Futurium Berlin

Museum für die Zukunft

15. November 2017
Fernblick – zwischen Charité und Kanzleramt
Richter Musikowski Architekten haben mit dem Futurium ein skulpturales Ausstellungsgebäude inmitten der Hauptstadt geschaffen. Christoph Richter und Jan Musikowski über das Bauen für die Zukunft – im Hier und Jetzt.
Projekt: Futurium Berlin| Architektur: Richter Musikowski, Berlin | Bauherrschaft: Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) | vollständige Bautafel s.u.
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Das Futurium ist ein Ausstellungs- und Veranstaltungsgebäude im Herzen von Berlin. In diesem „Zukunftsgefäß“ werden Fragen rund um die Welt von Morgen thematisiert. Spannend war für uns, wie diese „Zukunftsräume“ nun tatsächlich aussehen sollen. Denn sobald sie gebaut sind, sind sie real und nicht mehr Zukunft. Das Besondere lag für uns also in der Ausbildung von dauerhaften architektonischen Qualitäten in langlebigen und robusten Innenräumen.
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Von Anfang an begleitete uns das Bild der „Wolke“, die mit ihren Zukunftsideen gefüllt an diesem Ort landet. Dieses Etwas, das scheinbar aus einer fernen Welt kommt aber gleichzeitig auf den Ort zu reagieren vermag, hat uns interessiert. Der bildliche Kontrast zwischen einem robusten „Zukunftsgefäß“ und seinem „glitzernden, leichten Kleid“ barg für uns eine Quelle an gestalterischen Motiven. 
Fassadenansicht
Blick auf die Westfassade und den Südeingang
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?
Das Futurium ist eingebettet zwischen zwei großen Stadträumen: dem Spreebogen mit dem Regierungsviertel im Süden und der Hochbahntrasse mit Charité und Humboldthafen im Norden. Innerhalb dieses Ensembles entwickelt das Futurium eine eigenständige skulpturale Form. An den Hauptzuwegungen Alexanderufer und Kapelle-Ufer schaffen wir durch Zurücksetzen der Bauflucht zwei öffentliche Plätze. Die schmetterlingsförmige Auffaltung des Baukörpers zu städtebaulichen Hochpunkten verleiht dem Futurium die visuelle Prägnanz zwischen Spree und Hochbahn.
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?
Mit dem Wettbewerbsgewinn begann ein fruchtbarer Dialog mit Bauherren und Nutzer. Das Hinterfragen und Präzisieren von Anforderungen hat sowohl uns geholfen, individuelle Gestaltungsthemen zu entwickeln als auch dem Bauherrn, sich in dem Objekt wiederzufinden. Der vertrauensvolle Dialog war insofern elementar für den Entwurfsprozess.
Auf dem Südvorplatz
Foyer mit Haupttreppe im EG
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?
Grundgeometrie, Fassaden und wesentliche Innenraumsequenzen wurden weiter entwickelt und in ihren Leitmotiven gestärkt. Bewährt hatte sich von Beginn an ein robustes statisches Konzept, was quasi jede zwischenzeitliche Raumverschiebung überstanden hat.
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?
Für uns war die Energiegewinnung und –speicherung ein wichtiges Zukunftsthema, das auch erlebbar sein sollte. Das öffentliche Dach arbeitet als „Solarsegel“ und ist mit Energiekollektoren für Photovoltaik (Strom) und Solarthermie (Wärme) belegt. Mit der Sonnenergie werden große Teile des Eigenenergiebedarfs des Hauses abgedeckt. Für die Zwischenspeicherung wurde ein Latentspeicher aus Paraffin entwickelt, der zentral im Gebäude angeordnet ist. Das Regenwasser wird für die adiabatische Kühlung und Bewässerung der Freianlagen genutzt. Das Futurium ist als Niedrigstenergiegebäude konzipiert und erreicht in der Nachhaltigkeitsbewertung den Status BNB-Gold.
Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Für die drei großen Sphären im EG, UG und OG haben wir jeweils spezielle Raumsequenzen entworfen. In den Ausstellungsbereichen sind die Böden aus geschliffenen Gußasphalt und die Wände aus anthrazit eingefärbten Sichtbeton. Für die Deckenbereiche wurden spezielle Metallrasterdecken und Leuchtenschirme entwickelt. Im Erdgeschoss dominieren helle Oberflächen – weiße Wände, Böden aus Weisszement-Terrazzo sowie eine sensorgesteuerte und interaktive Lichtdecke.
Futurium Lab im UG
Ausstellungsbereich im Norden
Schwarzplan – Berliner Spreebogen – Band des Bundes, Hauptbahnhof und Humboldthafen
Isometrie Baukörper – Schmetterligsförmige Auffaltung zwischen Spree und Hochbahn
Grundriss Erdgeschoss mit Freianlagen
Grundriss Obergeschoss
Grundriss Untergeschoss
Schnittperspektive mit den 3 Sphären: Futurium Lab im UG – Helles Foyer im EG – Ausstellung im OG
„ Auf dem Skywalk – zwischen solaren Meer und Berliner Stadthorizont“
Projekt
Futurium Berlin
Alexanderufer 2
10117 Berlin

