Familienwohnen im Schöneberger Kiez

Bolles+Wilson
15. Februar 2023
Straßenfassade (Foto: Aya Schamoni)
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?

Es galt, Mietwohnraum für Familien in zentraler Stadtlage zu schaffen. Durch sehr unterschiedlich zugeschnittene Wohnungsgrundrisse einschließlich Maisonnette-Wohnungen mit eineinhalb bis zweifachen Raumhöhen (Standard lichte Höhe = 3,10m) werden großzügige, lichte Wohnräume für eine Vielzahl von Mietern geschaffen: Singles, Paare, junge Familien, alte Menschen. 

Die vielleicht größte Kokosmatte und lebhafte schwarz/weiße Fliesen im Lift und auf den Treppenpodesten würdigen das Nachhausekommen im ansonsten recht rauen Betontreppenhaus (Foto: Aya Schamoni)
Wiederkehrendes Fliesendetail in Gängen und Aufzug (Foto: Aya Schamoni)
Wiederkehrendes Fliesendetail in Gängen und Aufzug (Foto: Aya Schamoni)
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?

Die bündige Fassade und Traufhöhe definieren die Straßenlinie. Die Anmutung als eines Teiles der Berlin typischen Blockrandbebauung antizipiert in Richtung des südlich gelegenen Gartens des Hauses der Kinder eine fiktive zukünftige Erweiterung. Der Riesenfußabdruck auf der pinken Brandwand ist als gedankliches Rätsel für die Kitakinder gedacht.

Das erste Obergeschoss, die „Beletage“, zeigt ihr besonderes Verhältnis zur Straße durch ein delikates und kontinuierliches Geländer. Die Fensteranordnung der aufgehenden Geschosse beschreibt das innere Layout vielfach unterschiedlicher Wohnungsgrößen und Geschosshöhen.

Ein erkerartiges Fensterband der Penthauswohnung schließt das Gebäude, zusammen mit der kräftigen Attikaausbildung, nach oben ab. 

Im Hof erlauben vor großen Schiebefenstern zwischen schmal und tief mäandrierende Balkone individuelle Bepflanzung. Das helle Pink der Fassade reflektiert Sonnenlicht in den durch die hohe Brandwand der gegenüberliegenden Hochschule verschatteten Hof. 

Gartenfassade mit mäandrierenden Balkonen – das helle Pink der Fassade reflektiert Sonnenlicht in den verschatteten Hof (Foto: Aya Schamoni)
„Giant Footprint“ – der Riesenfußabdruck auf der pinken Brandwand ist als gedankliches Rätsel für die Kitakinder gedacht (Foto: Aya Schamoni)
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?

Das Projekt hat sich im üblichen Rahmen entwickelt. Nach den ersten Skizzen gab es im Dialog mit dem Stadtentwicklungsamt Überarbeitungen im Sinne einer angemessenen hohen Wohndichte und zugunsten eines mit dem Nachbarn Baugruppe Kurfürstenstraße 142 gemeinsam nutzbaren Hofes.

Sichtbarer Beton in den Wohnungen (Foto: Aya Schamoni)
Apartment 9 – Interieur: studio f1 (Foto: Aya Schamoni)
Apartment 9 – Interieur: studio f1 (Foto: Aya Schamoni)
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?

Die aktuelle energetische Diskussion hat das Projekt mit beeinflusst. Das Dach zum Beispiel ist begrünt und mit einer Solarthermieanlage versehen. Sie unterstützt die Warmwasserbereitung und die Raumtemperierung. Der intensiv begrünte Hof begünstigt die Oberflächenversickerung auf dem Grundstück und trägt zu einer Verbesserung der Luftqualität der Umgebung bei.

Apartment 9 – Interieur: studio f1 (Foto: Aya Schamoni)
Apartment 9 – Interieur: studio f1 (Foto: Aya Schamoni)
Apartment 9 – Interieur: studio f1 (Foto: Aya Schamoni)
Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?

Die Kombination von der Rohheit des sichtbaren Betons mit der Wertigkeit von Schlosser-, Tischler- und Fliesenarbeiten erzeugt am Ende ein spannendes und dennoch angenehmes Raumempfinden. 

Dachaufsicht (Zeichnung: Bolles+Wilson)
Grundriss Erdgeschoss (Zeichnung: Bolles+Wilson)
Grundriss 4. Obergeschoss (Zeichnung: Bolles+Wilson)
Schnitt (Zeichnung: Bolles+Wilson)
Studios Frobenstraße 1
2021
Frobenstraße 1
10783 Berlin
 
Nutzung
Wohnen (11 Mietwohnungen), 2 gewerbliche Einheiten 

Auftragsart
Privat 
 
Bauherrschaft
Frobenstraße 1 GbR
 
Architektur
BOLLES+WILSON GmbH & Co. KG, Münster
Prof. Julia B. Bolles-Wilson
Dr. h.c. Peter L. Wilson
Axel Kempers (Projektleitung)
 
Interieur Apartment 9
studio f1, Berlin
Chris Gieseke
Jack Wilson
 
Fachplaner
Tragwerksplanung: ahw Ingenieure GmbH, Berlin
Haustechnik: Ingenieurbüro Norbert Lüttgens, Berlin
Brandschutz und Bauphysik: Andreas Wilke - Ingenieurbüro für Bauphysik und Baukonstruktion GmbH, Potsdam
Akustik: Ritter Bauphysik GmbH, Potsdam
 
Bauleitung
eins bis neun gesellschaft von architekten und ingenieuren mbh, Berlin
 
Kunst am Bau 
Peter L. Wilson, Münster
Giant Footprint, Wandbild
 
Ausführende Firmen
Rohbau: Hirsch + Lorenz Ingenieurbau GmbH, Berlin
Fensterbau: Tischlerei Liermann GmbH, Kamern
Schlosserarbeiten: G.ö.b.e.l. & W.e.b.e.r. Metallbau UG, Wustermark 
Haustechnik: Thomas Wunderlich GmbH (HLS), Berlin
Carsten Höland Elektrotechnik GmbH (Elektro), Berlin
Innentüren: Tischlerei Trzcinski, Berlin
Fliesen: Fliesenbau Bade & Co. GmbH, Berlin
 
Hersteller
Fenster: Holz-Aluminium Fenster System Batimet
Sonnenschutz: Warema Lamellen-Raffstores
Fliesen: Deutsche Steinzeug, Villeroy & Boch 
 
Bruttogeschossfläche
2.035 m²
 
Gebäudevolumen
8.412 m³
 
Kubikmeterpreis
611 €/m³ (brutto)
 
Gebäudekosten
4.500.000 € (brutto)
 
Gesamtkosten
6.500.000 € (brutto)

Auszeichnung
DAM-Preis Nominierung 
 
Fotos
Aya Schamoni 

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