Entsiegelter Raum im Zentrum

RSLA
7. Juli 2021
Rasen statt Asphalt, Bäume statt Beton. Der Nelson-Mandela-Platz erhielt eine dringend benötigte Frischzellenkur. Übersicht von Nord-Osten (Foto: RSLA)

Der Nelson-Mandela-Platz in Nürnberg ist vom Münchner Landschaftsarchitektur-Büro RSLA neu gestaltet worden. Rainer Schmidt wählt fünf Bilder und zwei Pläne und beantwortet unsere Fragen zum Projekt.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Besonders ist hier der Ort: Der Nelson-Mandela-Platz befindet sich auf der Rückseite des Hauptbahnhofs und gleichzeitig am Eingang zur Südstadt von Nürnberg. Die Südstadt ist ein sehr stark städtebaulich verdichtetes Gebiet mit einer stark durchmischten Bevölkerung. Die Aufgabe bestand darin, für alle ein neues Zentrum zu kreieren. 

Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?

Die Grünfläche ist als Tiefparterre etwa 1,5 Meter tiefer ausgebildet und soll eine räumliche Struktur schaffen, die Geborgenheit bietet. Die Randbereiche sind als Terrassen ausgebildet, die wiederum mit Sitzbänken komplettiert sind. Umschlossen wird dieser Bereich von Shared-Space-Flächen. Diese Flächen werden mit einem durchläufigen Belag gestaltet und werden von Fahrrädern, Fußgängern, dem motorisierten Individualverkehr sowie auch Bussen gemeinsam genutzt. 

Übersicht von Westen (Foto: RSLA)
Übersicht von Osten (Foto: RSLA)
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?

Im sicherheitskritischen Bahnhofsumfeld ist es wichtig, diesen Ort sicher zu gestalten – nachts wird er von Flutlichtbeleuchtungskörpern erhellt. Der angegliederte Pavillon soll ausschließlich nichtalkoholische Getränke verkaufen.

Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?

Der ganze Entwurf ist in mehreren Bürgerbeteiligungen vorgestellt und diskutiert worden. Der gesamte Planungsprozess ist durch das Stadtplanungsamt und durch die verschiedenen Gremien der Stadt begleitet worden, sodass immer NutzerInnen, wie auch Stadtplanung als auch die verschiedenen Bereiche der Verwaltung in den Planungsprozess mit einbezogen wurden. Dadurch wurden z.B. Pflegerampen, behindertengerechte Zugänge oder Blindenleitsysteme eingeplant und so eine nutzergerechte Planung geschaffen.

Übersicht von Übersicht von Süd-Westen (Foto: RSLA)
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?

Wir haben im Prinzip den Entwurf, den wir im Wettbewerb entwickelt habe und in der ersten Abstimmungsphase mit den NutzerInnen leicht überarbeitet haben, bis zum Ende durchgezogen. Aus Unterhaltsgründen konnten die Wasserspiele im Bereich des Kiosks nicht realisiert werden. Geändert wurden zudem kleine Detailstrukturen wie zum Beispiel veränderte Zugangssituationen. Dazu gekommen ist der Aspekt Kunst in Form der Nelson-Mandela-Stele aus Acryl mit eingelassenem Rohdiamanten. Aufgrund der derzeitigen Pandemie-Situation wird sich die Realisierung des Pavillons verzögern, da der ursprüngliche Betreiber aus wirtschaftlichen Gründen abgesagt hat.

Rasenparterre mit Terrassen (Foto: RSLA)
Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?

Wir konnten die Stadt Nürnberg überzeugen, dass nachhaltige und langlebige Materialien das Richtige für diesen Ort sind. Alle befestigen Flächen sind aus europäischem Granit hergestellt worden und die Rasenflächen sind mit einem speziellen automatischen Bewässerungssystem ausgestattet, um dem Nutzungsdruck gerecht zu werden.

Entwurfslageplan (Zeichnung: RSLA)
Schnittzeichnung (Zeichnung: RSLA)
Nelson-Mandela-Platz
2020
Nelson-Mandela-Platz
90459 Nürnberg

Nutzung
Öffentlicher Platz mit integrierter Grünfläche
 
Auftragsart
Freianlagen- und Verkehrsplanung
 
Bauherrschaft
Öffentlicher Auftraggeber: Stadt Nürnberg
 
Landschaftsarchitektur
Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten, München
 
Kunst am Bau
„Rolihlahla“ von Ute Vorkoeper und Andrea Knobloch 
Nelson Mandela als Acryl-Stele
 
Fachplaner
Fahrradparkhaus: Sedlak Rissland Architekten
 
Ausführende Firmen
Grünflächen: Jürgen Jung Garten- und Landschaftsbau
Befestigte Flächen: Strabag

Gesamtkosten
5.000.000 € 

Fotos
Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten

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