Mittelschule mit Dreifachsporthalle Gersthofen

Abschnittsweise

Behnisch Architekten
17. Oktober 2018
Blick auf den Eingangsbereich - Außenanlagen noch nicht fertiggestellt (Bild: David Matthiessen)
Behnisch Architekten haben in kürzlich in Gersthofen eine Mittelschule mit Dreifachsporthalle fertiggestellt. Robert Hösle beantwortet unsere Fragen zum Projekt.
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Bei der Neuordnung des gesamten Schulcampus in Gersthofen mussten wir uns stark mit den örtlichen Gegebenheiten auseinandersetzen. So konnten die neue Schule und Sporthalle nur in Bauabschnitten realisiert werden, da der Schulbetrieb im bestehenden Gebäude aufrechterhalten werden musste und erst nach Fertigstellung abgebrochen werden kann. Die Platzierung der Gebäude auf dem Grundstück war somit schon ab Wettbewerbsbearbeitung eine Herausforderung.

Das Grundstück ist umgeben von Wohn-, Schul- und Kulturbauten, befindet sich also in einem heterogenen Umfeld ohne klare Struktur. Landschaftliche Elemente finden sich hier genauso wie Baukörper verschiedenen Maßstabs. Der Neubau hebt sich von den sachlichen Bauten der Umgebung distinktiv ab und folgt einer freien Ordnung, gegliedert in Gebäudeteile und Bereiche, sodass das Einzelne seinen Platz selbst findet und sich freiwillig zum Ganzen fügt.
Zentrale Aula (Bild: David Matthiessen)
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Die Mittelschule Gersthofen ist keine Schule im klassischen Sinn, sondern ein räumliches Gefüge mit offenen Lernlandschaften, mit unterschiedlich lebendigen Raumgruppen und Zonen, die sich nicht separieren, sondern ineinander übergehen, sich verweben und mit der großen, zentralen Aula sowie im Aussenraum dem Pausenhof verbinden. Die Aula ist das Herzstück der gesamten Schulanlage und ein stimmungsvoller Begegnungsort für vielfältige Aktivitäten.
Die Gebäudeflügel der beiden Obergeschosse sind zu einem zweigeschossigen, ringförmigen Baukörper gefasst. Die großzügigen Flurzonen bilden Raumsituationen für verschiedene Lern- und Lehrkonzepte, sowie für Kommunikation und Informationsaustausch zwischen Lehrern und Schülern.
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?
Die Vernetzung des neuen Schulgebäudes aus den umliegenden Stadtgebieten heraus und in diese hinein war neben der topographischen Besonderheit des Grundstücks zentrales Entwurfsthema.
Während sich die Musikschule im Eingangsbereich zur Stadt hin orientiert, schieben sich die einzelnen Fachklassenflügel im Erdgeschoss als grüne Klassenzimmer in die Landschaft. An schönen Tagen kann hier der Unterricht im Freien abgehalten werden. Kleine geschützte Welten entstehen, Themenhöfe für Kunst, Werken, Kochen, Musik, vielfältig und ungezwungen.
Der Geländeversprung wird zu einer nach Süden ausgerichteten Terrassen- und Treppenanlage, die sich durch das Gelände schwingt und in das Auditorium der Aula mündet. Die Nord-Süd-Durchquerung des verkehrsfreien Schulareals ist behindertengerecht neu gestaltet. Großzügige, sonnige Aussenflächen mit Baum- und Grüninseln bieten hier Raum für Pausen- und Nachmittagsaktivitäten. In räumlicher Nähe zu den vorhandenen Sporteinrichtungen im südlichen Bereich des Grundstücks liegt die Dreifachsporthalle, „eingegraben“ im Gelände und wird ergänzt durch die dazugehörenden Außensportflächen.
Situation einer Lernlandschaft (Bild: David Matthiessen)
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?
Im Wesentlichen hat die Schulleitung durch die sehr klare Formulierung des pädagogischen Konzeptes, weg vom klassischen Frontalunterricht hin zu offenen, flexiblen Lernkonzepten und den damit verbundenen Vorgaben nach zusätzlichen Ausweichräumen und freien Lernzonen, die Struktur des Gebäudes grundlegend mitgeprägt. Neben den politisch Verantwortlichen und der Bauverwaltung der Stadt Gersthofen hat die Schulleitung sich in jeder Phase des Projektes im Austausch mit dem gesamten Planungsteams engagiert, am Planungsprozess beteiligt und war offen für neue Ideen.
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?
Das Klima- und Energiekonzept soll für Lehrer und Schüler optimale Tageslicht- und Frischluftversorgung gewährleisten und gleichzeitig einen hohen visuellen, thermischen und akustischen Komfort bei minimiertem Gesamtprimärenergiebedarf bieten.

