Seezeitlodge Hotel & Spa am Bostalsee

Auserlesener Ort

GRAFT
9. Mai 2018
Das Hotel & Spa Seezeitlodge am Bostalsee liegt in einem einzigartigen Stück Natur im Saarland. (Bild: Airteam)
Das Seezeitlodge Hotel & Spa am saarländischen Bostalsee haben GRAFT kürzlich fertiggestellt. Lars Krückeberg, Wolfram Putz und Thomas Willemeit beantworten unsere Fragen zum Projekt.
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Definitiv an dem Standort. Das Seezeitlodge Hotel & Spa am Bostalsee liegt in einem einzigartigen Stück Natur, an dem ein kleines bewaldetes Kap mit seiner Höhenentwicklung den stillen See "überblickt".
Die Seezeitlodge sollte ein wunderbarer Ort der Ruhe werden und auf eine nachhaltige Bauweise unter Berücksichtigung der natürlichen Umgebung entstehen. Eine behutsame Gestaltung der Landschaft durch Architektur bedeutet immer wieder eine neue Herausforderung, der wir uns mit Herz und Verstand widmen.
Die öffentlichen Bereiche des Hotels sind in die Landschaft integriert, sodass der zweigeschossige Zimmertrakt wie selbstverständlich darauf zu liegen scheint (Bild: Michael Moser)
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Im Kern unseres Entwurfs stand der Grundgedanke, die Kräfte des Ortes nicht zu stören, sondern sie aufzuspüren und zu verstärken, also ein Stück Architektur zu entwickeln, das sich aus dem Charakter des Ortes entwickelt und ihn überhöht.
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?
In der Entwurfsphase setzen wir uns grundsätzlich sehr stark mit dem genius loci des Ortes auseinander und untersuchen die besonderen Merkmale und den Charakter des Baugrundstücks.
Die landschaftlichen Charakteristika, wie ortstypische Waldlandschaft, die Topographie des Geländes sowie die Lage am Wasser haben uns bei der Entwurfsfindung besonders interessiert.
Die Gebäudefigur entwickelt sich aus der Topographie der Umgebung. Wir haben darauf geachtet, dass das Hotel in seiner Lage zwischen den besonderen natürlichen Atmosphären des Grundstücks und der Region vermittelt: zwischen der Dichte des Waldes und der Freiheit des Sees, dem Beschütztsein und der Weite, zwischen Erde und Wasser. So schmiegt sich das Haus in die Gravitätszone des Ortes und verbindet gleichsam dessen starke Identitäten.
Uns war es wichtig, einen möglichst eleganten, horizontal gegliederten Bau zu errichten. Deswegen liegen die öffentlichen Bereiche in der Landschaft, sodass visuell lediglich ein zweigeschossiger Zimmertrakt sehr selbstverständlich darauf zu schweben scheint.
Für das Ankunftsszenario haben wir die vorhandene Topographie modelliert und verdichtet, sodass der Blick auf die umliegende Natur erst einmal beschränkt wird (Bild: Michael Moser)
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?
Unser Auftrag bestand darin einen Sehnsuchtsort zu schaffen, der als touristischer Anziehungspunkt sowohl das Gebiet um den Bostalsee als auch den Ort über die Grenzen des Saarlands hinaus bekannter machen sollte.
Wir haben uns daher sehr stark mit dem Standort auseinandergesetzt und den Gebäudekörper sehr präzise an seinem Standort ausgerichtet und platziert. Für das Ankunftsszenario haben wir die vorhandene Topographie modelliert und bewusst verdichtet, sodass der Blick auf die umliegende Natur erst einmal beschränkt wird. Mit dem Eintreten in das Hotel bzw. in die Lobby eröffnet sich der freie Blick über den See. Die öffentliche Zone ist zum See hin komplett verglast worden. So sind die Blickachsen der Sonnenuntergänge zu Equinox (Tagundnachtgleiche) und Solstitien (Sonnenwende) gerahmt und schreiben dem Haus seine spezielle Verbindung zu den universellen Himmelszyklen zu.
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?
Der Entwurf, der zum Wettbewerbsgewinn führte, hatte schon alle beschriebenen Merkmale der besonderen Verortung. Der damals stark auskragende und schwebende Gebäudetrakt musste durch budgetäre Gründe im wahrsten Sinne auf den Boden der Realität gebracht werden. Was dem Gesamtkonzept allerdings kein Abbruch tut.
Das Fassadenkleid aus Holzlamellen wird den natürlichen Verwitterungsprozess des Holzes eine silbrig graue Färbung erhalten (Bild: Michael Moser)
Die Ausrichtung des Baukörpers ermöglicht nahezu von jedem Zimmer aus einen Blick auf den See (Bild: Michael Moser)
Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Für den Bau des Hotels mussten viele Bäume gefällt werden, deren Holz in die Werkstoffketten eingeflossen ist. In einer Art „Tausch“ haben wir deswegen wiederum Holz für die Fassadenbekleidung gewählt, in diesem Fall heimische Lärche.
Wir möchten den natürlichen Verwitterungsprozess des Holzes durchaus zeigen, dem eine eigene Schönheit innewohnt und in dem das Material sein eigenen Witterungsschutz aufbaut. So wird sich das Kleid des Hauses von einem leichten braun in eine silbrig graue Erscheinung verwandeln.
Auf der Lobbyterrasse lädt eine große Feuerstelle allabendlich zum Verweilen ein (Bild: Michael Moser)
Lageplan
Grundriss Erdgeschoss
Schnitte
Seezeitlodge Hotel & Spa am Bostalsee
2017
Am Bostalsee 1
66625 Gonnesweiler

