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Rückkehr in den Neubau

Dank der sorgfältigen Ausführung gelingt es, den Baukörper des Collegiums zwischen fremd und abstrakt einerseits und vertraut andererseits changieren zu lassen.
Dank der sorgfältigen Ausführung gelingt es, den Baukörper des Collegiums zwischen fremd und abstrakt einerseits und vertraut andererseits changieren zu lassen.
1924 wurde in der Dorotheenstraße in Berlin das Collegium Hungaricum für die Förderung begabter junger ungarischer Forscher und Wissenschaftler eröffnet. Nach dem Ende des Krieges wurde erst 1973 in Ostberlin eine äquivalente Einrichtung ins Leben gerufen, doch nach 1989 war dieses “Haus der ungarischen Kultur” obsolet geworden. Es gelang Ungarn, das Grundstück in der Dorotheenstraße wieder zurückzuerwerben und im vergangenen Dezember konnte das Collegium Hungaricum an alter Stelle, aber in einem neuen Haus eingeweiht werden. In der öffentlichen Ausschreibung hatte der Entwurf von Schweger Assoziierte überzeugt, weil er moderne Formensprache, sensiblen Umgang mit dem Ort und symbolische Aspekte miteinander verband.

Noch allerdings ist das Ensemble nicht vollendet, denn das Collegium Hungaricum sollen in Zukunft zwei Wohnhäuser ergänzen, so dass ein Hof entstehen wird, der die volumetrischen Aussparung nach Westen des Neubaus erklären. Dieser liegt in der Sichtachse zwischen der Straße Unter den Linden und der Dorotheenstraße. Im Blickfeld steht der Haupteingang und das große Fenster des sechs Meter hohen Festsaals im ersten und zweiten Obergeschoss des weiß verputzten, kubischen Baus. Die kulturellen Impulse, die vom Collegium ausgehen, sollen in die Stadt hineinwirken, Fenster und Wand dienten bereits schon als Projektionsfläche für Filmvorführungen und Installationen.
Blick von Südosten. Im Fenster des Festsaals spiegelt sich die Universität Berlin, deren Studenten gerne im Haus gesehen werden.
Blick von Südosten. Im Fenster des Festsaals spiegelt sich die Universität Berlin, deren Studenten gerne im Haus gesehen werden.
Aber das Haus wirkt nicht nur in den öffentlichen Raum, es versteht sich selbst als öffentliches: Erdgeschoss und die ersten beiden Obergeschosse sind dem Publikum zugänglichen Räumen vorbehalten: einem Café, dem Ausstellungsraum, einer Bibliothek sowie Veranstaltungsräumen für Seminare, Diskussionsforen, Konzerte und Vorträge. Im vierten Obergeschoss liegen Büros, im fünften sind Wohnungen für Gäste und Hausmeister untergebracht.
Blick in des Foyer im Erdgeschoss.
Blick in des Foyer im Erdgeschoss.
Bündig in die Fassade eingesetzte abgetönte Fenster unterschiedlicher Größe spielen mit dem Spannungsverhältnis zwischen geschlossener und aufgelöster Wand, die Fassaden werden gleichzeitig als eigene Komposition wie als Bild der dahinter liegenden Funktionen lesbar, das Haus wirkt einerseits fremd, abstrakt, andererseits vertraut modern. Damit wird auf die kulturellen Beziehungen zwischen Ungarn und Deutschland aus der Zeit des ersten Collegiums, namentlich Moholy-Nagys und dem Bauhaus angespielt. Die Voraussetzungen für weiteren fruchtbaren Austausch könnten günstiger nicht sein: In unmittelbarer Nachbarschaft liegen Humboldt-Universität, deren Studierende eine der Zielgruppen des Instituts sind und mit deren Lehrstuhl für Hungarologie eine jahrzehntelange Zusammenarbeit besteht, das Maxim Gorki Theater, das Deutsche Historische Museum sowie die Museumsinsel.
Christian Holl
Lageplan mit den beiden noch nicht realisierten Wohnhäusern
Lageplan mit den beiden noch nicht realisierten Wohnhäusern
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss des zweiten Obergeschosses
Grundriss des zweiten Obergeschosses
Längsschnitt
Längsschnitt
Neubau Collegium Hungaricum
2007

Dorotheenstraße 12
10117 Berlin

Auftraggeber
Republik Ungarn
vertreten durch das Ministerium für das Nationale Kulturelle Erbe,
vertreten durch den Minister des Ministeriums für das Nationale Kulturelle Erbe Dr. András Bozóki

Architektur
Schweger Assoziierte
Hamburg

Projektleiter
Jürgen Schwarz

Generalübernehmer
Hochtief Construction AG

Tragwerksplanung
HMI Hartwich Mertens Ingenieure
Berlin

Haustechnik
Kaiser+ Fülgraff
Berlin

BGF
1.BA
3.100 qm

Baukosten
7,8 Mio Euro

Fotografie
Tomek Kwiatosz

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Soeben wurde der Baulöwe Jürgen Schneider zum Theaterstar: Dadurch kommen sich Immobilienbranche und Baukultur durchaus noch nicht näher (http://www.theater-projekt-stuttgart22.de/SchneiderInhalt.html, Bild: Daniela Aldinger)
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