Kinderhaus St. Elisabeth

Pottwal im Hof

schleicher ragaller architekten bda
1. August 2018
Kinderhaus St. Elisabeth
Als vermittelnden Scharnier fügen Schleicher Ragaller Architekten ein Kinderhaus in ein Häuserensemble in Stuttgart ein. Domenik Schleicher und Michael Ragaller erläutern das Projekt.
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Die besondere Herausforderung bestand darin, einen Neubaukörper scharnierartig so in das bestehende Ensemble einzufügen, dass innerhalb der äußerst dichten Blockrandbebauung drei Bestandsgebäude mit dem Neubaukörper zu einer funktionalen Einheit wurden. Wir wollten mit einer angemessenen Architektursprache und zurückhaltenden Materialwahl auf die Bestandssituation reagieren ohne auf eine eigene Identität zu verzichten.
Foyer
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Das hat die Wettbewerbsjury treffend formuliert: „Die Entwurfsverfasser verfolgen mit ihrer Konzeption für das Kinderhaus die Idee der kleinen Stadt: Der Kindergarten sei mit seinen offenen Gemeinschaftsplätzen, mit seinen Wegen und Galerien und den beschützenden Gruppenräumen und Bildungsbereichen ein Abbild der Stadt im Kleinen.“
Im Erdgeschoss ist der Baukörper zurückgesetzt und großflächig verglast um einen maximalen Bezug zum teilweise überdachten Außenspielbereich zu generieren. Im Obergeschoss stellt er sich nach außen dunkel und geschlossen dar, um den hellen und überhöhten Innenraum des Foyers zu betonen. Assoziationen zu einem U-Boots, Pottwal oder Piano – hier stand früher eine Pianofabrik – wurden bei den Nutzern geweckt, was uns freut. Natürlich dachten wir ein wenig auch an Jaques Tati´s Villa Arpel aus seinem wunderbaren Film „Mon Oncle“.
Galerie
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?
Der gelenkartig angelegte Neubaukörper ergibt sich aus der städtebaulichen Idee, die sehr zerfranste Umgebungsbebauung zu fassen und einen eindeutig konturierten Innenhof zu definieren. Dieser wird erst erkennbar sein nach dem Neubau des benachbarten Gemeindehauses. Material und Farbigkeit  sollten gegenüber dem heterogenen Bestand möglichst unauffällig zurücktreten. Im Inneren dann das Gegenteil – hier sollte durch den sonnengelben Boden, die weiß lasierten Einbaumöbel und wenige Farbakzente ein heller frischer Innenraum entstehen.
Garderoben
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?
Wir waren selbst überrascht, dass der Wettbewerbsentwurf am Ende beinahe unverändert ausgeführt werden konnte. Die unzähligen dem Bestand geschuldeten brandschutzrechtlichen Nachforderungen und energetischen Standards ließen uns im ersten Planungsjahr die Architektur beinahe völlig vergessen. Hier wurde besonders deutlich, wie schwer Energieeinsparverordnungen, Brandschutz oder Baurecht auf Bestandsbauten anzuwenden sind. Wenn wir weiterhin Bauherren ermutigen wollen, Bestand zu bewahren, benötigen wir dringend auch in diesen Bereichen mehr Kreativität und Mut.
Sitzbank Außenspielbereich
Lageplan
Grundriss Erdgeschoss
Schnitt
Skizze
Kinderhaus St. Elisabeth
2017

Schwabstraße 70C
70193 Stuttgart

Nutzung
Kindergarten

Auftragsart
Auftrag nach 1. Preis im Realisierungswettbewerb

Bauherrschaft
Kath. Kirchengemeinde St. Elisabeth

Architektur
schleicher ragaller architekten bda, Stuttgart
Domenik Schleicher, Michael Ragaller, Claudia Kaufmann

Fachplaner
Tragwerksplanung: Klotz Ingenieurbüro
HLS-Planung: Pfeil & Koch Ingenieurgesellschaft
ELT-Planung: Gackstatter Beratende Ingenieure

Ausführende Firmen
Abbrucharbeiten, Besic Abbruch, Stuttgart
Rohbauarbeiten, Schneller Bau, Stuttgart
Zimmerarbeiten, Carpent Holzbau, Gärtringen
Außen-/Innenputzarbeiten, Kauderer GmbH, Stuttgart
Trockenbauarbeiten, Hans Scholl GmbH, Gemmrigheim
Schlosserarbeiten, Kurt Schäfer GmbH, Affalterbach
Malerarbeiten, ViBo Malerbetrieb, Stuttgart
Bodenbelagsarbeiten, Ramsaier GmbH, Stuttgart
Schreinerarbeiten, Zeeb Innenausbau, Stuttgart

Hersteller
Holzfassade: Carpent Holzbau GmbH
Pfosten-Riegelfassade: Fensterbau Schmid GmbH
Trockenbaukonstruktionen: Knauf
Innentüren: Neuform
Beschläge: FSB
Bodenbeläge: Object Flor

Bruttogeschossfläche
3.100 m²

Gesamtkosten
5.600.000 € brutto

Auszeichnung
Hugo Häring Auszeichnung 2017

Fotos
Zooey Braun

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