Erweiterung Staatliche Realschule Bruckmühl

Im Aluminiumkleid

Schwinde Architekten
8. August 2018
Vorplatz
Schwinde Architekten haben kürzlich die Erweiterung der Staatliche Realschule Bruckmühl abgeschlossen. Jürgen Dennerle beantwortet unsere Fragen zum Projekt.
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Die Herausforderung an dieser Bauaufgabe bestand darin, den vorhandenen Raumfehlbedarf der Realschule Bruckmühl in einem Erweiterungsbau nutzungstechnisch sinnvoll zu organisieren. Gleichzeitig sollten die Eingriffe in den Bestand durch die erforderliche Adaptierung von Räumen gering gehalten werden. Die sich dann ergebende Baumasse in Verbindung mit den Pausenflächen und den Wegbeziehungen zum Bestand musste städtebaulich in ein beengtes Grundstück integriert werden.
Fassadenansicht
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Im Zusammenspiel mit der heterogenen umgebenden Struktur von Bestandsschule, angrenzender Grundschule und Wohngebäuden sollte ein Gebäude entstehen, welches sich sowohl maßstäblich integriert, als auch einen eigenständigen und identitätsstiftenden Baukörper im neu gestalteten Stadtraum bildet. Dies sollte zudem durch eine klare und modulare Architektursprache, der Verwendung hochwertiger Materialien und einer aussagekräftigen Fassade erreicht werden.
Fachklasse
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?
Der Neubau liegt in einer kerngebietstypisch geprägten, kleinteiligen Siedlungsstruktur. Um sich in diese städtebauliche Struktur maßstäblich einzufügen und differenzierte Außenräume zu den Bestandsgebäuden zu generieren, haben wir das Gebäude mittels Rücksprüngen und Einschnitten in zwei kleinteiligere Baukörper gegliedert, ohne jedoch die Raumgrößen und Nutzungsanforderungen einzuschränken. Die beiden sich daraus ergebenden Gebäudeteile sind in Nord-Südrichtung zueinander versetzt, wodurch sich an der Aufweitung ein Pausenhof ergibt. Dieser Platz wird durch landschaftsarchitektonische Elemente bespielt und dient den Schülern als Aufenthaltsbereich und Treffpunkt.
Mensa
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?
Neben den Vertretern des Landkreises Rosenheim und der Schulleitung der Realschule war auch die Gemeinde Bruckmühl in den Planungsprozess sehr stark involviert. So sollte das Projekt allen Belangen des Umfelds hinsichtlich der städtebaulichen Parameter wie auch der Verkehrsanbindung gerecht werden. In der weiteren Planung wurden dann die spezifischen Nutzungsanforderungen der Realschule im gemeinsamen Dialog zwischen allen Projektbeteiligten im zweiwöchentlichen JourFixe konstruktiv entwickelt. Die hohe Akzeptanz des Gebäudes, auch bei den Schülern, spiegelt diesen gelungenen Prozess wider. Die Unterstützung des Projekts war selbst während der Bauphase jederzeit zu erleben: So wurden aufgrund einer Engstelle der Wegeverbindung zur Grundschule eigene Schülerlotsen der Realschule ausgebildet.
Aktivraum
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?
Von den ersten Skizzen im Zuge einer Machbarkeitsstudie zum VOF-Verfahren bis hin zum Entwurf hat sich, nach dem Konkretisieren des Raumprogramms und dem Ausloten der Nutzeranforderungen, die strukturelle Gliederung und Kubatur des Gebäudes etwas modifiziert. Die städtebauliche Grundidee eines langgestreckten, einfachen und freistehenden Baukörpers wurde dabei nie aufgegeben und die Organisation und Nutzungsverteilung grundsätzlich beibehalten.
Eingangssituation
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?
Das gesamte Gebäude zielt auf eine modulare Architektursprache, eine einfache Konstruktion und eine eindeutige Struktur ab. Das Modul des Gebäuderasters wird einheitlich und konse­quent über die einzelnen Räume und die Elemente im Innenausbau bis hin zur Fassade fortgesetzt. Die verwendeten Materialien zielen weniger auf spezielle aktuelle Tendenzen ab, sondern sollen eher dem Thema Nachhaltigkeit Rechnung tragen. Robuste brettergeschalte Sichtbetonoberflächen in Verbindung mit Holzstocktüren aus Eiche mit Seitenverglasungen und hellem Betonwerkstein in den Fluren sorgen für eine gestalterische Wertigkeit, welche in den Klassenräumen durch Parkettboden und lasierten Holz-Alu-Fenstern abgerundet wird.
Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Insbesondere die Fassade aus einem Kleid aus vertikalen Aluminium-Lamellen verleiht dem Gebäude seinen besonderen Eindruck. Funkti­onalität und Fernwirkung werden hierbei gleichermaßen vereint. Durch die sorgfältige Detaillierung und Ausführung der Fassade spiegelt sich das Tageslicht je nach Witterung in unterschiedlichen Farbnuancen in den eloxierten Lamellen wider.
Die gerasterte Fassadenfläche steht im Kontext zu den einfachen und klaren Flächen im Innenbereich und setzt sich an den Decken der Verkehrs- und Pausenräume raumübergreifend fort.
Lageplan
Grundriss
Schnitt
Erweiterung Staatliche Realschule Bruckmühl
2017

