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Es lebe die Freiheit!
Hoch über dem pfälzischen Edesheim erinnert man im Hambacher Schloss an eine frühe Sternstunde der Demokratiebewegungen.

Fotos: Wilfried Dechau, Stuttgart
Ende Mai 1832 stürmten zwanzig-, vielleicht dreißigtausend Freiheit liebende Menschen "hinauf, hinauf aufs Schloss!" – in der ersten großen Demokratiebewegung vor der Revolution 1848. Pfälzer, bis 1801 Mitglieder der Französischen Republik, lebten seit dem Wiener Kongress unter Bayerischer Herrschaft. Das konnte nicht gut gehen. Auch andernorts regte sich Widerstand gegen jegliche Unterdrückung. Pressefreiheit und politische Anerkennung der Frauen waren nur zwei von vielen Forderungen, mit denen man sich 1832 zum "Hambacher Fest" traf. Die Demokratie ließ sich nicht aufhalten, und so darf man dem Hambacher Schloss für die deutsche Geschichte wohl eine bemerkenswertere Bedeutung beimessen als den Schlachtfeldern im Teutoburger Walde.
Neue Treppen, neuer Aufzug
Das Schloss wurde nach einer wechselvollen Geschichte – bis Anfang der fünfziger Jahre eine Ruine – Anfang der achtziger Jahre erstmals renoviert und 2002 in die Hände einer neuen Stiftung gegeben. Max Dudler baute das komplexe Ruinen-Bauwerk erneut um und wird es in den nächsten Jahren mit einem Neubau unterhalb der Burg erweitern.
Die Architekten räumten die Umbauspuren der achtziger Jahre mit guten Gründen beiseite und zogen eine dezente, gleichzeitig sehr konsequente, neue Schicht in die Altbausubstanz. Akkurat verarbeiteter Stein, Stahl und Glas harmonieren exquisit mit dem alten Gemäuer. Mit einem Aufzug sind die wichtigen Räume behindertengerecht erschlossen. Der große Veranstaltungssaal erhielt eine schwarze, mit Sternenlichtlein bestückte neue Decke und ein neues Holzparkett.
Sternenhimmel wie weiland über der Ruine: Eleganz statt rustikaler Burgenromantik im Veranstaltungssaal
Ein kleines Restaurant auf der Saalebene ist mit einer homogenen Lichtdecke versehen und so eingerichtet, wie man es von Max Dudler kennt: mit schwarzen Möbeln, Variationen des Quadrates, nichts Dekorativem. Der knochentrockenen, geometrisch rigiden Architektur Dudlerscher Manier bekommt das Zusammenspiel mit einem Konglomerat aus alter Bausubstanz ausgesprochen gut. Und umgekehrt ist es genau so: Die nicht besonders schöne Ruine profitiert von der klaren Restaurationslinie. Damit ist die Messlatte für die atmosphärische Qualität das Neubaus allerdings sehr hoch gelegt.

Opulente Ausstellungsarchitektur auf der obersten Ebene

Für das Ausstellungsdesign in der dritten Ebene kann Dudler wahrlich nichts. Eine andere Empörung, die nichts mit der Architektur, aber mit ihrer Wertschätzung dann doch zu tun hat, zum Schluss: Der Eintritt ins Schloss kostet pro Person 8 Euro. Hier wird Grundlagenwissen deutscher Demokratiegeschichte vermittelt, Staatsbürgerkunde geübt – der Zugang zum Hambacher Schloss muss unbedingt kostenlos sein!
Ursula Baus
EGOGQuerschnittLageplan mit Neubau