bat – Studiotheater der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin

Die erste Bühne

Ortner & Ortner Baukunst
18. April 2018
Bild: Stefan Müller

Das bat-Studiotheater der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch ist nach Umbau und Sanierung durch O&O Baukunst wieder eröffnet. Roland Duda beantwortet unsere Fragen zum Projekt.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Das bat-Studiotheater der Schauspielschule Ernst Busch befindet sich in einem eher unscheinbaren Hinterhaus in der Belforter Straße am Prenzlauer Berg. In den Jahren 1887-89 wurde das Gebäude als Tanzsaal errichtet, später zum Hinterhofkino umgebaut. In den 1960er-Jahren gründete hier Wolf Biermann sein Arbeiter- und Studententheater. Die Schauspielschule Ernst Busch nutzt die Spielstätte seit 1974 für die Studio-, Diplom- und Praktikumsinszenierungen sowie Werkstattabende. Einige der bekanntesten Schauspieler Deutschlands haben hier ihre ersten Auftritte absolviert, darunter Nina Hoss, Lars Eidinger, August Diehl oder Sandra Hüller. 

Bild: Stefan Müller

Was zeichnet den Entwurf aus, welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde? 
Das Gebäude ist äußerlich mit Ausnahme der neuen Eingangssituation unverändert geblieben. Die Erneuerung zeigt sich beim Betreten des Gebäudes. Die vorgefundene diffuse Raumstruktur wurde zugunsten einer zweiteiligen Raumfolge verändert. Der Theaterraum selber wurde nach dem Vorbild einer „Black Box“ oder eines „White Cube“ bis auf die Rohbaustruktur entkernt. Es entsteht eine 20 x 12 m große Studiobühne mit roh belassenen Wänden und Decken und der sichtbar installierten Theatertechnik. Die Bühne kann multifunktional und frei bespielt werden.
Vor dieser roh belassenen Studiobühne, als eigentlicher Theaterraum wird der Besucher feierlich empfangen. Durch Entfernen der Zwischendecke wird der ehemals eingeschossige Eingangsbereich zu einem zweigeschossige Entree. Der weiße Terrazzoboden erhält in Form eines roten Teppichs mittig eine rote Einfärbung. Beide Räume in ihrer Unterschiedlichkeit stehen exemplarisch für das Theater als gesellschaftlicher Raum und Ort des künstlerischen, individuellen Schaffens.

Bild: Stefan Müller
Bild: Stefan Müller

Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?
Die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch kannten wir durch die Zusammenarbeit beim Neubau des Zentralstandortes bereits als Bauherrin. So gab es bereits im Vorfeld beiderseits ein grundlegendes Verständnis zu den Anforderungen der Aufgabe.
​Das Bauvorhaben stand unter einem engen Termin- und Kostenrahmen. Alle Baumaßnahmen wurden innerhalb von nur 14 Monaten fristgerecht abgeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf rund 4,3 Millionen Euro. Aufgrund der vorbeschriebenen längerfristigen Zusammenarbeit der „Ernst Busch“ mit O&O Baukunst wurde bereits frühzeitig eine gemeinsame Vorstellung zu dem Theaterumbau entwickelt, die spätere Änderungen weitestgehend ausgeschlossen hat.

Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?
Die energetische Sanierung des in die Jahre gekommenen Veranstaltungsbaus war natürlich ein wesentlicher Antrieb für das Projekt. Die energetischen und konstruktiven Anforderungen fügen sich selbstverständlich in das gestalterische Konzept ein.

Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Der Erfolg des Projektes ist davon abhängig, dass keine Materialien oder Produkte in den Vordergrund gestellt werden. Während der Theaterraum von den Bestandsmaterialien und insbesondere dem rohen, haptischen Ziegelmauerwerk lebt, wird das Entree erst durch die abstrakte Materialität und Farbigkeit in die gewünschte Stimmung versetzt.

Lageplan
Grundriss Erdgeschoss
Schnitt

bat – Studiotheater der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“
2017

Belforter Straße 15
10435 Berlin

Auftragsart
Leistungsphasen 1-5, teilweise 6-8

Bauherrschaft
Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“, Berlin

Architektur
Ortner & Ortner Baukunst
Gesellschaft von Architekten mbH
Geschäftsführer: Roland Duda, Projektleiter: Tobias Ahlers
Team: Roland Duda, Tobias Ahlers, Nino Schiddel, Hannah Naumann, Markus Müller, Alexandra Spitsa

Fachplaner
Tragwerk: Ingenieurbüro Alcer, Berlin
Haustechnik: Ingenieurbüro Schimmel, Berlin
Brandschutzkonzept: hhp Berlin
Bauphysik: IB Rahn, Berlin
Akustik: IB Rahn, Berlin
Bühnentechnik: Theater-Engineering, Berlin
Landschaftsarchitekt: Bappert Landschaftsarchitekten, Potsdam

Bauleitung
Ing.-Büro Weber, Berlin

Bruttogeschossfläche
oberirdisch 1.500 m²
unterirdisch 140 m²

Nutzfläche (oberirdisch)
Theatersaal 220 m²
Foyer 80 m²
Seminarräume, Nebenflächen 566 m²

Bruttorauminhalt
6.236 m³

Nettoherstellungskosten (Baukosten)
1.800.000 €
Kostengruppe 300: 900.000 €
Kostengruppe 400:  900.000 €

Fotos
Stefan Müller, Berlin für O&O Baukunst

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