In architektonischer Zurückhaltung

RKW Architektur +
23. Februar 2022
Foto: Ralph Richter

In Köln-Mülheim haben RKW Architektur + zwei Gebäude auf dem ehemaligen Güterbahnhof fertiggestellt. Christian Hein beantwortet unsere Fragen zum Projekt.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Es ging um eine der letzten unbebauten Brachflächen im Kölner Stadtraum: den ehemaligen Güterbahnhof in Köln-Mülheim. Um hier ein attraktives, lebendiges, gemischtes Stadtquartier zu entwickeln, haben wir an einem städtebaulichen Werkstattverfahren für das Gebiet teilgenommen.

Nur zwei Jahre nach dessen Abschluss und unserer anschließenden Begleitung des Bebauungsplanverfahrens, durften wir die ersten zwei Gebäude des neuen Quartiers planen und bauen – das war für uns eine absolute Besonderheit.

Foto: Ralph Richter
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?

Im Umfeld des Grundstücks gab es eine Fülle von Inspirationsquellen. Insbesondere die umgenutzten Produktionsstätten und Gebäude des Carlswerkes in ihrer Materialität und Wandelbarkeit waren für uns wichtige Impulse und Anknüpfungspunkte.

Foto: Ralph Richter
Foto: Ralph Richter
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?

Schon im Werkstattverfahren haben wir uns viele Gedanken zu einer richtigen Reaktion auf diesen besonderen Ort gemacht. Ganz wichtig war uns dabei Freiraum – mit einer Platzfläche in Richtung der denkmalgeschützten Verwaltungsgebäude von Felten und Guilleaume. Unsere zwei Neubauten bilden hier städtebaulich eine wichtige Raumkante, fügen sich aber in Material und Struktur in die Umgebung ein. Ebenso bedeutsam fanden wir aber eine belebende Nutzung, konkret mit einem Mix aus Gastronomie, Coworking und einer Büronutzung, bei der jeder Mieteinheit auch auf den Etagen eine Freifläche zur Verfügung steht.

Foto: Ralph Richter
Inwiefern haben Bauherrenschaft oder Auftraggeber den Entwurf beeinflusst?

Die Zusammenarbeit mit unserem Bauherrn Art-Invest OSMAB Projekt GmbH verlief vorbildlich – es haben wirklich alle Projektbeteiligten an einem Strang gezogen. Unser Entwurf erwies sich als stabile Struktur, die im Erdgeschoss mit 4,50 m Geschosshöhe flexible Nutzungen aufnehmen kann.

Foto: Ralph Richter
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?

Die Stadtplanung der Stadt Köln hatte schon das städtebauliche Werkstattverfahren intensiv betreut. Daher stand unser Entwurf des ersten Bausteins in puncto Einordnung, Materialität und Gestaltung bei der Stadtplanung und dem Baudezernenten direkt im Fokus. Diese genaue Beobachtung wirkte auf unsere Arbeit tatsächlich qualitätssichernd und sorgte letztendlich für eine reibungslose Genehmigungsphase.

Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?

Die gestalterischen Tendenzen wurden durch das Umfeld geprägt: Die Nähe zu den denkmalgeschützten Verwaltungsgebäuden von Felten und Guilleaume bedeutete für uns architektonische Zurückhaltung – wir entschieden uns für eine ruhige, zeitlose Architektur mit subtiler Gliederung. Das Energiethema denken wir hingegen grundsätzlich bei unseren Projekten mit. Hier sind beide Gebäude mit DGNB-Gold zertifiziert.

Foto: Ralph Richter
Foto: Ralph Richter
Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?

Maßgeblich sind das die Klinkerfassaden. Die beiden Häuser bilden gemeinsam eine städtebauliche Blockrandbebauung mit gleichen Geschosshöhen, sind aber real geteilt. Zwar eindeutig miteinander verwandt, differenzieren sie sich durch eine unterschiedliche Gliederung der Klinker: einmal horizontal, einmal vertikal. Die Wahl des Materials war dabei nicht nur eine Referenz an die historische Umgebung. Auch ging es darum, Wertigkeit und Langlebigkeit zu transportieren, mit Hilfe von sauberen Details und klaren Strukturen.

Masterplan (Visualisierung: RKW Architektur +)
Grundriss Erdgeschoss (Zeichnung: RKW Architektur +)
Schnitt (Zeichnung: RKW Architektur +)
BIM-Modell (Visualisierung: RKW Architektur +)
Skizze: Christian Hein, RKW Architektur +
Skizze: Christian Hein, RKW Architektur +
I/D Cologne (Haus am Platz (A1) und Patio-Haus (A2)
2021
Schanzenstraße
51063 Köln-Mülheim

Nutzung
Büro

Auftragsart
Masterplan durch Werkstattverfahren, dann Direktvergabe
 
Bauherrschaft
Art-Invest Real Estate und Osmab Holding AG
 
Architektur
RKW Architektur +, Düsseldorf
Projektteam RKW LPH 1-4: Dieter Schmoll, Christian Hein, Karsten Kus, Hau WaiTak, Stefan Otte, Ralf Wetzel, Anja Emmerich
Projektteam RKW LPH 5: Dieter Schmoll, Jürgen Resch, Irina Rabenhorst, Daniel Neustadt, Oscar Calvo, Mossab Sweda, Levent Yilmaz, Stefan von Ostau

Fachplaner
Landschaftsplanung: studio grüngrau Landschaftsarchitektur GmbH, Düsseldorf (früher FSWLA)
Tragwerksplanung: AWD Ingenieurgesellschaft mbH, Köln
TGA: ZWP Ingenieur-AG, Köln
Brandschutz: Kunkel + Partner Ingenieure GmbH, Düsseldorf
Bauphysik: Henneker Zillinger Beratende Ingenieure PartG mbB, Bonn
Innenarchitektur: brandherm + krumrey, Köln
Vermessung: Vermessungsbüro Dieper & Henkel, Köln

Bruttogeschossfläche
26.900 m² (A1), 18.200 m² (A2)

Gesamtkosten
k.A.

Fotos
Ralph Richter

Verwandte Artikel

Andere Artikel in dieser Kategorie