Offen oder geschlossen, je nach dem

Das von einer Lamellenfassade eingehüllte Zentrum für Energietechnik wirkt über Eck be-trachtet als abstraktes, skulptural komponiertes Volumen.
Es muss kaum betont werden, dass Energietechnik eines der Schlüsselgebiete aktueller Forschung ist. Hier setzt auch die TU Dresden Schwerpunkte, für die Forschung wurde 2010 das Zentrum für Energietechnik, kurz ZET eingeweiht. Vier Institute sind darin untergebracht. Die Erwartungen an die Architekten Knerer und Lang, deren Entwurf verwirklicht wurde: Sie hatten zu berücksichtigen, dass neue Technologien und die Kombination verschiedener Ansätze über immer neue Versuchsanordnungen getestet werden können müssen.
Ansicht von Süden mit geöffneten Erdgeschosstoren. In der Frontalansicht werden Fenster und Treppenhaus hinter dem Lamellenvorhang gut ablesbar.
Das ZET auf dem innenstadtnahen Universitätsgelände berücksichtigt diese Anforderungen und macht sie sichtbar. Je nach technischen Anforderungen kann es an immer wieder anderen Stellen perforiert und geschlossen werden; eine je nach Standort geschlossen oder transparent wirkende Fassade übersetzt diese Flexibilität in eine architektonische Sprache. Der Neubau, eine Stahlbetonkonstruktion, wird Elementen aus gezogenen Aluminiumprofilen eingehüllt; eine matte Beschichtung verhindert Reflexionen, leichte Vorsprünge strukturieren die Fläche. Die Ansaugöffnung für einen Windkanal zeichnet sich, perspektivisch eingerahmt, an der Eingangsfront ab, eine Photovoltaikanlage wurde an der nach Süden orientierten Attika angebracht und gibt ein Beispiel, wie so etwas bei Wohn- oder Bürohäusern gemacht werden könnte. Getönte und geschosshohe Verglasungselemente an der Ostseite sind präzise in die sorgfältig detaillierte Fassade eingefügt. Türen und Fenster werden ansonsten so integriert, dass das Volumen als Einheit wahrnehmbar wird.
Blick in das Innere des vier Institute und 40 Versuchsanlagen aufnehmenden Neubaus.
Die vier Institute werden über eine gemeinsames und großzügiges, helles Treppenhaus erschlossen, über das auch die Verbindung zu den angrenzenden Bestandsbauten hergestellt wird. Große Galerieflächen dienen der beiläufigen Kommunikation und dem spontanen Gedankenaustausch. Insgesamt 40 Versuchsanlagen zur ressourcenschonenden Energiebereitstellung sind miteinander vernetzt und liefern dabei auch Strom und Wärme für die Universität. Das kompakte Volumen, das sich Höhenentwicklung und Platzierung trotz der eigenständigen Gestalt selbstverständlich in die Gesamtanlage der Universität einfügt, minimiert die Außenfläche und ist auch in dieser Hinsicht ein Beispiel für ein Prinzip energiesparenden Bauens. Denn das weiß man auch: Architektur ist, wenn es um die Energiewende geht, eine Schlüsseldisziplin.
Christian Holl
Lageplan
Grundriss Erdgeschoss
Längsschnitt in Nord-Süd-Richtung
Zentrum für Energietechnik der TU Dresden
2010

George-Bähr-Straße 3b
01069 Dresden
 
Bauherr
Freistaat Sachsen
vertreten durch den Staatsbetrieb
Sächsisches Immobilien- und Baumanagement
Niederlassung Dresden II
 
Architekten
knerer und lang Architekten
Dresden
 
Projektleiter
Gunnar Sellien
 
Tragwerksplanung
Büro für Baukonstruktion
Dresden
 
Haus- und Kraftwerkstechnik
GESA GmbH, Dresden
 
Elektrotechnische Anlagen
IP Herzog
Riesa
 
Bauphysik
Bauphysik @ Integrierte Planung
Kai Rentrop Wolfgang Sorge GbR
Berlin
 
Brandschutz
Thiele Brandschutz GmbH
Dresden
 
Bruttogeschossfläche
4.369 qm
 
Baukosten
16,4 Mio. Euro netto
KG 200-500
 
Fotos
Jens Weber
München