Russische Klosterkirche St. Georg, Milmersdorf-Götschendorf

Ein Zwiebelturm in der Uckermark

Katinka Corts
12. Juli 2017

Inmitten des uckermärkischen Götschendorfs haben Tchoban Voss Architekten die Russische Klosterkirche St. Georg gebaut. Sergei Tchoban beantwortet unsere Fragen zum Projekt.

Projekt: Russische Klosterkirche St. Georg  | Architektur: Tchoban Voss Architekten, Berlin | Bauherr: Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche, Patriarchat Moskau | vollständige Bautafel siehe unten

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Ein Kirchenbau ist bereits an sich eine besondere und herausfordernde Bauaufgabe. In diesem Fall bestand die zusätzliche Herausforderung darin, ein russisch-orthodoxes Kirchengebäude in einen protestantisch geprägten Ort einzuschreiben. Es war für uns wichtig, eine sowohl für den Auftraggeber Patriarchat Moskau, vertreten durch die Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche, als auch für den Standort Götschendorf zufriedenstellende Lösung zu finden.

Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Hauptsächlich kamen die Inspirationen von den russisch-orthodoxen Kirchengebäuden Nord- und Mittelrusslands. Die Schlichtheit ihrer Formen, die überwiegend helle Farbpalette, zurückhaltende Akzentsetzung und plastische ausgeführte Fassaden – diese Eigenschaften tauchen in unterschiedlichem Maße in der Klosterkirche St. Georg auf, wobei im Entwurfsprozess natürlich eine entsprechende Reduktion und Adaption stattfanden.

Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?
Das Grundstück befindet sich in einer sehr ländlich geprägten Gegend. Götschendorf, über mehrere Jahrhunderte im Besitz der Familie von Arnim gewesen, ist ein kleines, idyllisch am Seeufer gelegenes Dorf mitten in der Uckermark. Die Kirche entstand als Teil eines Ensembles aus ehemaligem Herrenhaus und Nebengebäuden, insofern war es sehr wichtig, den Neubau dezent in seine Umgebung einzufügen. Dazu gehören etwa eine angemessene Höhe, eine helle Farbgebung oder die gewählten Materialien Ziegelstein und Holz. Das Gesamtbild sollte möglichst natürlich wirken, die Kirche selbst zu einem selbstverständlichen Teil des Ensembles werden.

Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?
Die Hintergrundgeschichte ist spannend: Norbert Kuchinke, jahrelang als Nachrichtenkorrespondent im noch sowjetischen Moskau tätig, heckte die Idee aus, in der Uckermark ein russisches Kloster aufzubauen. Mit Hilfe seines Freundes und ehemaligen Abteilungsleiters in der Potsdamer Staatskanzlei Aribert Großkopf fand er ein passendes Grundstück – in Götschendorf. Mit dem Vorschlag, eine architektonische Lösung für dieses Vorhaben zu finden, kam Herr Kuchinke auf uns zu. Später im Entwurfsprozess gab es zahlreiche Gespräche und konstruktive Diskussionen mit dem Auftraggeber. Schließlich traf man sich in einer für alle annehmbaren Mitte.

Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?
In der Anfangsphase wurde eine ausdrucksstärkere Präsenz erwünscht und man fand durch viele Gespräche schließlich eine Lösung, die natürlich von den ersten Entwürfen abweicht. Von den zunächst weicheren, stärker ornamenthaften Formen – wie etwa gerundeten Dachformen – gingen wir zu schlichten Oberflächen mit wenigen Akzenten über. Wir hielten allerdings bereits in den Anfängen an der Idee fest, dass ein protestantisch geprägter Ort ein entsprechendes Bauwerk verlange.

Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Die Verkleidung mit den Handformziegeln sorgt für ein ruhiges, dezentes Erscheinungsbild. Zusätzlich geschlämmt, erhielt die Oberfläche eine fein schimmernde Nuance. Die Ziegelsteine funktionieren gut zusammen mit den graustichigen Holzschindeln der Dächer. 

Situation
Grundriss Erdgeschoss
Schnitt
Projekt
Russische Klosterkirche St. Georg 
Götschendorf 33
17268 Milmersdorf-Götschendorf

Auftragsart
Direktauftrag

Bauherr
Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche, Patriarchat Moskau

Architektur
Tchoban Voss Architekten, Berlin
Architekt: Sergei Tchoban
Projektpartner: Philipp Bauer
Projektleiter: Karsten Waldschmidt, Simon Bange, Dirk Kollendt, Katja Fuks
Team: Natalia von Krüchten, Ramona Schwarzweller, Ingo Schwarzweller

Fachplaner
Statik: Büro für Planung und Statik Dipl.-Ing. Thorsten Hoppe, Berlin
Elektroplanung: Zimmermann & Jung, Templin

Ausführende Firmen
KUSTE Baugesellschaft mbH, Mühlenbecker Land

Produkte/Hersteller
Handformziegel „Oud Damme“ - Fa. Wienerberger / Terca
Zierschindeln, runde Form, Eiche gespalten - Fa. Rapold
Wärmeschutzglas LG3 Therm - Fa. Linther Glas
Mineralische Feinschlämme für die Ziegel - Fa. Quck Mix
Mineralwolledämmung Kontur 035 - Fa. Isover

Bruttogeschossfläche
3.500 m²

Gebäudevolumen
4,868 m³

Gesamtkosten
ca. 3.000.000 € 

Fertigstellung
2017

Fotos
Lev Chestakov
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