Verwaltungsgebäude SüdwestStrom (SWS) in Tübingen

Eingeschoben

Steimle Architekten
21. November 2018
Selbstbewusst präsentiert sich der Kubus im Ensemble der Verwaltungsgebäude (Bild: Brigida González)
In einem hellen Ziegelkleid fügt sich das Verwaltungsgebäude SüdwestStrom (SWS) in Tübingen in seine dicht bebaute Umgebung ein. Thomas Steimle und Julia Rapp berichten vom Projekt.
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Die besondere Herausforderung der Bauaufgabe findet sich im historischen Hintergrund des Betriebsgeländes der Stadtwerke Tübingen sowie der schwierigen städtebaulichen Situation des vorgesehenen Baufeldes für den Erweiterungsbau. Der Standort wird geprägt durch die vorhandenen Technikgebäude und die räumliche Nähe zu den beiden bestehenden Verwaltungsgebäuden der Stadtwerke. Diese präsentieren sich aufgrund ihrer Entstehungszeit mit unterschiedlichen Architektursprachen.
Mit einem städtischen Energieversorger als Auftraggeber erhält die Anforderung an die energetische Nachhaltigkeit ein zusätzliches besonderes Augenmerk.
Durch die Offenheit des Innenraums bleibt die Charakteristik des Betriebsgeländes der Stadtwerke spürbar (Bild: Brigida González)
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Das Ziegelmauerwerk des Neubaus greift das Vokabular des ehemaligen historischen Gaswerks aus Backstein auf. Dieses vertraute Bild wird spannungsvoll kontrastiert mit den großformatigen, schräg geschnittenen, weißen Fensterlaibungen, die deutlich in der zeitgenössischen Architektur verortet sind.
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?
Der Kubus des Neubaus der SWS vermittelt mit seiner Höhe wie selbstverständlich zwischen den beiden vorhandenen Baukörpern und komplettiert als geometrisch klarer Körper dieses Ensemble. Die Erweiterung entwickelt neue stadträumliche Bezüge und schafft einen kleinen, internen Platz als räumliches Gelenk zwischen den Verwaltungsgebäuden.
Die gewählte architektonische Form des Kubus‘ verleiht dem Gebäude ein Gesicht nach allen vier Seiten hin. Es löst auf diese Weise die komplexe städtebauliche Situation, denn das Gebäude zeigt seine bauliche Präsenz sowohl zum neuen Vorplatz hin wie auch zum Betriebsgelände und dem Galgenberg. So steht der Kubus wie selbstverständlich als ergänzender Stein im SWT Ensemble. Es gibt keine Rückseite am Gebäude.
Akzentuierende Beleuchtungselemente im inneren Treppenraum (Bild: Brigida González)
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?
Auf die stetig wechselnden Anforderungen aus Mitarbeiterwachstum und Teambildungen wird mit einer flexiblen Bürostruktur reagiert. Mit der Planung dieser Struktur und weiteren Installationen sowie Systemtrennwänden wurde die Möglichkeit gegeben, auf wechselnde Arbeitsanforderungen mit wenig Aufwand reagieren zu können.
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?
Die energetischen und konstruktiven Anforderungen des Gebäudes konnten sehr gut in Einklang mit den gestalterischen Ansprüchen an die weiße Backsteinfassade und den Sichtbetonoberflächen im Gebäudeinneren gebracht werden.
In der Eingangsebene entsteht auf zwei Gebäudeseiten ein abwechslungsreiches Lichtspiel durch die gleichmäßige Perforierung der Backsteinfassade. Für die Herstellung des gewünschten Fassadenbildes mit den Aussparungen einzelner Bausteine wurde eine eigene Konstruktionsweise ausgearbeitet.
Während sich die Büroarbeitsplätze nach außen orientieren entstehen im Gebäudekern großzügige Kommunikationszonen (Bild: Brigida González)
Der neu entstandene kleine interne Platz als Gelenk zwischen den beiden Bestandsgebäuden und dem weißen Kubus wird gefasst durch die eingeschossige Verbindung (Bild: Brigida González)
Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Der in der Fassade verwendete Original-Wasserstrich-Backstein-Klinker transportiert durch seine ungleichmäßigen Oberflächen, seine Rillen, Vertiefungen und unregelmäßigen Kanten eine große Lebendigkeit und steht im gewünschten Kontrast zu den präzisen tiefen Metalllaibungen der Fenster. Im Zusammenspiel entsteht ein skulpturales, nach allen Seiten orientiertes Gebäude.
Der Erweiterungsbau komplettiert das Gebäudeensemble und lässt neue spannungsreiche Bezüge entstehen (Bild: Brigida González)
Lageplan
Grundriss Erdgeschoss Kundenzentrum
Schnitt
Verwaltungsgebäude SüdwestStrom (SWS)
2017

