Gemeinsamer Campus

AllesWirdGut
25. März 2020
Großer Pausenhof (Foto: tschinkersten fotografie)

AllesWirdGut haben kürzlich den Schulcampus Hanhoopsfeld in Hamburg fertig gestellt. Friedrich Passler schildert uns anhand von fünf Fragen die Besonderheiten und Herausforderungen dieser Bauaufgabe.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Mit seinen 16.590m² BGF zählt dieses Projekt zu den bisher größten realisierten Bildungsbauten des in Wien und München ansässigen, 80-köpfigen Teams. Zwei Schulen sollten auf einem gemeinsamen Campus in einen parkartigen Grünraum mit starkem Gefälle und altem Baumbestand eingebettet werden. Ein Mehrzweckgebäude mit Aula und Mensa sollte das gemeinsame Zentrum und die Schnittstelle des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums und der Lessing-Stadtteilschule bilden.

Großer Pausenhof (Foto: tschinkersten fotografie)
Schulcampus Hanhoopsfeld, Hamburg (Foto: tschinkersten fotografie)
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?

Anstelle der ursprünglich vorgesehenen drei Baukörper konzipierten wir fünf freistehende, wohlproportionierten Solitärgebäude in einer weitläufigen Parklandschaft, um auf Topografie, Baumbestand und gewünschte Platzbildungen zu reagieren. Die zueinander versetzten Bauten sind in ihrer Höhe dezent gestaffelt und fügen sich so der Dynamik des markanten Geländesprungs. Das gemeinsam genutzte Mehrzweckgebäude – Schnittstelle und Zentrum des Campus – liegt auf direkter Blickachse mit den beiden Haupteingängen der Schulen und bildet einen allseits sichtbaren städtebaulichen Bezugspunkt. Im Inneren der Unterrichtsgebäude zirkulieren die Klassenräume wie die Flügel eines Windrades um ein zentrales Atrium. Offene Bereiche und Nischen bieten Möglichkeit für eine Vielzahl an Unterrichts- und Lernformen.

Schulcampus Hanhoopsfeld, Hamburg (Foto: tschinkersten fotografie)
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?

Das gesamte Projekt wurde in intensiver Abstimmung und sehr konstruktiver Zusammenarbeit mit der Bauherrschaft und den NutzerInnen weiter entwickelt. Dabei standen ökonomische Aspekte ebenso im Fokus wie pädagogische Möglichkeiten, aber auch Fragen der Organisation und Gestaltung wurden gemeinsam diskutiert. Diesen Entwicklungsprozess kann man hier wirklich als vorbildliche Zusammenarbeit bezeichnen, getragen von Verständnis für die jeweiligen Anliegen der Beteiligten und von Respekt und Wertschätzung der jeweiligen Kompetenz. 

Schulcampus Hanhoopsfeld, Hamburg (Foto: tschinkersten fotografie)
Schulcampus Hanhoopsfeld, Hamburg (Foto: tschinkersten fotografie)
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?

Das Projekt hat sich auch wegen der intensiven Abstimmung in seinen grundsätzlichen Qualitäten nicht verändert. Aus ökonomischen und betrieblichen Gründen konnte die Sporthalle nicht versenkt werden, die Organisation der Clustergebäude mit Unterrichtsräumen wurde an die Anforderungen der NutzerInnen angepasst, das Ensemble als Ganzes mit seinen räumlichen, funktionalen, organisatorischen und atmosphärischen Qualitäten und Zusammenhängen wurde aber von allen Beteiligten mitgetragen und gefördert. 

Schulcampus Hanhoopsfeld, Hamburg (Foto: tschinkersten fotografie)
Fassadendetail (Foto: tschinkersten fotografie)
Fassadendetail (Foto: tschinkersten fotografie)
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?

In diesem Zusammenhang ist die Reduktion von haustechnischen Anlagen zur Lüftung und Kühlung besonders. Schulen sind aufgrund der inneren Lasten, vor allem durch dichte Personenbelegung, einem besonders hohen Überhitzungsrisiko ausgesetzt. Die rechtlich hohen Anforderungen an die Dämmung und Dichtheit der Gebäudehülle ist hier kontraproduktiv, da die innen entstehende Wärme nicht entweichen kann. Insofern ist die Lüftung nicht nur eine Frage der Luftqualität, sondern auch der Gebäudekühlung. Ein ausgeklügeltes System zur natürlichen Nachtlüftung sorgt dafür, dass die Räumlichkeiten über Nacht quergelüftet werden und wieder auskühlen können. Die witterungsgeschützten Lüftungsfenster können nicht nur nachts, sondern auch bei Schlechtwetter geöffnet werden. Sogar die Aula als Veranstaltungsstätte konnte ohne Lüftungsanlage umgesetzt werden. 

Winter am Schulcampus Hanhoopsfeld, Hamburg (Foto: tschinkersten fotografie)
Große Aula (Foto: tschinkersten fotografie)
Schwarzplan (Zeichnung: AllesWirdGut)
Grundriss Erdgeschoss (Zeichnung: AllesWirdGut)
Schnitt (Zeichnung: AllesWirdGut)
Schulcampus Hanhoopsfeld
2019
Hanhoopsfeld 21
21079 Hamburg
 
Auftragsart
Zweistufiger Wettbewerb, 1. Preis
 
Bauherrschaft
GMH / Gebäudemanagement Hamburg GmbH
 
Architektur
AllesWirdGut Architektur ZT GmbH, Wien (AT), München
 
Fachplaner
Landschaftsplanung: DnD landschaftsplanung
Statik: Ingenieurbüro Horn + Horn, Rostock, Schumacher + Gerber Ingenieurbüro, Hamburg
Elektroplanung: Arcus Planung + Beratung, Cottbus,
Haustechnik KMG Ingenieurgesellschaft mbH, Berlin
Fachraumplanung: Spinzig + Spinzig GbR, Hamburg
Küchenplanung: Cooking Solutions GbR, Hude
Bauphysik: D3-Architekten, Hannover, BZE-Ökoplan, Hamburg
Bauakustik: OSJ Ingenieure, Hamburg
Brandschutz: BIB Concept, Stelle
Ausschreibung: MRO Architekten, Hamburg, Zietz GmbH, Thedinghausen
Projektsteuerung: PMD Gesellschaft für Projektmanagement, Düsseldorf
 
Bauleitung 
Zietz GmbH, Thedinghausen
 
Hersteller
Deppe Backstein

Bruttogeschossfläche
16.590 m²
 
Gebäudevolumen
80.300 m³
 
Gesamtkosten
k.A.
 
Fotos
tschinkersten fotografie

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