplanung (Massivbau): Ingenieurbüro für Struktur + Festigkeit, Kiel
Tragwerksplanung (Kuppel): zapf & co. - structural engineering GmbH, Strausberg
Detailstatik, Werk-und Montageplanung, Sonderentwicklung Steckknoten:
str.ucture GmbH, Stuttgart
Detailstatik, Werk-und Montageplanung, Sonderentwicklung Steckknoten:
Design-to-Production, Stuttgart

Bauleitung
Ingenieurbüro für Bauwesen Walter Morlock, Bautzen

Ausführende Firmen
Erdarbeiten, Außenanlagen: Klixer GmbH, Großdubrau
Stahlbeton-, Maurerarbeiten: Mirko Stein Baugeschäft, Beton-, Oderwitz
Stahlbau: Hahner Stahlbau GmbH, Hannover
Dachtragwerk und Membrane: Velabran GmbH, München

Produkte / Hersteller
ETFE-Membrane: NOWOFOL
Beleuchtung: iGuzzini

Energiestandard
nach EnEV 2017

Bruttogeschossfläche
1.033 m²

Gebäudevolumen
11.403 m³

Gebäudekosten
1.900.000 €

Gesamtkosten
2.100.000 €

Auszeichnung
Deutscher Verzinkerpreis 2017 – 3. Platz
German Design Award 2018 – Winner Excellent Communications Design – Architecture
AIT Award 2018 - Special Mention I Kategorie „Sport/ Freizeit“
Heinze Award 2017 – 1. Platz Publikumspreis

Fotos
Michael Moser

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