Sankt-Kilian-Schule in Marktheidenfeld

Leicht und schwer

Staab Architekten
24. Oktober 2018
Im Naturstein-Sockel befinden sich die Klassen- und Therapieräume, im Pavillonaufbau sind die Gemeinschaftsbereiche. (Bild: Marcus Ebener)
Ein steinerner Bau, ein hölzerner Bau: Staab Architekten bauen ein Schulgebäude am Hang und spielen dabei mit Massivität und Leichtigkeit. Alfred Nieuwenhuizen erläutert das Projekt.
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Inhaltlich war die Verbindung von Schule, Therapieeinrichtung und Tagesstätte interessant.
Da sowohl Kinder als auch Erwachsene das Förderzentrum nutzen, spielte auch der Maßstab des Gebäudes eine besondere Rolle. Topografisch forderte die Hanglage eine gestalterische Antwort.
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Wir wollten das Gebäude aus den topografischen Gegebenheiten heraus entwickeln und die reizvolle Landschaft in den Entwurf einbeziehen. Andererseits sollte das Programm der Fördereinrichtung eine passgenaue gestalterische Übersetzung finden.
Das Gebäude nutzt die Hanglage, um differenzierte Freibereiche zu schaffen. Die Gemeinschaftsbereiche sind vom Straßenniveau aus zugänglich, während sich die Klassen- und Therapie-Räume zum tiefer gelegenen Schulgarten öffnen. (Bild: Marcus Ebener)
Der zu den Obstwiesen offene Pausenhof auf der Eingangsebene (Bild: Marcus Ebener)
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?
Wir nutzen die Hanglage, um das Gebäude in einen Sockel und einen aufgesetzten Pavillon zu gliedern. Das passt auch inhaltlich: Auf Straßenniveau versammeln sich alle gemeinschaftlich genutzten Räume in einer leichten Pavillonstruktur, während die Klassen- und Therapieräume etwas geschützter im Sockel liegen und zum umliegenden Schulgarten orientiert sind.
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?
Auf allen Ebenen gab es einen sehr konstruktiven Austausch. Die räumlichen Zusammenhänge haben wir in enger Abstimmung mit dem Nutzer entwickelt. Der Bauherr war bereit, Qualität mit zusätzlichen Mitteln zu ermöglichen und die Behörden trugen die größeren Flurbreiten im Eingangsbereich mit, weil sie den Gewinn dieser Flächen für das Schulleben erkannten.
Um den Pausenhof versammeln sich die vielfältig nutzbaren Gemeinschafts- und Erschließungsbereiche des Förderzentrums. (Bild: Marcus Ebener)
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?
Zunächst waren mehrere Pavillons auf einem deutlich größeren Sockel geplant, die sich um einen gemeinsamen Platz gruppierten. Um Kosten einzusparen, haben wir den Entwurf überarbeitet. Der Sockel wurde verkleinert und ein Pavillongeschoss mit eingeschnittenen Höfen entwickelt. Das kommunikative Zentrum der Schule entsteht nun um den großen, zu den Obstwiesen offenen Pausenhof, an den alle Gemeinschaftsbereiche angrenzen.
Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Die klare Gliederung der Schule in Sockel und Aufbau bestimmt das Materialkonzept der Fassade. Die Kalksandsteinverkleidung des Sockels betont die Massivität des Geschosses. Sie kontrastiert mit der zweischichtig aufgebauten Holzfassade der Pavillonebene. Die hellen Holzlamellen in der äußeren Fassadenebene lockern das Bild auf und geben den offenen Bereichen am Eingangsbereich und an den Höfen eine leichte räumliche Fassung. Gleichzeitig haben Sie eine praktische Funktion als Absturzsicherung für die dahinter liegenden Fenster.
Bildunterschrift Abbildung 5*: Verglaste Differenzierungsräume rhythmisieren die Klassenräume im Sockelgeschoss (Bild: Marcus Ebener)
Grundriss Erdgeschoss mit Umgebung
Grundriss Untergeschoss
Ansciht Süd mit Eingang
Sankt-Kilian-Schule
2017

Am Sportzentrum 12
97828 Marktheidenfeld


Nutzung
Sonderpädagogisches Förderzentrum

Auftragsart
​Verhandlungsverfahren

Bauherrschaft
Caritas Schulen GmbH, Würzburg

Architektur
Staab Architekten GmbH, Berlin
LPH 1 – 4, 5 Leitdetails, Qualitätssicherung
Projektkoordination: Alfred Nieuwenhuizen
Projektleitung: Sebastian Haufe, Rita Wirth
Mitarbeiter: Lara Metell, Alexander Böhme, Susanne Rang
Qualitätssicherung: Dirk Richter, Tobias Steib, Sabine Zoske

Fachplaner
Tragwerksplanung: Hußenöder + Merz, Würzburg
Freiraumplanung: LPH 1 – 5: Levin Monsigny Landschaftsarchitekten, Berlin
LPH 6 – 8: arc.grün | landschaftsarchitekten.stadtplaner.gmbh, Kitzingen
Haustechnik: Zinßer-Ingenieure GmbH, Marktheidenfeld
Elektroplanung/ Fördertechnik: Ingenieurbüro Zink GmbH, Höchberg/Würzburg
Brandschutz: 2Fach Architektur + Brandschutz, Schweinfurt
Bauphysik: Wölfel Beratende Ingenieure GmbH+Co.KG, Höchberg

Bauleitung
Georg Redelbach Architekten, Marktheidenfeld: LPH 5 Werkplanung, LPH 6 – 8

Ausführende Firmen
Natursteinfassade und Stützmauern, Fa. Gugel aus Neubrunn
Holzfassade, Fa. HolzVogel aus Obertheres
Fenster: Fa. Koch aus Otzberg
Pfosten-Riegel-Fassade: Fa. Noll aus Mühlheim

Materialien/Produkte/Hersteller
Natursteinfassade und Stützmauern: Muschelkalk
Holzfassade: Douglasie
Holzfassade Farbe: KEIM Lignosil Verano
Holz-Alu-Fenster: Gutmann, Kiefer lasiert + Aluschale Mira Contour
Pfosten-Riegel-Fassade: Gutmann

Bruttogeschossfläche
3.300 m²

Gebäudevolumen
14.200 m³

Gesamtkosten
​8.800.000 €

Auszeichnung
Auszeichnung Guter Bauten in Franken BDA 2018 – Anerkennung

Fotos
​Marcus Ebener, Berlin

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