Theater auf dem Viehhof

LRO Lederer Ragnarsdóttir Oei
24. November 2021
Das Gebäude befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Schlacht- und Viehhofs der Stadt München. Ein Gebäudeflügel des denkmalgeschützten Bestands wurde in das Projekt integriert. (Foto: Roland Halbe)

Im Münchner Schlachthofviertel steht das jüngste Projekt der Stuttgarter Architekten LRO Lederer Ragnarsdóttir Oei. Die offizielle Eröffnung des modernen Theaterhauses fand Mitte Oktober statt. Arno Lederer beantwortet unsere Fragen zum Projekt.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Das Besondere an dieser Bauaufgabe lag in der hervorragenden Zusammenarbeit von Stadt, Theater, der Georg Reisch GmbH & Co. KG, Bad Saulgau mit Planern und den Architekten. Nicht das System macht den Erfolg, sondern die Menschen, die mit hoher Motivation und Freude an einem gemeinsamen Strang ziehen. 

Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?

Zu zeigen, dass trotz über 1000 Seiten Programm sowie einem engen Termin- und Kostengerüst ein schönes Haus zu bauen möglich ist. (was nur aus Mangel an Nörglern und Bedenkenträgern gelingen kann).

Die Plastizität des Baukörpers und seine Höhenstaffelung ergibt sich aus den funktionellen Bedingungen. Die gebäudetechnischen Anlagen, die rückspringend die nächst höhere Schicht bilden, sind entlang der thermischen Hülle mit einer gefalteten Gitterkonstruktion aus feinen Metallstäben umhüllt. Der Bühnenturm erhielt eine semi-transparente Membranfassade. (Foto: Roland Halbe)
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?

Einmal in der Übernahme der Proportionen der Nachbarbebauung, der Materialisierung in Mauerwerk bis zur Traufhöhe der Umgebung, darüber in der Höhe der umliegenden Dächer die gefaltete Metallverkleidung der Technik und schließlich dem Bühnenturm mit Textilfassade, der weiträumig in der Stadt sichtbar ist. Dennoch sollte der Bau als ebenso unverstellt den Inhalt des Gebäudes ausstrahlen. 

Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?

Die erwähnte Ausschreibung wurde vom Nutzer bis ins kleinste Detail erarbeitet. Die Gestaltung lag in den Händen der Architekten. Es gab eine Jury für die Architektur (Gestaltung, Städtebau und Funktion) und eine Beurteilungskommission für Kosten/Termine/Verträge und so weiter.

Aus der Form des Grundstücks ergibt sich der längliche Zuschnitt des Foyers, das mit seiner markanten Farbgebung ins Auge sticht. (Foto: Roland Halbe)
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?

Die Fassaden wurden konstant überabeitet, ebenso die Gestaltung des Foyers mit den Fensteröffnungen sowie dessen farbliche Fassung. Für den Bühnenturm wurden vier unterschiedliche Fassungen erarbeitet. 

Zwischen dem Altbau, einem schmalen Gebäuderiegel an der Nordseite des Grundstücks, und dem neuen Foyer ist ein Hof positioniert, der sich mit einem großen Bogen zur Straße hin öffnet. Der Torbogen verbindet Alt- und Neubau. (Foto: Roland Halbe)
Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?

Ziegel (Loft Toulouse – über Backstein Kontor), Stahlbetonfertigteile (Georg Reisch GmbH, Bad Saulgau), Textilbespannung Bühnenturm (Firma Koch Membranen GmbH), Farben (Les Couleurs von Keim), Blumentöpfe als Beleuchtungskörper 

Lageplan (Zeichnung: LRO)
Grundriss Erdgeschoss (Zeichnung: LRO)
Schnitt (Zeichnung: LRO)
Münchner Volkstheater
2021
Tumblingerstraße 27
80337 München

Auftragsart
Verfahren für Generalübernehmerleistung (Georg Reisch GmbH & Co. KG, Bad Saulgau)
 
Bauherrschaft
Landeshauptstadt München, Kommunalreferat vertreten durch das Baureferat
 
Architektur
LRO Lederer Ragnarsdóttir Oei, Stuttgart
Projektleiter: Alexander Hochstraßer
Mitarbeit: Katja Pütter, Alexander Hochstraßer, Lina Müller, Philipp Kraus, Levin Koch, Johannes Brambring, Jean-Philippe Maul
 
Fachplaner
Tragwerksplanung: SSF Ingenieure AG, München
HLS-Planung: Kaufer + Passer, Starnberg / Tuttlingen
ELT-Planung: Ingenieurbüro Werner Schwarz, Stuttgart / Ravensburg
Bühnentechnik: itv Ingenieurgesellschaft für Theater- und Veranstaltungstechnik, Berlin
Brandschutzplanung: Manfred Oeilmaier, Biberach
Außenanlagen: Kovacic Ingenieure, Sigmaringen

Hersteller
Ziegel: Loft Toulouse: über Backstein Kontor
Stahlbetonfertigteile: Georg Reisch GmbH, Bad Saulgau
Textilbespannung Bühnenturm: Firma Koch Membranen GmbH
Farben: Les Couleurs von Keim
 
Bruttogeschossfläche
30.130 m²

Gesamtkosten
k. A.

Fotos
Roland Halbe, Stuttgart

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