Neues Rathausumfeld im Kiez

Annabau
18. September 2019
Foto: Hanns Joosten

Annabau Architektur und Landschaft haben das Rathausumfeld Wedding neu gestaltet. Sofia Petersson beantwortet unsere Fragen zum Projekt.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Ziel war es, einen urbanen Platz als zentralen Identifikationsort, städtischen Treffpunkt, Veranstaltungsort und großzügiges Entree für Bibliothek und Job-Center sowie vielseitig nutzbare Grünflächen zu schaffen. Dazu gehörte die Qualifizierung seiner Aufenthaltsbereiche für alle Generationen sowie die Anbindung an den Neubau der Schiller-Bibliothek. Es galt, attraktive Fuß- und Radwege zu entwickeln und die Anbindung an den Campus Beuth-Hochschule und Leopoldplatz zu optimieren. 

Foto: Christian Keller
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?

Die historische Gestaltung der Freiräume und die collagenhafte Komposition der Gebäude war der Ausgangspunkt für die Gestaltung. Das Rathausumfeld bekam eine zusammenhängende Belagsfläche. So ist ein klar abgegrenzter Stadtraum entstanden, der die Gebäude am Platz verbindet. Vier Plätze mit unterschiedlicher Nutzung sind wie Intarsien in die Fläche eingefügt. Jeder Bereich besitzt durch seine Nutzung und Gestaltung einen eigenen Charakter. Die verschiedenen Qualitäten des Freiraumes von steinernen Stadtplatz bis zur grünen Rasenfläche wurden herausgearbeitet und neu gestaltet.

Foto: Hanns Joosten
Foto: Hanns Joosten
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?

Projektbegleitend wurden die Bürger und Anwohner umfassend über den Planungsprozess Informiert und bekamen im Rahmen einer öffentlichen Vorstellung die Möglichkeit, Anregungen einzubringen. Ein Jugend-Workshop an der Ernst-Schering Schule im Kiez wurde organisiert, um die Wünsche und Interessen der heranwachsenden Generation aufzunehmen. In diesem Workshop konnten die Schüler Einfluss auf die konkrete Gestaltung des Lesegartens im Umfeld der Jugendbibliothek nehmen.

Foto: Hanns Joosten
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?

Die Gestaltung des Rathausumfeldes war das Ergebnis eines Planungswettbewerbes. Der in der Wettbewerbsphase vorgeschlagene Entwurf konnte fast unverändert umgesetzt werden. Durch eine solide Vorarbeit des Auslobers und eine gute Kommunikation in der Planungsphase konnten auch die ungewöhnlicheren Teile des Entwurfes – wie die großen Leselampen mit farbigem Licht – von allen Beteiligten mitgetragen und umgesetzt werden. 

Foto: Hanns Joosten
Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?

Der Umgang mit vorhandenen Materialien und die Entwicklung der neuen Flächen und des Mobiliars war ein wichtiger Bestandsteil des Entwurfes. 

Das großformatige Raster des bestehenden Vorplatzes wurde als prägendes Gestaltungsmerkmal aufgegriffen und fortgeführt. Hier wurde das für die Berliner Bürgersteige typische Mosaiksteinpflaster aus Grauwacke großflächig verwendet und erweckt eine fast textile Anmutung.

Aber vor allem hatten wir die Gelegenheit, uns mit den Möglichkeiten des Materials Beton auseinanderzusetzen. Das findet sich wieder in Pflasterflächen und Bodenbändern, im Sitzmobiliar und nicht zuletzt in den von uns entwickelten, farbig leuchtenden „Leselampen“ an der Stadtteilbibliothek.

Foto: Hanns Joosten
Foto: Hanns Joosten
Lageplan. Zeichnung: Annabau
Rathausumfeld Wedding
2018
Müllerstraße 147
13353 Berlin
 
Nutzung
öffentlicher Platz
 
Auftragsart
Landschaftsplanerischer Realisierungswettbewerb, 1. Preis, anschließende Beauftragung der Freianlagenplanung LPH 2-8

Bauherrschaft
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Berlin
 
Landschaftsarchitektur
Annabau Architektur und Landschaft GmbH, Berlin
Sofia Petersson, Moritz Schloten
 
Fachplaner
Tragwerksplanung: Niehues Winkler Ingenieure GmbH, Berlin
TGA: GNEISE Planungs- und Beratungsgesellschaft mbH, Berlin
Lichtplanung: Studio Dinnebier, Berlin

Kunst am Bau 
Mariana Castillo Deball, Berlin, Amsterdam
Werk:„Forbidden symmetries“
Bodenmosaik, entwickelt aus dem aperiodischen Kachelmuster
 
Ausführende Firmen
Landschaftsbau: Otto Kittel GmbH & Co
Tiefbau: Tell Bau GmbH. Elektro: Flöter Uszkureit GmbH

Hersteller
Rinn Beton- und Naturstein GmbH & Co. KG
Beton und Naturstein Babelsberg GmbH
Mawa Design
 
Bruttogeschossfläche
1,5 ha

Gesamtkosten
 2.300.00 € Netto
 
Auszeichnung
Deutscher Landschaftsarchitektur-Preis 2019: Auszeichnung "Landschaftsarchitektur im Detail"

Fotos
Hanns Joosten
Christian Keller

Verwandte Artikel

Vorgestelltes Projekt

Modourbano Architectural Design

Procaccini 17 - complesso residenziale

Andere Artikel in dieser Kategorie

Stadt in der Stadt
vor einer Woche
Vexierspiel
vor 2 Wochen
Im schimmernden Gewand
vor 3 Wochen
Zusammengefügt in Klinker
vor einem Monat