Erweiterung und Sanierung Rathaus Sottrum

Sottrum
Perspektive Haupteingang
Visualització © Osterwold°Schmidt
Architects
Osterwold°Schmidt
Localització
Sottrum
Any
2023
Realisierungswettbewerb
1.Preis

Die Scholle zwischen Eichkamp, St.-Georg-Straße und Kirchstraße erfährt mit dem Rückbau des Gehöfts Kirchstraße 16 eine Schwerpunktsituation als Ortszentrum Sottrums.

Rathaus und Kirche bestellen künftig etwa gleichberechtigt dieses Areal und bilden ein Ensemble weltlicher und kirchlicher Anlaufpunkte für alle Gemeindemitglieder und Besucher.

Während der Park Am Eichkamp Freiraum um und vor der St.-Georg-Kirche bildet, wird das bereits angelegte Motiv des (Obst)baumbestanden Gartens an der früheren Schule ausgebaut zum umfließenden Bürgergarten.

Die Rathauserweiterung selbst erfolgt unter Fortführung der vorhanden Anlage. Dabei wird die Willkommensgeste der gen Norden stumpfwinklig zueinander gestellten Bauteile ausgebaut. Nach Süden wird der Bau so ergänzt, dass eine verzahnende Wirkung mit dem Bürgergarten entsteht. Auf diese Weise wird gleichermaßen eine einladende Geste gen Süd, Südwest erzeugt. Ein Eingang von diesen Seiten unmittelbar zum Foyer wird dadurch unkompliziert mehrseitig möglich. Dies und die ergänzte Wegeführung zwischen Kirche und Rathaus eröffnen neue Verknüpfungen zwischen der weiteren kulturell genutzten Nachbarschaft wie bspw. dem Heimathaus, dem Restaurant, dem Gemeindehaus, dem Schulweg mit dem Gebäudepotential der alten Schule und nicht zuletzt der Wegeverbindung zum merkantilen Zentrum der Gemeinde.

Prämissen für Rathausumbau und -erweiterung sind die Bildung eines baulichen Ensembles bei Berücksichtigung der vorhandenen Bausubstanz mit der Intention, das Rathaus mit selbstbewusster Symbolkraft zu entwickeln und gleichermaßen sensibel einen ergänzenden Baustein an dem Ort zu platzieren.

Zu diesem Zweck wird das Dach des 90er-Jahre Anbaus zurückgebaut - ebenso das symbolisch zu aufgeladene Turmbauteil ohne innenräumlichen Gewinn.

Der verbleibende eingeschossige Part (jetziger Saal) wird zum zentralen Foyer und Verbindungselement zwischen der nun südlich fortführenden baulichen Ergänzung und dem historischen Schulhaus.

Ein Satteldach über dem Neubauteil formiert in Verwandtschaft zum Ursprungsbestand ein Obergeschoss, so dass nun allseitig ein baulicher Verbund mit wechselseitigen Giebel- und Traufmotiven entsteht. Der eingeschossige, flach gedeckte Baukörper erklärt pavillonähnlich die Eingangssituation im Erdgeschoss sowie die Verbindung der jeweiligen Dachgeschosse.

Nach dem beschriebenen Eingangsbereich, der Raum zum Warten, zur Information, für multifunktionelle Nutzungen wie bspw. Ausstellungen oder Empfänge bietet, gliedern sich die Arbeitsräume der Gemeindeverwaltung als Zweibund im Altbau und als Dreibund im Neubau an. Unter Berücksichtigung der vorhandenen Raumstrukturen werden die Arbeitsräume im Bestand eingefügt - im Neubau sind entlang der Fassaden (1m-Raster) die neuen Arbeitsräume flexibel anordenbar. Gläserne Trennwände vermitteln Offenheit und Transparenz und gewährleisten gleichermaßen abgeschlossene Raumbereiche des ungestörten Arbeitens und Beratens. Die Mittelspange nimmt dienende Funktionen auf, die beidseitig effektiv erreichbar und nutzbar sind bzw. eine Querung zugunsten kurzer Wege ermöglichen. Hier werden neben den derzeit gewünschten Büroarbeitsplätzen Raumzonen geschaffen, das Miteinander und eine gemeinsame Basis unterstützen bzw. die als Treffpunkt für informelle Gespräche einladen. Die aktuell formulierten Raumbedarfe sind gemäß den Verwaltungsabteilungen angeordnet, stärker besuchsfrequentierte Bereiche finden Nähe zu Eingang und Foyer. Zusätzliche Türen im Außenwandanschluss der Büros können interne Kooperationen begünstigen.
Breite, einläufige Treppen und ein Lift erschließen (neben dem Bestandskeller) das neue Obergeschoss. Unter großzügigem zeltförmigem Dach finden der neue Saal, Trau- und Beratungszimmer sowie die Leitungsebene Raum. Die neuen vertikalen Erschließungselemente schaffen Zugang unmittelbar direkt vom Foyer oder auch bei Bedarf unabhängig von außen an der Südseite. Funktional ist eine Separierung der Raumzone Haupeingang, Foyer und Saal möglich bspw. für Abendveranstaltungen oder Wochenendnutzungen.

