Schimmernder Auftakt zum Mannheimer Medizintechnik-Campus

a|sh architekten mit tobias buschbeck architektur und MTTR - Architekten + Stadtplaner
5. Oktober 2022
Spannungsreiches Spiel von großen und kleinen Öffnungen an der Hauptfassade des Gebäudes (Foto: Zooey Braun)
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Die Herausforderung der städtebaulichen Aufgabe lag in der Herstellung einer Verbindung zwischen dem Universitätsklinikum Mannheim und dem höhergelegenen Baugrundstück. Die Lösung ist eine geschwungene Freitreppe aus Sichtbeton, die das Gebäude in einer eleganten Kurve mit dem Universitätsklinikum verbindet und gleichzeitig als Aufenthaltsort dient. Das Gebäude selbst formt durch seine besondere Eingangsfassade den repräsentativen Auftakt zum neuen Mannheimer Medizintechnik (MMT) Campus. Dieser verfügt mit seinen unterschiedlichen Plätzen und Gassen über eine hohe Aufenthaltsqualität und schafft so ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl.

Im Gegenlicht kommt die schimmernde Oberfläche der Keramikschindeln besonders gut zur Geltung. (Foto: Zooey Braun)
Durch die unterschiedlichen Größen und passepartoutartigen Rahmen wird Leichtigkeit in der Fassade erzeugt. (Foto: Zooey Braun)
 
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?

Die hellglasierten, schimmernden Keramikschindeln der Fassade nehmen die Maßstäblichkeit der Ziegelstruktur der ortsprägenden, historischen Gebäude auf. Gleichzeitig entsteht durch die Art der Keramik eine innovative, zeitgenössische Weiterentwicklung des Ortes. Durch die Oberfläche des Materials wird die Umgebung andeutungsweise und spannungsreich in der Fassade reflektiert. Das besondere Fassadenmaterial und der spielerische Umgang mit der Fensterpositionierung unterstreicht die inhaltliche Dynamik des Gebäudes als Business Development Center sowie die Individualität seiner Nutzer.

Offene Raumstrukturen erlauben Flexibilität für vielfältige, zukünftige Nutzungen. (Foto: Zooey Braun)
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?

Bei der Strukturierung des Gebäudes war vor allem ein größtmögliches Maß an Flexibilität gefordert. Damit kann das Gebäude auf zukünftig wechselnde Nutzer mit unterschiedlichen Anforderungen reagieren, wie es bei der Nutzung als Start-Up Center zu erwarten ist. Hierzu wurde in enger Abstimmung mit der Bauherrschaft eine regelmäßige Raumstruktur entwickelt, deren Büro- und Labor-Zellen sich zu kleineren oder größeren Clustern zusammenschließen können, je nach Wachstum der einzelnen Start-Ups. Die veränderlichen Raumanforderungen bedingen also eine stete Veränderlichkeit des Gebäudes. Wichtig sind auch anregende Kommunikationsorte für die nutzenden Personen als wesentlicher Erfolgsfaktor für das Start-Up-Zentrum. Diese erstrecken sich nun von der Freitreppe und den Plätzen des MMT-Campus über das Foyer mit den Gemeinschaftsbereichen und von dort nahtlos in die Kommunikationszonen der Obergeschosse – als informelle, freundliche Orte des zufälligen und geplanten Zusammentreffens, an denen Ideen entstehen und weiterentwickelt werden können.

Eine geschwungene Freitreppe führt räumlich und optisch zum Gebäude und dient dabei als Blickfang und Treffpunkt mit Sitzmöglichkeit. (Foto: Zooey Braun)
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?

Das Ziel war, durch eine vorgehängte Fassade den Anforderungen an eine nachhaltige Bauweise gerecht zu werden: Die hinterlüftete Konstruktion ist bauphysikalisch vorteilhaft, gut demontierbar und in Einzelteile zerlegbar. Einzelne Materialien können somit wiederverwendet werden, zudem ist Keramik als Fassadenmaterial pflegeleicht und sehr dauerhaft. 

Im Inneren des Gebäudes dienen Laborräume für Nutzungen der Medizintechnik. (Foto: Zooey Braun)
Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?

Die Form und Oberflächenstruktur der Keramikschindeln für die Fassade wurden eigens für das Projekt entwickelt. Sie verleihen dem fünfgeschossigen Gebäude durch das kleinteilige Steinformat mit der hellen Glasur seinen einzigartigen Charakter, der im Spannungsfeld zwischen präziser Technik und handwerklichem Können liegt. Die leicht reflektierende Oberflächentextur ermöglicht ein schimmerndes Spiel mit Licht und Schatten, das sich je nach Lichtstimmung verändert und dem kräftigen Gebäudevolumen eine Leichtigkeit verleiht. Dadurch wird die Fassade von fern und nah ein einprägsames, identitätsstiftendes Markenzeichen für das CUBEX ONE.

Lageplan (Zeichnung: Architekten)
Grundriss Eingangsebene (Zeichnung: Architekten)
CUBEX ONE 
Business Development Center 
2021
Franz-Volhard-Straße 5
68167 Mannheim
 
Nutzung
Büro- und Laborgebäude für Start-Ups im medizinischen Bereich
 
Auftragsart 
Auftrag nach Wettbewerb 2015, 1. Platz
 
Bauherrschaft
mg: mannheimer gründungszentren gmbh, Mannheim
 
Architektur
a|sh sander.hofrichter architekten GmbH, Ludwigshafen
mit
tobias buschbeck architektur
und
MTTR Schmidt Fach Architekten und Stadtplaner PartGmbB, Berlin
 
Fachplaner
TGA: Potthoff Ingenieure, Erkrath
Tragwerk: Professor Pfeifer + Partner, Darmstadt
Freianlagen: Hofmann & Röttgen, Limburgerhof
 
Ausführende Firmen
Rohbau: Moser GmbH & Co. KG, Baden-Baden
Fassade: Dach- und Wandsysteme Montage GmbH, Lichtenau
Fenster: Hupfeld &Schlöffel Metallbau GmbH, Berkatal
Dach: S.C.H.I.N.D.L.E.R. Haus und Dachpflege, Sondershausen
Trockenbau: Lindner AG, Arnstorf
Landschaftsbau: Schmitt &Scalzo GmbH, Stockstadt Rhein
 
Hersteller
Keramikfassade | Moeding Keramikfassaden GmbH
Metallspiegeldecke: Lindner AG
Lichtlinienleuchte Alphabet of Light System: Artemide

Energiestandard 
EnEV 2013 und Energieleitlinien Stadt Mannheim (Primärenergiebedarf 192kWh/(m²*a))
 
Bruttogeschossfläche
8.770 m²
 
Gesamtkosten
22.000.000 €
 
Fotos
Zooey Braun, zooey braun FOTOGRAFIE, Stuttgart

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