Eisenhutstraße 6
72072 Tübingen

Auftragsart
Beauftragung gem. HOAI nach gewonnenem offenen Realisierungswettbewerb

Bauherrschaft
Südwestdeutsche Stromhandels GmbH, Tübingen

Architektur
Steimle Architekten BDA, Stuttgart
Julia Rapp

Fachplaner
Landschaftsarchitektur: Jetter Landschaftsarchitekten, Stuttgart
Tragwerksplanung: Schneck Schaal Braun Ingenieurgesellschaft Bauen mbH, Tübingen
TGA-Planung: Ingenieurbüro Sailer, Tübingen
Elektroplanung: Ingenieurbüro Heusel + Siess GbR, Reutlingen
Bauphysik: Bobran Ingenieure, Stuttgart
Brandschutz: TRIAS Brandschutzplanung, Stuttgart
Vermesser: Ingenieurbüro für Vermessungstechnik Werner Kehrer, Reutlingen

Bauleitung
Guggenberger + Ott GmbH beauftragt über Steimle Architekten BDA

Ausführende Firmen
Rohbau: F.K. Systembau GmbH, Münsingen 
Dachabdichtung: Fritztechnologie, Sulz am Neckar 
Klinkerfassade: Lagierski Klinkerbau, Neckarsulm 
Fassade/Außentüren: Guttendörfer GmbH & Co. KG, Ansbach Trockenbau-/Malerarbeiten: Ullrich & Schön GmbH, Fellbach-Schmiden
Malerarbeiten: Heinrich Schmid GmbH & Co. KG,  Mössingen
Schreiner/Innenausbau: Karl Westermann GmbH & Co.KG, Denkendorf
Fussbodentechnik Estrich: Yilmaz Estrich GmbH, Ludwigsburg
Bodenbelag: Raumstudio Falter GmbH & Co. KG, Fellbach
Fliesen: J. Paul GmbH, Filderstadt-Bonlanden
Metallbauarbeiten 1: Rehm Metallbau GmbH, Filderstadt
Metallbauarbeiten 2: Gerhard Engelfried Edelstahldesign GmbH, Stuttgart 

Hersteller
Vergehängte Klinkerfassade: Ziegelei Hebrok GmbH & Co. KG
Textile Markisen: Serge Ferrari
Tür-/Fenstergriffe: Franz Schneider Brakel GmbH + Co. KG 
Terrassenbeläge: Kronimus AG 
Sanitärobjekte: Geberit Vertriebs GmbH 
Armaturen: Schell GmbH & Co. KG 
Schalter, Steckdosen: Albrecht Jung GmbH & Co. KG 
Stehleuchten: Glamox GmbH
Einbauleuchten: Zumtobel Lighting GmbH 
Pendelleuchten: Schmitz-Leuchten GmbH & Co. KG 
Bodeneinbauleuchten: BEGA Gantenbrink-Leuchten KG 
Lichtkanal: Josef Barthelme GmbH & Co. KG 
Einbaumöbel Holz weiß lackiert: Karl Westermann GmbH & Co. KG 
Aufzüge: thyssenkrupp AG 

Energiestandard
KfW 55

Bruttogeschossfläche
3.050 m²

Gebäudevolumen
​11.220 m³

Kubikmeterpreis
641 €/m³ brutto KG 300-400 (539 Euro netto)

Gebäudekosten
7.200.00 € brutto KG 300-400 (6.100.000 € netto)

Gesamtkosten
​11.100.00 € brutto (9.300.000 € netto)

Fotos
​Brigida González

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