Nutzung
Ausstellungs- und Veranstaltungsgebäude

Auftragsart
Offener internationaler 2.phasiger Realisierungswettbewerb, 1. Preis

Bauherrschaft
Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA)

Architektur
Richter Musikowski, Berlin, Christoph Richter, Jan Musikowski
Projektteam: Sebastian Haufe, Elke Sparmann, Martina Huber, Nele Gessner, Daniel Eckert, Domenico Foti, Yvo Coseriu, Christine Dorn, Elisabetta Vito, Johann Schulz-Greve, Phillip Rohé

Fachplaner
Freianlagen: JUCA architektur + landschaftsarchitektur Berlin
Tragwerk: Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft mbH Berlin
Prüfstatik: IB BauArt Berlin
Haustechnik HLS: GM Planen + Beraten GmbH, Griesheim
IBS-Net Ingenieure, Köln
Ingenieurgesellschaft Grabe, Hannover
Bauphysik/Nachhaltigkeit WSGreen Technologies GmbH, Stuttgart
Müller BBM GmbH, Berlin
Haustechnik Elektro: Prinzing Elektrotechnik GmbH, Frankfurt a. M.
Brandschutz: hhpberlin Ingenieure für Brandschutz GmbH, Berlin
Fassadenberatung: ARUP Deutschland GmbH, Berlin
Lichtplanung: Realities United, Berlin
Raumbildende Ausbauten: Raumkonzepte + Interior Design | Zauleck, Berlin
Fachberatung Barrierefreiheit: Ellen Müller, Sachverständige Design for All, Berlin

Bauleitung
BAM Deutschland AG, Berlin

Kunst am Bau
Realities United, Berlin
Drehmoment auf dem Vorplatz Süd

Ausführende Firmen
Holzverkleidungen Adrian Eichhorn Holzwerkstätten GmbH & Co.KG, Wächtersbach
Diag. Hinterlüftete Fassade Al-Promt, Bukarest (RO)
Latentspeichertechnik Axiotherm GmbH, Eisenberg, Thüringen
Verdunklungsanlagen Brichta GmbH, Höchstädt
Terrazzoböden GTF Freese Fußbodentechnik, Berlin
Diag. SG-Fassade+Türen Ferrolight Glasbau GmbH, Waldheim
Senkrechte SG-Fassaden Metallbau Windeck GmbH, Kloster Lehnin
Wendeltreppe MetallArt Metallbau Schmid GmbH, Salach
PV-Anlage MR SunStrom GmbH, Dresden
Metalldecken EG+OG Rogge Spezialbau GmbH, Berlin
Mobiltrennwände Parthos Deutschland GmbH, Gernrode
Solarthermieanlage S-Power Entwicklungs- Vertriebs GmbH, Meppen
Stahlbau Stahlbau Süssen GmbH, Süßen
Aufzüge Tepper Aufzüge GmbH, Berlin
Sanitärinstallation Zilisch Sanitär- und Heizungstechnik GmbH & Co. KG, Dessau

Produkte/Hersteller
Senkrechte Structural glazing Fassade (PR): Schüco Jansen
Wandverkleidungen Saal: Adrian Eichhorn Holzwerkstätten GmbH & Co.KG
Metalldecken UG-EG-OG: Durlum
Stahlbau: Stahlbau Süssen GmbH
Terrazzoböden: GTF Freese Fußbodentechnik
Vorhänge/Verdunklung: Brichta GmbH
Fliesen WC´s: Mosa
Schalter/Taster: JUNG

Energiestandard
0,18 kWh/qma gemäß Primärenergienachweis

Bruttogeschossfläche
14.007 m²

Gebäudevolumen
89.311 m³

Kubikmeterpreis (X €/m³)

Gebäudekosten (X.X €)

Gesamtkosten* (X.X €)
58.000.000 ,- EUR Gesamtbaukosten

Fertigstellung
2017

Fotos
Schnepp Renou

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