Nutzung
Vier-Sterne-Superior-Hotel und Spa

Auftragsart
Mehrfachbeauftragungsverfahren, Zuschlag 2011

Bauherrschaft
Hotel Kultur GmbH & Co. KG

Architektur
GRAFT Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin
Lars Krückeberg, Wolfram Putz, Thomas Willemeit
Projektleiter: Arne Wegner
Projektteam: Aleksandra Zajko, Alexandra Bunescu, Alexandra Tobescu, Ana Maria Galvez Castillo, Anna Wittwer, Antonio Luque, Arndt Prager, Aurelius Weber, Berta Sola, Christian Litz, Dorothea von Rotberg, Filipa Leal de Carvalho, Frank Petters, Inga Anger, Izabela Pavel, Jean-Rémi Houel, Johanna Kuntze, Konstantin Buhr, Marvin Bratke, Max Wittkopp, Nadia Koster, Pia Phanaphet, Raphael Hemmer, Rita Schmidt, Sascha Krückeberg, Sebastian Gernhardt, Stefanie Götz, Sven Fuchs, Tade Godbersen, Xavier Osorio

Fachplaner
Innenarchitekt: Nicolay Design GmbH, Stuttgart
Tragwerksplanung: Knippers Helbig GmbH, Stuttgart
Landschaftsplaner: Ernst Partner Landschaftsarchitekten bdla, Trier
Projektsteuerung: BTB Lauer GmbH & Co. KG, Losheim am See
Haustechnik: ZWP Ingenieur-AG, Stuttgart
Energiekonzeption: Transsolar Energietechnik GmbH, Stuttgart

Bauleitung
Wenzel+Wenzel, Karlsruhe

Ausführende Firmen
Rohbau: Peter Gross Bau Holding, Sankt Ingbert
Aufzüge: Alois Kasper GmbH, Nonnweiler-Primstal
Sanitäranlagen: Bard GmbH, Tholey
Elektroinstallation: A+F Elektro-Technik GmbH, Tholey
Gerüstarbeiten: GBG GmbH, Friedrichsthal
Dacharbeiten: Anton Bernardi GmbH, Völklingen
Estrich: Okatar Estrichbau GmbH, Merzig
Trockenbau Wände: Bilfinger R&M Ausbau Mannheim GmbH, Saarbrücken
Innenputzarbeiten: H. J. Eckert GmbH, Schiffweiler
Schlosserarbeiten: Metall- und Stahlbau Scholl GmbH, Tholey
Gebäudeautomation: Sauter-Cumulus GmbH, Saarloui

Hersteller
Glas: Saint Gobain Building Glass Europe:
Climatop Cool-Lite Xtreme 60/28 mit SGG Planitherm XN und 2x Stadip Silence, Climatop Max auf SGG Diamant
Fassadenprofile: TKI System: TKI 755 / 252
Sonnenschutz Fassade: Warema
Sonnensegel Terrasse: Soliday-C/CS

Bruttogeschossfläche
12.860 m²

Gebäudevolumen
47.660 m³

Gesamtkosten
k.A.

Fotos
Michael Moser
Airteam

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