Ziel war es, ein Gebäude zu entwickeln, das bereits durch die bauliche Ausführung ein hohes Maß an Komfort gewährleistet. Die Tageslichtversorgung wird durch die Baukörpergeometrie, Tageslichtlenksysteme in der Fassade, Oberlichter und teilweise verglaste Trennwände optimiert. Tageslichtsensoren helfen zusätzlich den Kunstlichteinsatz zu minimieren und Energie zu sparen.

Die Räume im Erdgeschoss werden über eine zentrale Lüftung mit frischer Quellluft versorgt, während die Klassenräume in den Obergeschossen ihre Grundlüftung über dezentrale Lüftungsgeräte in den Fassaden erhalten. Eine individuelle Lüftung ist hier zudem über Fensterflügel möglich. Durch das kombinierte Lüftungskonzept werden sehr gute Nutzenergiebedarfswerte erreicht.
Situation Sitznische im Eingangsbereich der Aula (Bild: David Matthiessen)
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?
Im Laufe des Planungsprozesses ist es gelungen, die grundlegenden Entwurfsgedanken des Wettbewerbs zu erhalten und umzusetzen. Trotz kleinerer Änderungen der Kubatur hat sich das Gesamtkonzept nicht verändert. Darüber hinaus wurden außenliegende Fluchttreppen durch innenliegende gesicherte Treppenhäuser ersetzt. Während der Ausführung mussten zusätzliche Flächen für den Ganztagesbereich geschaffen werden.
Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Die Fassade des Gebäudes lebt von einem Wechselspiel zwischen offenen und geschlossenen Flächen. Durch die Pfosten-Riegel-Konstruktion mit großflächigen Glaselementen wirkt das Gebäude leicht und gewährt Einblicke bis tief in die Einzelnen Gebäudeteile. Unterbrochen werden diese von opaken Fassadenflächen aus unbehandelten Lärchenpanelen.

Der Innenraum ist einerseits geprägt durch Materialen, die in ihrem ureigenen Charakter erscheinen, wie z.B. Sichtbeton an den exponierten Wänden und Decken sowie Holz im Fussboden, andererseits aber auch durch bewusst farblich gestaltete Situationen, mittels Möbeln, Vorhängen, Fussböden oder teilweise farbig gestalteten Wänden. Insbesondere die Aula erhält durch die grün-gelben Sitzstufen und den farbigen Sonnenschutz im Oberlicht eine besondere Stimmung.
Skizze Tageslichtkonzept
Grundriss Erdgeschoss
Längsschnitt
Mittelschule mit 3-fach Sporthalle Gersthofen
2018

Theresienstraße 12
86368 Gersthofen

Auftragsart
Öffentlicher Bau mit Wettbewerb

Bauherrschaft
Stadt Gersthofen

Architektur
Behnisch Architekten, Büro München
Stefan Behnisch, Robert Hösle, Thomas Weitzel (Projektleitung), Haidar Al-sitrawi (Projektarchitekt), Tobias Roos (Bauleitung)

Fachplaner
Landschaftsarchitekt: Liebald und Aufermann, München
Tragwerk: Leonhardt, Andrä und Partner, Stuttgart
Energiesimulation: Transsolar, Büro München
ELT Planung: IB Bamberger, Pfünz
HLS Planung: Frey Donabauer Wich, Gaimersheim
Küchenplanung: BOB, Bad Feilnbach
Bauphysik: PMI GmbH, Unterhaching
Baugrundgutachten: Büro für Geotechnik und Umweltfragen GbR, Eching
Brandschutz: Brandschutz Consulting Sonntag, München

