An der Mauer

Blick entlang der Lübecker Wakenitzmauer.
Der historische Stadtkern von Lübeck ist von verschiedenen Wasserläufen und Resten der ehemaligen Wallanlagen umgeben. Im Westen wird die Altstadt-Insel von der Trave, im Osten ursprünglich von der Wakenitz, seit 1900 vom Elbe-Lübeck-Kanal umflossen, der beim Burgtor in die Trave mündet. Das außerhalb der alten Stadtmauer gelegene Gelände der Musik- und Kunstschule im Dreieck der Straßen Kanalstraße, Weiter Lohberg und Wakenitzmauer, sucht man auf alten Lübeck-Stadtplänen vergeblich. Dort, wo die Musik- und Kunstschule seit 1992 ansässig ist, war um 1830 noch der bastionsartig in die Wakenitz hineinragende Rosenwall. Und wo jetzt die Kindertagesstätte der Musik- und Kunstschule gebaut wurde, waren kleine Gärtchen am Ufer der Wakenitz.
Entlang der Kanalstraße konnte ein kleiner Platz freigehalten werden.
Die Kindertagesstätte wurde so geschickt im rückwärtigen Bereich arrangiert, daß auf dem Gelände der Musik- und Kunstschule zur Kanalstraße ein großzügiger, öffentlich genutzter, parkartiger Hof freigehalten werden konnte. Ein eingeschossiger Riegel – mit Personal-, Technik- und Nebenräumen – duckt sich entlang der Wakenitzmauer und nimmt die Höhe der alten Stadtmauer auf. Die Gruppenräume der Kinder befinden sich in einem dreigeschossigen, kantigen Backstein-Quader, dessen klare Form nur durch knapp auskragende, mit Holz verkleidete und verglaste Loggien unterbrochen und aufgelockert wird.
Auf den ersten Blick wirkt das Mauerwerk, als sei es aus Abbruchziegeln geschichtet – was ursprünglich wohl auch geplant, aber aus Kostengründen verworfen worden war. Aber die schließlich ausgeführte Lösung ist beileibe keine »zweite Wahl«: Hebrock-Ziegel in sogenannter Fuß-Sortierung, das heißt, etwa ein Drittel der Steine zeigen ihre »schlechtere« Rückseite nach außen. Gestalterisch ein äußerst geschickter Schachzug. Die Dosierung muß halt stimmen.
Gruppenräume (links) und Treppe zum OG.
Für die Architekten, die ihr Büro gleich vis à vis (in der Kanalstraße 52) haben, war das natürlich ein »Heimspiel«. Aber es ist ihnen keineswegs in den Schoß gefallen. Der Beauftragung ist im Februar 2009 ein Gutachterverfahren vorausgegangen. Danach ging es Schlag auf Schlag: Fertigstellung im März 2011 und ein paar Wochen später gleich das Sahnehäubchen: BDA-Preis Schleswig-Holstein. Glückwunsch.
Wilfried Dechau
Elementarraum III im 1.OG.
Lageplan
Erdgeschoss
1. Obergeschoss
2. Obergeschoss
Kindertagesstätte
Musik- und Kunstschule
2011

Kanalstraße 42-48
23552 Lübeck

Auftraggeber
Musik- und Kunstschule Lübeck e.V.
Lübeck

Architektur
petersen pörksen partner
architekten + stadtplaner | bda
Lübeck

Projektleitung
Carsten Burghardt

Bauleitung
petersen pörksen partner
architekten + stadtplaner | bda
Lübeck

Tragwerksplanung
Ing.-Büro C.Back
Lübeck

Haustechnik
Energieberatungsgesellschaft mbH
Lübeck

Landschaftsarchitektur
Sven Andresen
Lübeck

Bruttogeschossfläche
1.050 m²

Baukosten
1,7 Mio. € (Bauwerkskosten)

Fotografie
Stephan Baumann