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Klassiker in zweiter Reihe

Der Weg zum Haus in zweiter Reihe.
Der Weg zum Haus in zweiter Reihe.
Die coolen Architekturfotografien lassen zunächst an die gläserne Villengrandezza von Mies van der Rohe und Johnson denken. Aber an Ort und Stelle, nahe Ulm, findet man einen dezenten, gar nicht großen Bungalow in zweiter Reihe, zwischen üblichen, eher kleinen Wohnhäusern aus dem 20. Jahrhundert. Das Baugrundstück ergab sich aus der Teilung eines größeren Gartenareals, die Nachbarschaftshäuser stehen gerade mal 5 bis 10 Meter entfernt, und Zäune gibt es nicht. Die ursprüngliche Eigentümerin des Grundstücks, die noch nebenan wohnt, ließ sich von den Interessenten die jeweiligen Hausentwürfe vorlegen – und entschied sich dann für das nun realisierte Konzept.
Die Fotoperspektive für den "Klassiker".
Die Fotoperspektive für den "Klassiker".
Bauherr und Architekt kennen sich seit langem, und die Kompromisslosigkeit, mit der eine schlichte, klare Raumgeometrie für das Haus entworfen wurde, bedurfte kaum der Überzeugungskraft des Architekten. Die leichte Hanglage wird im Gebäude mit zwei geschickt positionierten, graubraunen Wandscheiben aufgefangen; um diese herum legen raumhohe Glaswände vor klassisch profilierten, feinen Stahlstützen (Abstand 4,50 m) die Kontur des Baukörpers fest. Neben diesen zwei vertikalen Scheiben fixieren zwei horizontale Platten – Grundplatte und weit auskragendes Dach – die Proportion des Baukörpers. Terrasse und Eingang gehen dabei genauso grenzenlos ineinander über wie Wohn- und Esszimmer. Kochnische, Lese- und Schlafzimmer mit Sanitärbereich rücken als Neben- beziehungsweise Privatbereiche etwas zurück.
Die Seitenfassade; rechts im Souterrain die Garage.
Die Seitenfassade; rechts im Souterrain die Garage.
Konstruktiv tadellos durchgearbeitet, zeichnet sich das Haus auch durch energetisch ambitionierte Bautechnik aus. Auf dem 2 bis 4,5 m weit auskragenden Dach ist eine Photovoltaikanlage montiert, Geothermie wird mit einer hocheffizienten Wärmepumpe genutzt – so wird mit dem Haus letztlich mehr regenerative Energie erzeugt als verbraucht. Eine automatische Steuerung der bautechnischen Apparaturen wäre teuer geworden, so verzichteten die Bauherren darauf und haben nun durchaus üppige Schalterfelder an der Wand – Indiz eines sympathischen Pragmatismus.
Wohnzimmer, Esszimmer und Kellertreppe in einem Raum. Rechts die Schiebewand, mit der die Küchennische geschlossen werden kann.
Wohnzimmer, Esszimmer und Kellertreppe in einem Raum. Rechts die Schiebewand, mit der die Küchennische geschlossen werden kann.
Wie wohnt man hier? Die Frage grenzt an Indiskretion – wie bei jedem Haus, das von einer Norm oder einer Konvention abweicht oder wie ein Manifest daherkommt. Die Großzügigkeit, die der Innenraum ausstrahlt, ist der Tatsache zu danken, dass man sich drinnen "wie draußen" fühlt. Eine solche durchaus extrovertierte Art des Wohnens mag nicht jedermanns Sache sein. Die Bauherren wohnen hier aber bereits über ein Jahr, fühlen sich ausgesprochen wohl und sehen ihre Lebensweise bestens in Architektur umgesetzt.
Ursula Baus
Im Nordwesten geschützt zwischen Wandscheiben: Schlafzimmer (links) und Küche.
Im Nordwesten geschützt zwischen Wandscheiben: Schlafzimmer (links) und Küche.
Querschnitt
Querschnitt
Längsschnitt
Längsschnitt
Erdgeschoss
Erdgeschoss
Wohnhaus bei Ulm
2011

Ulm

Bauherr
privat

Architekt
Werner Sobek
Stuttgart

Projektleiterin
Petra Michaely

Bauleitung
Werner Sobek
Stuttgart

Tragwerksplanung
Werner Sobek
Stuttgart

Haustechnik
WSGreen Technologies
Stuttgart

Bruttogeschossfläche
230 m²
(inkl. UG und anteiliger Berücksichtigung der Terrasse)

Baukosten
k.A.

Fotografie
Zooey Braun

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Soeben wurde der Baulöwe Jürgen Schneider zum Theaterstar: Dadurch kommen sich Immobilienbranche und Baukultur durchaus noch nicht näher (http://www.theater-projekt-stuttgart22.de/SchneiderInhalt.html, Bild: Daniela Aldinger)
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