Merck Innovation Center

Struktur geben

HENN
27. Juni 2018
Bild: HG Esch
HENN hat das Merck Innovation Center in Darmstadt fertiggestellt. Georg Pichler beantwortet unsere Fragen zum Projekt.
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Zum einen verkörpert das neue Innovation Center einen Richtungswechsel in der Unternehmensphilosophie von Merck. Das Unternehmen möchte sich gegenüber der Stadt sowie der Öffentlichkeit öffnen und sein Erscheinungsbild ändern. Das Innovation Center ist somit auch das neue Gesicht von Merck. Zum anderen konnten wir hier eine neue Form der Arbeitswelt schaffen. Konstruktiv gesehen ist die Fassade eine Besonderheit, die man dem Gebäude nicht ansieht: die Gebäudehülle ist für einen Störfall, wie zum Beispiel eine Explosion, gerüstet.
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Das Gebäude wurde von innen nach außen entwickelt, mit Arbeitsplattformen für Projektgruppen mit etwa 25 Leuten. Dem Gebäude liegt ein von uns entwickelter Masterplan zugrunde, mit dem wir auf dem Werksgelände, das über die Jahrzehnte gewachsen ist, Ordnung schaffen wollen. Wir haben Baulinien und klare Blockstrukturen definiert. Daher war auch die städtebauliche Anschlussfähigkeit des neuen Hauses an die benachbarten Gebäude ein wichtiger Faktor. Konkret ist der Entwurf das Ergebnis eines sehr intensiven programming, unsere strategische Analysemethode, die vor dem Entwurf stattfindet.
Bild: HG Esch
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?
Der Entwurf entwickelt sich mit seiner Orthogonalität und den Gebäudekanten aus dem städtebaulichen Kontext heraus. Auch die Gebäudehöhe nimmt Bezug auf die bestehenden Bauten. Die Glasfassade setzt allerdings einen deutlichen Kontrast zu den Putz- und Steinfassaden der Altbauten. Somit erhält der Pützerturm eine neue Wahrnehmung. Außerdem haben wir das Innovation Center von der Straße zurückgesetzt und so einen Platz geschaffen.
Bild: HG Esch
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?
Der Bauherr war von Anfang an maßgeblich dabei. Seine Beteiligung, seine Anforderungen und Wünsche fließen in einem ausführlichen Programming-Prozess ein. Im Jahr 2015 haben wir auf der gegenüberliegenden Seite das sogenannte Modulare Gebäude, das innerhalb weniger Monate entstand, fertiggestellt. Darin wurde die Zusammenarbeit mit externen Unternehmen und Merck-Mitarbeitern schon geprobt. Diese Erfahrungen konnten in das neue Innovation Center einfließen.
Bild: HG Esch
Bild: HG Esch
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?
Das Gebäude ist mit LEED-Platin zertifiziert. Darüber hinaus ist die Verwendung von Smart Materials von Merck vorgesehen. Das heißt, die Fassade kann beispielsweise mit dem Produkt von Merck Liquid Crystal Windows nachgerüstet werden.
Bild: HG Esch
Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Generell haben alle beteiligten Firmen ihre Arbeiten in sehr guter Qualität ausgeführt. Vor allem dem Sichtbeton im Innenraum galt eine besondere Aufmerksamkeit, da das prägende Gestaltungselement ist. Auch die Loop-Decke von Durlum ist auf dem Großteil der Deckenuntersichten sichtbar, ebenso die Böden von Barit geben dem Gebäude seine Wirkung. Es sind eher die Flächen und Volumen, die das Erscheinungsbild bestimmen und nicht Raster oder Fugen.
Bild: HG Esch
Bild: HG Esch
Bild: HG Esch
Bild: HG Esch
Bild: HG Esch
Bild: HG Esch
Lageplan
Grundriss Erdgeschoss
Längsschnitt
Merck Innovation Center
2018

Emanuel-Merck-Platz 1
64271 Darmstadt

Nutzung
Office, Restaurant

Auftragsart
​Direktbeauftragung

Bauherrschaft
Merck KGaA, Darmstadt

Architektur
HENN

Fachplaner
Tragwerk: Bollinger + Grohmann Ingenieure, Berlin
Heizung, Lüftung, Sanitär, Kälte,
Mess-, Steuer- und Regeltechnik, ZWP Ingenieur - AG, Wiesbaden
Fassade: Emmer Pfenninger Partner AG, Münchenstein, Schweiz
Küche: IGW Ingenieurgruppe Walter, Stuttgart
Freianlagen: Topotek 1, Berlin
Medientechnik: macom GmbH, Offenbach a. M.
Brandschutz: Hamann Ingenieure GmbH, Berlin
Bauphysik und Raumakustik: 

Energiestandard
LEED Platin

Bruttogeschossfläche
Innovation Center 12.500 m²
Mitarbeiterrestaurant 9.500 m²

Gesamtkosten
k.A.

Auszeichnung
LEED Platin

Fotos
​HG Esch, Hennef

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