Ausführende Firmen
Baustelleneinrichtung; Tausend GbR; Berlin
Baumeister; Lindermayr GmbH & Co. KG Hochbau - Tiefbau; Friedberg-Derching
Gerüstarbeiten; Hopfenzitz Gerüstbau GmbH & Co KG; Diedorf
Dachabdichtung; Werder Bedachungen GmbH; Leutersdorf
Stahlbauarbeiten; Finger; Breitenthal
Fassadenarbeiten; Metallbau Starz GmbH + Co KG; Aalen-Ebnat
Hinterlüftete Fassade; Holzbau Eberhardinger + Bosch; Senden-Wullenstetten
Wärmedämmverbundsystem; ifam GmbH; München
Schlosserarbeiten; Ernst Stahlbau GmbH; Vilshofen
Trockenbauarbeiten; YA Ausbau GmbH & Co. KG; Neu-Ulm
Metallbauarbeiten; BKM Mihla GmbH; Mihla
Systemtrennwände; Lindner AG; Arnstorf
WC-Trennwände; Röhl GmbH; Waldbüttelbrunn
Innentüren; H. Hüther GmbH; Hedemünden
Innengerüstbau; Uhle Gerüstbau GmbH; Deisenhausen
Estricharbeiten; Elmas Fußbodentechnik GmbH; Landsberg OT Queis
Bodenbelagsarbeiten; Fußbodenbau Biesenrode GmbH; Mansfeld
Fliesenarbeiten; Mahler Fliesen + Glasbau GmbH; Augsburg
Malerarbeiten; Hirsch GmbH; München
Schreinerarbeiten; Wehr GmbH; Kaltensondheim
Baureinigungsarbeiten; Sol Clean; Hohenbrunn
Schließanlage; Lutz GmbH; Gersthofen
MSR; Heller & Straulino Regeltechnik GmbH; Donauwörth
Heizung/Kälte; Stübiger Haustechnik; Selb
Sanitär; August Hopf Sanitärtechnik GmbH; Rommelsried
Technische Wärmedämmung; IBB Deutschland GmbH; Mertingen
Elektroinstallationen; Erhardt + Leimer Elektroanlagen GmbH; Augsburg
Brandmelden; Wiesent Sicherheitssysteme GmbH; Gilching
Aufzuganlage; Aufzugswerke Schmitt + Sohn GmbH + Co. KG; Nürnberg
Blitzschutz; Blitzschutzbau Müller; Langenwolschendorf
ELA und Medienausstattung; Jaggo Media GmbH; Sinzing
Amok-Anlage; phone GmbH; Augsburg
Einbruchmeldeanlage; Altmannshofer Sicherheits-Videotechnik ohG; Affing-Mühlhausen
WLAN; Rudi Otto Meyer Technik Ltd. & Co. KG; Aalen
Photovoltaik-Anlage; Graule Gebäudetechnik GmbH & Co. KG; Nördlingen
Landschaftsbauarbeiten; Josef Saule GmbH; Augsburg
Abbrucharbeiten BA2; Abenstein GmbH; Gersthofen
Abbrucharbeiten BA3; Schlösser Grund-und Tiefbau GmbH; Berg / Weiler
Fachraumausstattung Labore; Wesemann GmbH; Schkeuditz
Fachraumausstattung Werken; Justus Industriehandel; Aldingen
Lose Möblierung und Ausstattung; VS Vereinigte Spezialmöbelfabriken; München
Vorhänge + Verdunkelung; Buschhaus Raum- und Objektausstattung; Schneeberg
Beschilderung; Schmidt Werbetechnik GmbH; Regensburg
Küchentechnik; HoGaKa Profi GmbH; Ulm
Lüftung; Caverion Deutschland GmbH; München

Energiestandard
EnEV plus (ca. 50 % unter EnEV 2014)

Bruttogeschossfläche
Schule mit Sporthalle 12.506 m²

Gebäudevolumen
Schule mit Sporthalle 61.840 m³

Gesamtkosten
33.160.000 € brutto

Fotos
David Matthiessen
 

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