Integration und Teilhabe

hammeskrause architekten
11. November 2020
Mit seiner verglasten Giebelfront öffnet sich das Gebäude einladend zum Campus. (Foto: Wolf-Dieter Gericke)

Die Mensa der Anne-Frank-Gemeinschaftsschule und Heilbrunnenschule in Stuttgart-Möhringen von hammeskrause architekten ist vergangenes Jahr eröffnet worden. Nils Krause fasst das Projekt zusammen und beantwortet unsere Fragen.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Der Neubau liegt an der Hechinger Straße in Stuttgart-Möhringen im Zugangsbereich zum gemeinsamen Campus der zwei Schulen und bildet städtebaulich Eingang und Abschluss des Schulhofs. Nicht nur durch das partizipatives Entstehen seiner Hülle, sondern auch durch seine Lage ist das Mensagebäude Symbol für ein verbindendes Zusammenleben beider Schulen.

Als Archetypus fügt sich die neue Mensa in das bestehende Ensemble ein, ihr Satteldach überdeckt den Speise- und Veranstaltungssaal stützenfrei. Die Schulmensa liegt an der Hechinger Straße im Zugangsbereich zum gemeinsamen Campus der beiden Schulen und bildet Eingang und Abschluss des Schulhofs.  (Foto: Wolf-Dieter Gericke)
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?

Geprägt ist der Campus von typischen Schulgebäuden der 1960er-Jahre: Waschbetonbrüstungen wechseln sich ab mit Bändern aus Holzelementfenstern, die Dächer sind flach. Wenn die neue Mensa dies nicht wiederholt, dann aus dem positiven Verständnis einer bereichernden Vielfalt und mit dem Bewusstsein für die besondere, einende Aufgabe. Der Entwurf unterscheidet sich vom Bestand und ergänzt das Ensemble mit einem Archetypus. Ein Satteldach überdeckt den Speise- und Veranstaltungssaal stützenfrei und öffnet sich mit einem verglasten Giebel zum Campus, ohne dem bestehenden Musiksaal das Licht zu nehmen.

Zur höhergelegenen Straße ist der Saal topographisch eingebunden und durch Schichten aus Beton und Holz geschützt. (Foto: Wolf-Dieter Gericke)
Dach und Fassade sind mit einer Haut aus farbigen Aluminiumschindeln verkleidet – das Farbkonzept entstand durch einen partizipativen Prozess mit den SchülerInnen (Foto: Wolf-Dieter Gericke)
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?

Das Langhaus, das mit seinem Steingiebel in der Landschaft eingebettet ist. Der typisch französische „Salle à manger“ der großen Bistros in Paris. Die Idee, die Anmutung der Hülle ihres neuen Speisesaales und Veranstaltungsraumes mit den Schülern gemeinsam zu entwickeln.

Öffnungen in den Wand- und Dachflächen führen den Blick in den stadt- und landschaftsräumlichen Kontext – eine umlaufende Sitzbank mit einer hohen Lehne aus Holz fasst den Innenraum. (Foto: Wolf-Dieter Gericke)
Neben der Möglichkeit Essen in zwei Schichten auszugeben, bietet der Neubau Raum für Schulveranstaltungen wie Musik- und Theateraufführungen. (Foto: Philipp Mürdter)
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?

Unsere Idee für diesen einzigartigen Beteiligungsprozess fand auch beim Schulverwaltungsamt und Hochbauamt große Zustimmung und sie haben diesen Prozess begleitet und mitgestaltet. Die SchülerInnen haben in intensiven Workshops, unterstützt durch engagierte LehrerInnen beider Schulen, Ideen und Varianten erarbeitet, gemeinsam diskutiert und daraus ein von allen getragenes, gemeinsames Farbkonzept eine Blumenwiese für ein Picknick entwickelt.

Eine der Inspirationen, die diesem Projekt zugrunde liegt, ist das Langhaus, das mit seinem Steingiebel in die Landschaft eingebettet ist. (Foto: Wolf-Dieter Gericke)
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?

Das grundsätzliche Konzept hat kontinuierlich entlang der Planungsphasen und Iterationen mit den Nutzern an Kontur gewonnen. Ziel ist, dass das Narrativ unter den SchülerInnen über diese gelebte Partizipation, den Neubau zum Haus der Schüler werden lässt, mit der Würdigung und Achtsamkeit, die ein solcher Ort auf diesem Campus verdient.

Lageplan Schulcampus (Zeichnung: hammeskrause architekten bda)
Bildunterschrift Abbildung 9*: Grundriss Erdgeschoss: links Möblierung für Mensabetrieb und rechts für Veranstaltungen (Zeichnungen: hammeskrause architekten bda)
Mensa der Anne-Frank-Gemeinschaftsschule und Heilbrunnenschule
2019
Hechinger Str. 73
70567 Stuttgart-Möhringen
 
Nutzung
Saal für Schulveranstaltungen und Schüler-Mensa
 
Auftragsart
Machbarkeitsstudie und daraus Beauftragung
 
Bauherrschaft
Landeshauptstadt Stuttgart, Referat Jugend und Bildung, Schulverwaltungsamt, vertreten durch Technisches Referat, Hochbauamt
 
Architektur
hammeskrause architekten, freie architekten bda, Stuttgart 
 
Fachplaner
Tragwerksplaner: matrix ingenieure GmbH, Stuttgart

Ausführende Firmen
Fassade/Dach, Altvater GmbH Metallverarbeitung, Nufringen 
 
Hersteller
Aluminium Dachraute 44x44: PREFA GmbH
 
Bruttogeschossfläche
660 m²
 
Gebäudevolumen
3.170 m²
 
Gesamtkosten
5.530.000 € brutto

Fotos
Wolf-Dieter Gericke, Philipp Mürdter

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