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Luthergedenkquartier
Alt und Neu vertragen sich hier ausgezeichnet
Fotos: Bernd Hiepe, Berlin

Sage niemand, die Unesco dulde keine Gegenwart an den Stätten des Welterbes. 1996 stellte sie Geburts-, Sterbehaus und Luthers Wirkungsstätte in Wittenberg unter Schutz und duldete dennoch, dass zu Beginn des dritten Jahrtausends Um- und Neubauten dem Ensemble in Eisleben ein neues Gesicht verliehen. Das Geburtshaus des Reformators Martin Luther (1483-1546) wurde nach einem Brand 1683 wiederaufgebaut und darf als eines der ersten deutschen Geschichtsmuseen gelten. Von Stüler etwa 1865 etwas barockisiert und mit einem Gärtchen versehen, stand die letzte Renovierung 1979-83 an. Nach der Wende genügten Räume und Ausstellung nicht mehr den Ansprüchen, die Touristen und Museumsleute heute stellen. Abgesehen davon schrumpft Eisleben und braucht dringend neue Beschäftigungsfelder und Einnahmequellen. Die Berliner Springer Architekten bauten ab 2001 das vermeintliche Geburtshaus um und ergänzten es mit zwei Neubautrakten zu einem jetzt 700 Quadratmeter großen Museum.
Die Innenräume: unspektakulär und angenehm
Der neue Eingang leitet in einen Rundgang über, der auch durch das Geburtshaus und die Armenschule  führt. Hier wird kein Kontrast inszeniert, sondern das Selbstverständliche in den Kontext kontinuierlicher Erneuerung integriert. Ziegelflächen – rötlich-grau schimmernder, Egernsunder Ziegel aus Dänemark – und Fenster aus goldfarbig eloxiertem Aluminium sowie Lamellen aus Beton bestimmen das Erscheinungsbild der Neubauten, die stadträumliche Lücken sinnvoll schließen.
Material und Struktur des Neubaus passen in die Umgebung, in der er nicht fremd wirkt
Das Interieur verzichtet auf alles Modische. Parkett und weiße Wände bilden den Hintergrund für die Lutherausstellung in einem Haus, in dessen Vorläufer der Reformator nur kurz gelebt hat, bevor die Familie nach Mansfeld zog. Doch Eisleben braucht die geschichtlich interessierten Touristen, wo es vom Bergbau nicht mehr leben kann. Mit dem Luther-Geburtshaus-Ensemble ist es um eine gelungene Attraktion reicher.

Ursula Baus