Das Dach über dem Foyer wird mit großzügigen Oberlichtern versehen, die auch in der Raumtiefe wertvolles Zenitlicht einfangen zugunsten einer hellen und freundlichen Atmosphäre. Auf dem Dach werden diese Oberlichter mit Sitzgelegenheiten eingefasst, die hier die zusätzlich begrünte Dachterrasse bereichern. Die Dachterrasse eröffnet räumlich gefasste Außenaufenhaltsbereiche als allgemeine Pausenflächen oder im besonderen bei Saalnutzungen und Trauungen. Gleichzeitig dient sie der barrierefreien Erschließung und Fluchtwegeanbindung des Dachgeschosses des ehemaligen Schulgebäudes, denn hier wird innenräumlich die Nutzung des bestehenden Treppenhauses vorgeschlagen.

Das Dachgeschoss des Altbaus erhält eine gleichmäßige feingliedrige Gaupenstruktur, die verträglich im äußeren Erscheinungsbild mit der Grundordnung des Fachwerkbaus agiert und im Inneren zweckmäßige Belichtungen der Arbeitsräume generiert. Es wird vorgeschlagen die Arbeitsbereiche hier mittels Möblierungen zu gliedern ohne einzelne Dachkabinette zu erzeugen. Schallschluckende Auskleidungen eröffnen auch hier die Einbeziehung des gesamten Dachvolumens zugunsten einer großzügigen Raumbildung. Das Raumsegment an der Südseite beinhaltet schließbare Räume für diskrete Bedarfe bzw. schallisoliertes Arbeiten. In diesem Sinne kann neben der langfristig flexiblen Raumteilung auch mit anders gestalteten Raumzonierungen für alternative Arbeitswelten experimentiert werden. Grundsätzlich folgt die dargestellte Möblierungstrennung den gewünschten Raumgrößen, und die neue Dachbelichtung ließe bei Bedarf auch konventionelle räumliche Trennungen zu.

Insgesamt wird im modernen Neubau und modernisierten atmosphärischen Altbau eine vielgestaltiges Raumangebot organisiert, das Arbeitslandschaften mit unterschiedlichen Raumzonen für Konzentration, Kommunikation und Inspiration, aber auch Räume für das kollegiale wie bürgernahe Zusammenkommen unterstützen. In diesem Sinne bieten das neue Foyer, Saal, Besprechungsräume respektive Trauzimmer Räume zum Treffen, Begegnen, Ausstellen, Repräsentieren, zum Wissens- und Meinungsaustausch für die Bürgerinnen und Bürger an.
Substanziell soll bis auf Turm und Dach des 90er Jahre Baus ein Maximum Einbindung in die Rathauserweiterung finden. Diese Bauteile werden ebenso wie der historische Bau energetisch mit natürlichen Baustoffen ertüchtigt. Die Neubauergänzung wird als Holzbau konstruiert. Dabei wird die Tradition des Fachwerkbaus mit der Holzrahmen-/tafelbauweise für Wände, Decken, Dach kombiniert, so dass ein nachhaltiger Bau aus maximal nachwachsenden und natürlichen Rohstoffen erstellt wird. Wandsegmente an Treppen, Aufzug und Mittelsegment bilden neben den Außenwandbereichen tragende und aussteifende Konstruktionselemente. Die Büroraumzonen bleiben dadurch langfristig frei teilbar. Die gleichmäßige klare Befensterung mit Dreifachverglasung kann mit Faltscherenläden zum Sonnenschutz geschlossen werden und erzeugt im Rhythmus der Gliederung Verwandtschaft zum Fachwerk von Ursprungsbau und erste Ergänzung.

Neben der Dachbegrünung von Dachterrasse und großen Gaupen wird für die Dachdeckung eine Flachsteindeckung vorgeschlagen mit flächig integrierten Fotovoltaikelementen. Sie sorgen für Gewinn und Nutzung regenerativer Energien und fügen sich maximal unauffällig in die Dachlandschaft ein.

Insgesamt entsteht ein stattliches Gebäudeensemble, das die Eigenständigkeit der epochalen Bauteile bewahrt und miteinander agiert als repräsentative Vertretung für die Bürgerinnen und Bürger der Samtgemeinde Sottrum. Die Offenheit und Zugänglichkeit des neuen Rathauses symbolisiert sich zudem nicht zuletzt durch die allseitige Nahbarkeit über den Bürgergarten zum und in das neue Haus.

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