Rathausplatz 3
83052 Bruckmühl

Auftragsart
Beauftragung LPH 1-9 nach VGV-Verfahren

Bauherrschaft
Landkreis Rosenheim

Architektur
Schwinde Architekten Partnerschaft, München
PL: Jürgen Dennerle, Benjamin Fruth
Mitarbeiter: Stefanie Willeke, Julia Groß, Tanja Gebhart

Fachplaner
TGA : Guggenbichler + Wagenstaller, Rosenheim
HLS: Bauer, Schlosser, Wiesner Planungsgesellschaft mbH, Rosenheim
ELT: Elo-Plan, Rosenheim
LA: Klaus Schurr, Rosenheim
Sigeko: Maria Hagdorn, Rosenheim
Brandschutz: Sachverständigenbüro Arnhold, Weimar
Bauphysik: IB Seidel, Teublitz

Ausführende Firmen
Baumeister: Grossmann Bau GmbH & Co. KG, Rosenheim
Dachdecker-Dachabdichtung: Haas Dach-Fassadentechnik, Spiegelau
Fassadenarbeiten: Starmann Metallbau GmbH, A-Klagenfurt
Gerüstbau: Raetz Gerüstbau oHG, München
Elektroarbeiten: Baader Elektroanlagen, Nußdorf
Heizung, Sanitär: Stolz GmbH & Co KG, A-Kramsach
Lüftung: Huber + Co. GmbH, Freimehring
Estricharbeiten: Köhler Estriche GmbH, Höslwang
Trockenbauarbeiten: Lindner AG, Arnstorf
Malerarbeiten: Maler Arndt, Bruckmühl
Parkettarbeiten: Heinz Stiglreitmaier, Übersee
Metalltüren: Hutterer GmbH, Wasserburg
Fliesenarbeiten: Fliesen-Naturstein Albrecht, Cham
Werksteinarbeiten: Fliesen Röhlich GmbH, Wendelstein
Tischlerarbeiten: Planotec Innenausbau GmbH, Tüßling
Trennwand mobil: Karl Günther GmbH & Co. KG, Glatten
Schlosser-Stahlbauarbeiten: Schlicker Metallverarbeitungs GmbH, Unterneukirchen
Tischler Innenausbau: Leis Innenausbau, Binswangen
Blendschutz: Fa. Brichta, Höchststädt
GALA-Bau: Blumen und Garten Reichl, Bad Wiessee
Möblierung und Spinde: VS GmbH & Co. KG
Orientierungsysteme: Xylo-Sign Prien GmbH, München
Maschinenausstattung: Hacker GmbH, Rosenheim

Energiestandard
Jahres-Primärenergiebedarf Q"P = 26,0 kWh/m²a

Bruttogeschossfläche
2.720 m²

Gebäudevolumen
10.825 m³

Gesamtkosten
​k.A.

Fotos
Stefan Müller-Naumann, München

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