Aufgetaucht

Auch tagsüber – ohne buntes Licht – überzeugt die Architektur des neuen Eingangs des Kulturzentrums in Herne.
Alles andere als einen einladenden, freundlichen Eingang hatte das Kulturzentrum der Stadt Herne jahrelang zu bieten. Man musste eine breite Treppe ins Untergeschoss hinabsteigen, um vorbei an der Garderobe wieder ins Erdgeschoss und somit ins Foyer zu kommen. Das hat sich durch den Umbau nun glücklicherweise geändert. Der neue Haupteingang liegt am angrenzenden Willi-Pohlmann-Platz – zum Platzniveau leicht erhöht. Ein großes Vordach, das eine im 45-Grad-Winkel abgeschrägte Ecke des Altbaus zu einem rechten Winkel ergänzt, deutet bereits von Weitem auf das Kulturzentrum hin und schützt die Gäste vor Regen oder Sonne.
Die Materialien – innenprismierte Kunststoffröhren –, und der Kontrast zwischen hellen und dunklen Farben spielen außen und innen eine wichtige Rolle. Die Hülle des quadratischen Aufzugsturms und das Dach wurden aus diesen Röhren hergestellt. Tragende Elemente sind einmal dünne Betonstützen, die einen Bezug zur Fassade des Altbaus herstellen, das andere Mal eine Stahlkonstruktion.
Die breite Treppe führt vom Foyer zu Garderobe, Toiletten und Tiefgarage. Dort unten betrat man früher das Gebäude.
Im Foyer tauchen die Röhren in Form kleiner Tische wieder auf, und auch der Treppenabgang zur Garderobe im Untergeschoss wird von ihnen geprägt. Für die neue, offene Decke griffen die Architekten dieses Motiv nochmals auf. Das Blech wurde perforiert und unterhalb der Unterzüge montiert. Dadurch ließ sich im Deckenzwischenraum die komplette Lichttechnik verstecken. In unregelmäßigen Abständen angeordnet, lassen die Leuchten immer wieder Lichttupfer entstehen, so dass sich nicht alles zu einer einheitlichen Licht-Soße vermischt.
Das Herz des Foyers ist jedoch der fast 80 Quadratmeter große Loungebereich, der mit einem separaten Bodenbelag wie ein großes Möbelstück in den Raum gestellt ist. An zentraler Stelle ordneten die Architekten die integrierte Theke an, deren Ausführung allerdings nicht überzeugt. Die messingfarbene Oberfläche lässt vermuten, dass sie beim Anfassen kühl ist – Metall eben. Stattdessen spürt man warmes Holz, das lackiert worden ist. Eigentlich hätte es hier überhaupt keines anderen Farbtons bedurft, denn die roten Sessel bringen das nötige Quäntchen Farbe ins Spiel.
Die alte Decke ragte weiter in den Raum herunter. Durch die neuen, offenen Deckensegel, die akustisch unwirksam sind, konnte die Raumhöhe vergrößert, die Akustik verbessert werden.
Noch nicht ganz fertig ist der große Saal. Bodenbelag und Stühle sollen erst noch ausgetauscht werden. Neu sind dagegen die weißen, aus Gipskartonplatten gearbeiteten Deckensegel, bei denen die Kreisform im Negativ wieder auftaucht. Hinter einigen der ausgestanzten Löcher verbergen sich geschickt Leuchten, Drallauslässe, Heiz- und Kühlelemente und Tontechnik, darüber verschwinden die Träger der Rohdecke. Ganz besonders ist die noch aus der Bauzeit vorhandene Wand zwischen Stadthalle und Foyer. Denn sie wird, um diese beiden Räume miteinander zu verbinden, nicht gefaltet und zur Seite geschoben, sondern nach unten in den Boden versenkt.
Absolut nicht zu verstehen ist die von offizieller Seite aus vorgegebene Arbeitsteilung für den Außenbereich. Das Geländer, das den erhöht liegenden Eingangsbereich zum Platz abschließt, durften Reiser & Partner Architekten nicht mehr gestalten. Dies sollte man wissen, bevor man zu einem Ortstermin aufbricht. Denn wegen dieser weißen, undurchsichtigen Glasscheiben – einer völlig unnötigen optischen Barriere – darf kein falscher Eindruck vom Konzept der Architekten entstehen, die aus einem schnöden Bau einen ansprechenden Ort für Kultur haben werden lassen.
Simone Hübener
Lageplan
Grundriss
Schnitt durch Saal und Foyer
Kulturzentrum Herne
Willi-Pohlmann-Platz
44623 Herne

Baujahr
1976

Umbau
2010

Auftraggeber
gmh Gebäudemanagement
Herne

Architektur
Reiser & Partner Architekten BDA
Bochum

Projektleitung
gmh: Herr Voits
Reiser & Partner: Herr Godau, Herr Schäfer

Lichtplanung
Dinnebier Licht

Innenarchitektur
Innenarchtitektin Wisk

Bruttogeschossfläche
2.135 m²

Baukosten
3,7 Mio. €

Fotos
Deimel + Wittmar Fotografie (1, 2)
Dirk Krüll (3)