Tröstlich dank heiterer Gelassenheit

In den Farben ist der Cafépavillon auf seine Umgebung abgestimmt. Sie spiegelt sich in den reflektierend beschichteten Fenstern, in der Linie zwischen Verglasung und Attika zeichnen sich die Raumformen des Innern ab.
Der Dürener Friedhof ist neben seiner eigentlichen Funktion als Park auch eine wichtige Grünanlage für das angrenzende Quartier. Um dieser Doppelfunktion gerecht zu werden, entstand 2010 hier ein Pavillon, der als Café genutzt wird, aber auch eine Trauergemeinde nach der Trauerfeier aufnehmen kann. Die Architekten Björn Martenson, Sonja Nagel und Jan Theissen entwickelten diesen Pavillon als kompaktes Volumen auf quadratischem Grundriss, das drei Kerne für WC, Küche mit Lagerraum und der Behindertentoilette umschließt. Diese Kerne zonieren den Gesamtraum in drei ineinander übergehende Bereiche, die durch das Dach als je eigene Raumform ausgebildet sind. Mit diesen Raumformen wird spezifisch auf die Umgebung reagiert: In Richtung Friedhofseingang öffnet sich der Raum mit einem Pultdach, zum Friedhofspark hin klappt das Dach über Eck in zwei Richtungen auf, so dass sich eine an ein Zeltkonstruktion erinnernder Raum ergibt. Der zur Aussegnungshalle hin orientierte Bereich schließlich ist mit einem Tonnengewölbe überspannt. Es ergeben sich so Räume unterschiedlicher Intimität; die Balance zwischen Geborgenheit und Öffnung nimmt Rücksicht auf die besondere Stimmung, in der Menschen sein können, wenn sie an einem solchen Ort ein Café aufsuchen.
Nur wenn der Pavillon im Innern beleuchtet ist, erkennt man die skulpturale Prägung der Innenräume.
Daher wurde auch auf jede Form der Außenbewirtschaftung verzichtet; die spiegelnden Scheiben schließen den Körper zudem zusätzlich ab. Dass der Körper trotzdem nicht abweisend und hermetisch wirkt, liegt zum einen daran, dass sich die unterschiedlichen Dachformen außen in der Fassade als Kontur zwischen Verglasung und Attika belebend abzeichnen. Zum anderen wurde die die Attika abschließende, tragende Schichtholzplatte so profiliert, dass der Rahmen der Verglasung dahinter verschwindet. Das Glas wirkt so wie ein dünnes, gespanntes Tuch, leicht und diaphan.
Vom Gastraum mit dem zweiseitig aufgeklappten Dach blickt man in den Friedhofspark.
Da der Pavillon nicht teuer sein durfte und schnell errichtet werden sollte, musste mit einfachen Mitteln eine warme und angenehme Atmosphäre erzeugt werden. In die Bodenplatte, die an den Rändern zu einem niedrigen Sockel aufgefaltet wurde, ließen die Architekten Alpendolomit einstreuen, bevor sie geschliffen und imprägniert wurde; Wände und Dach sind aus vorgefertigten Massivholzelementen gefertigt, die technische Infrastruktur in das Dach integriert. Die im Innern sichtbaren Holzoberflächen der Kreuzlagenelemente sind lediglich geschliffen und in einem Champagnerton lasiert, der sowohl mit den Farbtönen im Außenbereich als auch mit den bronzenen und angenehm schlanken Fensterprofilen harmoniert, ohne den Charakter des Holzes zuzudecken.
Den Architekten gelang es, die Balance zwischen Präzision und Veredlung des Materials und einer dem Gebrauch zugänglichen Offenheit zu halten.
Den Architekten gelang es, die richtige Mischung aus Veredlung und dem Rauen zu halten, um nicht die Entstehungsbedingungen des Hauses leugnen zu müssen, die ihm seinen spezifischen Charakter geben. Es liegt in dieser fast heiteren Gelassenheit, die Perfektion gar nicht erst anstreben will, durchaus auch Tröstliches. Etwas zu bedauern ist, dass die Möblierung wenig Rücksicht auf die besondere Atmosphäre nimmt, die hier entstanden ist.
Christian Holl
DIe Konzeptskizze verdeutlicht, wie sich die Raumprofile im Zusammenspiel mit der Umgebung entwickelt und umgesetzt wurden.
Lageplan
Grundriss
Trauer und Begegnungsstätte
Friedhof Düren Ost
2010
Friedensstraße 76
52351 Düren

Auftraggeber
Dürener Service Betrieb

Architektur
amunt, Martenson und Nagel Theissen
Aachen, Stuttgart
mit Elmar Heimbach (Vorentwurf)

Projektleitung
Björn Martenson

Tragwerksplanung
Wallrafen Hubert
Ingenieurbüro für Baustatik

Bruttogeschossfläche
150 m²

Fotografie
Brigida González