Altes im Neuen

Hild und K
11. de març 2020
Das ursprünglich auf dem Baugrundstück stehende Haus aus der Gründerzeit konnte aufgrund tiefgreifender baulicher und energetischer Mängel nicht erhalten werden. (Foto: Michael Heinrich)

Hild und K verwenden Spolien für die Fassade ihrer Wohnhäuser in Nürnberg. Andreas Hild wählt fünf Bilder und drei Pläne und beantwortet unsere Fragen zum Projekt.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Die Nürnberger Werderstraße, an der die Wohnanlage liegt, gehört zu einem gründerzeitlich geprägten Viertel. Aufgrund tiefgreifender baulicher und energetischer Mängel konnte das ursprünglich auf dem Baugrundstück stehende Haus nicht erhalten werden. Um zumindest die Erinnerung daran weiter zu tragen, entschlossen sich Andreas Hild, Dionys Ottl und Matthias Haber dazu, historische Fassadenteile als Spolien in die Brüstungen der neuen Loggien zu integrieren. Teils ornamental verzierte Sandsteinelemente führen hier ein neues Leben.

Um zumindest die Erinnerung daran weiter zu tragen, entschlossen sich die Architekten dazu, historische Fassadenteile als Spolien zu integrieren. (Foto: Michael Heinrich)
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?

Die Loggien beziehen sich in ihrer Materialität wie auch bautypologisch auf die für die nahegelegene Nürnberger Altstadt charakteristischen flachen Erker.

Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?

Um die Bebauung auch über die Straßenfassaden hinaus stimmig in den gewachsenen Kontext zu integrieren, war es entscheidend, die Körnigkeit des gesamten Viertels nicht zu durchbrechen. Zur Herausforderung wurde dies, weil im Zuge der Neubebauung zwei ehemals eigenständige Parzellen zusammengelegt wurden. Die Lösung bestand in der Errichtung von drei unterschiedlich hohen, hintereinanderliegenden Gebäuden, die jeweils durch Grünflächen miteinander verbunden sind. Durch einheitliche Farbgebung und Fassadengestaltung werden sie auch optisch zusammengefasst. Hierzu gehören kleine Putzreliefs und die ornamental ausgeführten Absturzsicherungen, die das Gesicht der Anlage prägen.

Teils ornamental verzierte Sandsteinelemente führen in den Brüstungen der neuen Loggien ein neues Leben. (Foto: Michael Heinrich)
Bautypologisch entsteht ein Bezug zu den für die nahegelegene Nürnberger Altstadt charakteristischen flachen Erkern. (Foto: Michael Heinrich)
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?

Das Projekt lässt sich auch als Beitrag zur aktuell in der Architekturszene aufkommenden Debatte um „Urban Mining“ lesen. Hild und K verstehen die gebaute Stadt als einen Vorrat an Baustoffen, aber auch an Zeichen. In der Substanz durchdringen sich materielle und ikonographische Ressourcen. „Urban Mining“ darf deshalb nicht bei der bloßen Weiterverwendung bestimmter Materialien verharren, sondern erfordert einen bewussten Umgang mit der vorhandenen Zeichenwelt und den darin gebundenen Erinnerungen.

Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?

Die Sandsteine aus dem Rückbau der alten Fassade wurden ergänzt durch Nürnberger Burgsandstein aus dem eigenen Steinbruch der ausführenden Firma. Die Spolien wurden zurechtgesägt und aufbereitet, die fehlenden Steine in der Werkstatt behauen.

Der Neubau integriert sich stimmig innerhalb des gründerzeitlich geprägten Viertels. (Foto: Michael Heinrich)
Lageplan (Zeichnung: Hild und K)
Grundrisse Regelgeschosse (Zeichnung: Hild und K)
Schnitte (Zeichnung: Hild und K)
Wohnen an der Werderstraße
2019
Werderstraße 23
90489 Nürnberg

Auftragsart
Direktauftrag 
 
Bauherrschaft
Schultheiss Wohnbau AG, Nürnberg
 
Architektur
Hild und K Architekten, München Berlin
Andreas Hild, Dionys Ottl, Matthias Haber
Projektleitung: Susanne Welcker

Bauträger
Schultheiss Wohnbau AG
 
Ausführende Firmen
Natursteinarbeiten, GS Naturstein, Fürth
 
Hersteller
Die Sandsteine aus dem Rückbau der alten Fassade wurden ergänzt durch Nürnberger Burgsandstein aus dem eigenen Steinbruch der Firma GS Naturstein.

Bruttogeschossfläche
rd. 6.000 m²
 
Gebäudevolumen
rd. 19.500 m³

Gesamtkosten
k.A.
 
Fotos
Michael Heinrich

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